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Baku - Karateka Jonathan Horne verpasst in Baku den ganz großen Wurf, macht aber Werbung für seinen Sport und die Aufnahme ins olympische Programm. Das Daumendrücken eines prominenten Kumpels hilft nicht.

Das Daumendrücken von Raphael Holzdeppe half am Ende nicht.

"Es geht um Gold!", hatte der Stabhochsprung-Weltmeister Raphael Holzdeppe getwittert, schon lange bevor sein Kumpel Jonathan Horne das Finale im Kumite bei den Karatewettbewerben der Europaspiele (täglich LIVE auf SPORT1) überhaupt erreicht hatte.

Doch der Leichtathlet wusste, wovon er sprach. Unaufhaltsam pflügte Horne, vielfach dekorierter deutscher Vorzeige-Karateka in der Klasse über 84 Kilogramm, durchs Feld, bis er im Finale knapp Enes Erkan aus der Türkei unterlag.

Bei der Premiere der Kontinentalwettkämpfe auf dem Treppchen, es ist ein weiterer Meilenstein auf dem mit Erfolgen gepflasterten Weg des Pfälzer Hünen (1,94 m, 94 kg). "Ich schreibe gerne Geschichte, ist ja nicht das erste Mal", sagte Horne im Gespräch mit SPORT1, die Miene munter, Schweißperlen auf der Stirn. Die erste Enttäuschung des zweimaligen World-Games-Siegers und mehrmaligen Europameisters war schnell verflogen. 

Horne glücklich mit Silber

Er sei glücklich, es so soweit geschafft zu haben, und vor allem so souverän: "Ich gehe hier mit zwei Gegenpunkten  raus, das war schon ein starker Wettkampf – bis auf das Finale."

Dort traf er nicht auf irgendjemanden, Erkan ist aktueller Welt- und Europameister und in seiner Heimat enorm populär. Ein halbes Dutzend Kamerateams rangelte sich nach der Siegerehrung  um den Goldgewinner.

Der Traum von Olympia

Ob ihm oder anderen Karateka in näherer Zukunft auch olympische Medaillen um den Hals baumeln?

Nicht als einzige Disziplin haben sich die Kampfsportler längst in Stellung gebracht in Zeiten, in denen sich sogar Tauziehen und Speerfischen für die Spiele bewerben. "Ich habe große Hoffnungen für die Generation nach mir, dass sie irgendwann mal bei Olympia starten darf", sagte Horne: "Ich selber werde es wohl nicht mehr erleben. Aber der Sport ist es wert."

Laut Kumite-Bundestrainer Thomas Nitschmann, der trotz nur einer Medaille mit dem deutschen Abschneiden in Baku zufrieden war, hat Karate eine realistische Chancen, 2020 in Tokio im Programm aufzutauchen.

Hornes Gedanken schweiften nach dem Finale noch nicht so weit, ihm lag die mittelfristige Zukunft am Herzen. Und so kündigte er perspektivisch eine Feier mit seinem Kumpel Holzdeppe an, der nun gefälligst bei der Leichtathletik-WM im August in Peking nachlegen soll im pfälzischen Medaillenrennen.

Die beiden, einer aus Kaiserslautern, einer aus Zweibrücken, lernten sich bei der Bundeswehr kennen und sind seit fünf Jahren gut befreundet.

Auch in Baku hätte es um ein Haar ein Treffen gegeben, doch Holzdeppe reist erst in der zweiten Woche für ein Show-Springen auf dem zentralen Fountain Square an. Für die Karateka geht es aber am Dienstag bereits nach Hause.

Horne ("Cool, hier unter olympischer Flagge zu starten") hätte auch Lust auf ein zweites Mal Europaspiele: "Ich wäre gerne nochmal dabei, wenn ich dann nicht zu alt bin."

 Warum, das liegt auf der Hand für den 26-Jährigen: "Um mir die Goldmedaille abzuholen."

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