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Previews - Baku 2015 - 1st European Games
In Baku leben über zwei Millionen Menschen © Getty Images

Baku - Ein Groß-Event will sich etablieren, ein umstrittenes Gastgeber-Land sich präsentieren. Vom dem Erfolg der ersten Europaspiele in Baku wird einiges abhängen.

Es könnte ein gewöhnlicher, wenngleich gigantischer Wohnblock sein.

Von denen gibt es schließlich einige in Baku, der Stadt mit über zwei Millionen Einwohnern am Kaspischen Meer.

Doch die verschiedenen Landesflaggen unter den Fenstern verraten: Die bis zu 17 Stockwerke hohen Gebäude im brandneuen Athletendorf der ersten Europaspiele sind soeben frisch bezogen worden.

Mehr als 6000 Sportler aus 50 Ländern treten ab Freitag in Aserbaidschan in 20 Disziplinen an bei der Premiere des kontinentalen Events (LIVE auf SPORT1).

"Es hat schon etwas von Olympia hier", sagt Tischtennis-Star Timo Boll im Gespräch mit SPORT1: "Die Mensa, das Zusammenleben mit anderen Sportlern in einem Dorf, die Farben, es ist alles ähnlich aufgebaut."

Ovtcharov: "Super Idee"

Das Olympia im Miniformat, es startet auf eine Reise ins Ungewisse unter der glühend heißen Sonne im "Land of Fire". Weil der Ausrichter schwer umstritten, der Wert der Wettbewerbe schwer zu benennen und die Zukunft offen ist.

Dimitrij Ovtcharov, Bolls Landsmann und dessen schärfster Konkurrent in Baku, findet: "Das ist eine super Idee. Kontinentalspiele gibt es schließlich überall. Vielleicht wird das Turnier wachsen und eine große Tradition erlangen in 20, 30 Jahren."

Die beiden haben einen guten Grund für ihre Anreise, kämpfen sie hier doch um einen direkten Qualifikationsplatz für Rio de Janeiro 2016. Das ist nicht in allen Disziplinen so, zu dicht sind die Wettkampfkalender. "Natürlich muss sich das Ganze erst entwickeln, weil eben viele Sportarten nicht mit ihren besten Mannschaften hier sind", sagt Boll.

Gigantischer Aufwand

Der Aufwand, den Aserbaidschan betreibt, ist so oder so gigantisch. DOSB-Generalsekretär Michael Vesper sagt im SPORT1-Interview: "Das Gastgeberland hat diese Veranstaltung zu einer nationalen Priorität erhoben und wird alles tun, um die Spiele erfolgreich zu organisieren."

Diese Einschätzung bestätigt sich schon durch die ersten Eindrücke in der Kaukasus-Metropole. Die Spiele sind in Form von Bauten und Plakaten allgegenwärtig, unzählige Sicherheitskräfte und Volunteers bevölkern die Straßen, auf denen sogar eine eigene Busspur abgesetzt wurde, damit die Gäste zügig zum Ziel kommen.

Offizielle Angaben zu den Kosten gibt es nicht, Schätzungen gehen von bis zu sechs Milliarden Euro aus.

Hiobsbotschaften vor Beginn

Ob das Format ein langfristiger Erfolg wird, ist noch nicht abzusehen, vorab haben schlechte Nachrichten die Stimmung getrübt.

Am Donnerstag wurden im Athletendorf bei einem Unfall mit einem Shuttlebus drei österreichische Synchronschwimmerinnen zum Teil schwer verletzt.

Und bereits am Mittwoch hatte das Projekt mit dem überraschenden Rückzug der Niederlande, die die zweite Ausgabe der Spiele 2019 hätten ausrichten sollen, einen empfindlichen Dämpfer erlitten.

Patrick Hickey, der Präsident des Europäischen Olympischen Komitees, betont dennoch: "Nach erfolgreichen Spielen von Baku wird man keine Probleme haben, andere Ausrichter zu finden."

Nur der Startschuss

Für Aserbaidschan und den Clan des Staatspräsidenten Ilham Alijew sollen die Europaspiele ohnehin nur der Startschuss einer Offensive im globalen Sportgeschäft sein.

2016 gastiert die Formel 1 in Baku, 2020 werden hier Spiele der Fußball-Europameisterschaft ausgetragen. Und über allem steht das Ziel Olympia. Zweimal (2016, 2020) war Baku in der Vorausscheidung gescheitert.

Dass man es könnte, sollen die kommenden 17 Wettkampftage zeigen, beginnend mit der höchstwahrscheinlich spektakulären Eröffnungsfeier am Freitag.

Damit vielleicht irgendwann nicht nur europäische Flaggen aus den Fenstern hängen.

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