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Wrestling Day 5: Baku 2015 - 1st European Games
Aserbaidschans Togrul Asgarov holte Gold vor der tobenden Menge in Baku © Getty Images

Baku - Aserbaidschans Ringer liefern in Baku die ganz große Show ab und befeuern den Nationalstolz. Dabei sucht die traditionsreiche Sportart den Weg aus der Krise.

Die Ehrenrunden absolvierten sie auf den Schultern ihrer Trainer, die aserbaidschanische Flagge stolz über den Kopf gereckt.

Fast 5000 Zuschauer feierten ihre Superstars Khetag Gazyumov und vor allem den erst 22-jährigen Togrul Asgarov mit stehenden Ovationen und lauten Sprechchören.

Die beiden lieferten am Mittwoch im Ringer-Tempel Heydar Alyev Arena die ganz große Show ab bei den Europaspielen in Baku und gewannen jeweils Gold vor der tobenden Menge und den Augen des Präsidenten.

Ilham Alijew, Sohn des langjährigen Staatschefs und Namensgebers der Halle, ließ es sich dann auch nicht nehmen, den beiden persönlich die Medaillen zu überreichen und sie überschwänglich zu herzen.

Aserbaidschan zählt zu den führenden Nationen

Die Sportart genießt in Aserbaidschan einen enormen Stellenwert. Mit Russland, Türkei und Iran gehört das Land zu den führenden Nationen weltweit. "Das Ringen hat hier eine sehr lange Tradition", erklärte Gazyumov nach seinem Finalkampf im SPORT1-Interview: "Die jungen Leute wollen ihren Vätern und Großvätern nacheifern."

SPORT1 vor Ort in Baku
SPORT1 vor Ort in Baku © SPORT1/Getty Images

Er besiegte in der Klasse bis 97 kg im freien Stil den Georgier Elizbar Odikadze, zuvor im Halbfinale hatte er Weltmeister Abdusalam Gadisov ausgeschaltet und sich für Niederlage bei der WM im vergangenen Jahr revanchiert.

Asgarov, Olympiasieger und Europameister von 2012 beendete seinen Finalkampf in der Klasse bis 65 kg gegen den Italiener Frank Chamizo Marquez mit einer spektakulären Aktion vorzeitig.

"Es ist eine große Verantwortung, hier zu kämpfen im Vaterland, vor so vielen aserbaidschanischen Zuschauern", sagte Gazyumov: "Ich bin sehr glücklich, dass ich den Erwartungen standhalten konnte." Und Asgarov erklärte voller Pathos: "Ich widme diesen Sieg der aserbaidschanischen Nation."

Armenier werden ausgepfiffen

Worte, die beim Präsidenten wie auch der Menge gut ankommen. Beim Ringen wird der aserbaidschanische Nationalstolz greifbar, die Stimmung ist so aufgeheizt wie sonst keinem Wettkampf der Europaspiele.

Mit der Fairness nehmen es die Zuschauer dabei nicht sehr genau. Vor allem die verhassten Nachbarn aus Armenien, mit dem Aserbaidschan seit Jahrzehnten einen bewaffneten Konflikt um die Region Bergkarabach führt, werden gnadenlos niedergepfiffen.

Dabei wäre die so populäre und heißblütig verfolgte Disziplin nach diversen Streitigkeiten um ein Haar gar nicht dabei gewesen in Baku.

Der eigenwillige Weltverband liegt ziemlich über Kreuz mit dem Internationalen Olympischen Komitee, zwischenzeitlich war sogar das Aus einer der traditionsreichsten Sportarten überhaupt bei Olympia schon fast beschlossene Sache.

Die Programm-Kommission des IOC hatte Werte wie Zuschauerzahlen, TV-Quoten und Ticketverkäufe analysiert und dann denn Ringern nach offenbar frappierenden Resultaten die dunkelgelbe Karte gezeigt.

Nach weltweiter Empörung ermöglichte schließlich ein Einlenken des Verbandes in Fragen des schwer durchschaubaren Regelwerks, die Öffnung der Sportart gegenüber Frauen und letztlich ein Führungswechsel bei der FILA die Kehrtwende.

"Ringen gehört zu Olympia"

Das Spektakel in Baku, wo die Ringer ihre Europameisterschaft austragen, soll nun dazu beitragen, dass der Status der Sportart im olympischen Programm wieder gefestigt wird.

"Das ist genau die richtige Botschaft", sagte Deutschlands Silber-Gewinner Marcel Ewald im Gespräch mit SPORT1: "Wer das hier sieht, der weiß: Ringen gehört zu Olympia wie die Blumen zu Siegerehrung."

Für die Athleten ging es bei den Europaspielen allerdings nicht um die Olympia-Qualifikation, die ersten Tickets nach Rio de Janeiro werden bei der WM in Las Vegas im September vergeben.

Ewald hofft dennoch auch auf einen Popularitätsschub in der Heimat. "Das gab es ja schon lange nicht mehr, das Ringen live im Fernsehen übertragen wurde", sagte er: "Wenn die Leute sehen, was hier los ist, wie der Sport hier gelebt und gefeiert wird und wie spannend die Kämpfe sein können, das hilft natürlich ungemein. Das ist regelrechte Party."

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