vergrößernverkleinern
Giovanni Guidetti trainierte die deutschen Volleyballerinnen von 2006 bis 2015
Giovanni Guidetti trainierte die deutschen Volleyballerinnen von 2006 bis 2015 © dpa

Baku - Dem ehemaligen Bundestrainer platzt nach der klaren Niederlage seiner Niederländerinnen im Viertelfinale gegen Gastgeber Aserbaidschan der Kragen. Die Zukunft macht ihm Angst.

Giovanni Guidetti ist bekannt als Wüterich an der Linie. Doch nach der 0:3-Packung seiner Niederländerinnen im Viertelfinale der Europaspiele gegen Gastgeber Aserbaidschan platzte dem emotionalen Italiener selbst für seine Verhältnisse in spektakulärer Manier der Kragen.

SPORT1 vor Ort in Baku
SPORT1 vor Ort in Baku © SPORT1/Getty Images

"Das war das schlechteste Match meines Lebens", sagte Guidetti: "In den ersten zwei Sätzen hat Aserbaidschan schrecklich gespielt, schlimmster Volleyball, aber wir waren noch schlechter."

"Tausende dumme Fehler"

Der langjährige Bundestrainer, einmal in Fahrt, legte nach: "Ich kann es ja akzeptieren, gegen bessere Teams zu verlieren, aber sie haben schlecht gespielt."

Beim eigenen Team beklagte er "tausende dumme Fehler", Netzberührungen oder vergebene Aufschläge. Zumindest bei Letzterem musste Lonneke Sloetjes, Oranjes Topscorerin, ihrem Trainer beipflichten: "Es ist frustrierend, enttäuschend. Beim Service haben wir einen wirklich schlechten Job gemacht."

Dabei hätten auch die lauten Buhrufe von den Zuschauerrängen bei niederländischem Aufschlag keine entscheidende Rolle gespielt. "Auf dem Platz hörst du das gar nicht so richtig", sagte Sloetjes: "Wir können nicht das Publikum für unser schlechtes Spiel verantwortlich machen."

Guidetti stellt Projekt in Frage

Die Aserbaidschanerinnen spielen nun in Baku am Donnerstag gegen die Türkei um den Finaleinzug, den zweiten Endspielteilnehmer machen Deutschlands Bezwinger Polen und Serbien untereinander aus.

Die Niederlande hatten in der Vorrunde gegen Deutschland ebenfalls eine 0:3-Niederlage kassiert, sich aber ansonsten weitgehend souverän für die K.o-Phase qualifiziert.

Nach dem Auftritt gegen Aserbaidschan war Guidetti dann aber so geladen, dass er gleich das ganze Projekt in Frage stellte. "In den letzten Wochen haben die Mädchen immer besser gespielt, und dann im interessantesten Spiel des Turniers fallen wir auseinander wie eine Juniorenmannschaft", sagte er und malte ein düsteres Bild der Zukunft: "Wir starten jetzt von Level minus 10. Das war das erste wirkliche Match, das wir in dieser Saison gespielt haben. Wenn das das Ergebnis ist, dann habe ich wirklich Angst."

Guidetti hatte die deutsche Nationalmannschaft neun Jahre lang trainiert und mit ihr unter anderem zweimal EM-Silber gewonnen. In Folge der enttäuschend verlaufenen WM 2014 in Italien (Platz neun) kam es dann aber zum Zerwürfnis mit dem Team und im Januar schließlich zur Trennung vom DVV. Kurz darauf übernahm er die Niederlande.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel