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München - Mit erstaunlicher Souveränität für einen 18-Jährigen verarbeitet Paul Hentschel seinen Triumph über 400 Meter Freistil. Für ihn war dieser Sieg in Baku nur der Anfang.

"Ich habe etwas rausgenommen und bin trotzdem locker vor dem Feld geblieben, es hat mich kaum angestrengt." So gelassen sprach der neue Junioren-Europameister über seinen Gold-Coup in Baku.

Mit bewundernswerter Leichtigkeit ist Paul Hentschel im Finale über 400 Meter Freistil bei den Europaspielen (täglich LIVE im TV auf SPORT1) dem Rest des Feldes davongeschwommen. Nicht nur in Sachen Coolness ist der gerade einmal 18-Jährige auf den Spuren des "großen" Paul unterwegs.

Auf den Spuren von Biedermann

Paul Biedermann, aktuell bekanntester Star der deutschen Schwimm-Szene, war 17 Jahre alt, als er sich 2004 in Lissabon zum dreifachen kontinentalen Titelträger bei den Junioren krönte – unter anderem ebenfalls über seine heutige Paradedisziplin 400 Meter im freien Stil.

Paul Biedermann ist die deutsche Medaillenhoffnung bei der Schwimm-WM in Kasan
Paul Biedermann ist Pate des DVAG-Juniorteams, Förderteam des DSV, und damit auch von Paul Hentschel © Getty Images

Elf Jahre später ist Biedermann viermaliger Weltmeister und hat fünf Weltrekorde aufgestellt. Ähnliche Erfolge will Hentschel auch mal erreichen. Im Aquatics Centre von Baku, wo die Schwimm-Entscheidungen gleichzeitig als Junioren-EM gewertet werden, hat er den ersten Schritt gemacht.

"Mein Ziel ist, irgendwann bei Olympischen Spielen an den Start zu gehen. Das ist für jeden Sportler das Größte, was man erreichen kann. Hier habe ich auf jeden Fall Blut geleckt und will mehr", lautet die eigene Vorgabe des jungen Chemnitzers.

Renneinteilung wie ein Profi

Beeindruckend war, auf welche Art und Weise er die Goldmedaille bei den Europaspielen errungen hat. Bereits nach 50 Metern hatte der Deutsche die Führung inne – und gab sie bis zum finalen Anschlag nicht mehr her.

"Mein Plan war eigentlich nur mit dem Feld mitzugehen, aber da ich ganz außen war und nach rechts geatmet habe, habe ich das Feld nicht gesehen. Nach 75 Metern habe ich gesehen, dass ich einen Riesenvorsprung habe", beschrieb Hentschel den Rennverlauf aus seiner Sicht.

Der Rest ist bekannt. Das Nachwuchstalent des DSV nahm etwas Tempo raus, ließ seine ärgsten Konkurrenten, Dimitrios Dimitriou aus Griechenland und den Russen Ernest Maksumov, aber nie ganz herankommen.

"Ich konnte es einfach nicht fassen. Ich dachte, nach 200 Metern müssten die anderen kommen und mich überholen, dass ich einbreche, aber es ist einfach nicht passiert", wunderte sich Hentschel.

Das  Beste kommt noch

Und bei den Europaspielen ist der für das DVAG-Juniorteam startende Athlet noch lange nicht am Ende. Er geht in Baku noch in seinen beiden stärkeren Disziplinen an den Start.

"Eigentlich war mein Ziel, über die 200 und 400 Meter Lagen eine Medaille zu holen. Jetzt habe ich sie schon am ersten Tag auf der ersten Strecke geholt. Damit kann ich locker in die nächsten Wettkämpfe gehen."

Klingt, als darf man sich noch auf Einiges gefasst machen.

Das Finale über 400 Meter Lagen findet am Donnerstag statt, der Endlauf über die halbe Distanz steigt am Samstag. (Beides LIVE im TICKER und TV auf SPORT1)

Dann könnte der "kleine" Paul es dem "großen" Paul nachmachen und sich in Baku zum dreifachen Junioren-Europameister krönen.

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