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Martin Bader ist seizt Oktober 2010 einer der beiden Vorstände des 1. FC Nürnberg

Nürnberg - Nach dem Absturz auf einen Abstiegsplatz regiert das Chaos beim 1. FC Nürnberg. Sportchef Martin Bader wird scharf kritisiert.

Der taumelnde 1. FC Nürnberg reagiert auf seine Krise mit einem eher hilflosen "weiter so!".

Gut fünf Stunden redeten sich Aufsichtsratschef Klaus Schramm, der umstrittene Sportvorstand Martin Bader und der Sportliche Leiter Wolfgang Wolf am Donnerstag die Köpfe heiß (News), dann teilten sie mit, dass es nicht viel mitzuteilen gibt.

Trainer Valerien Ismael wird auch am Montag gegen den 1. FC Kaiserslautern auf der Bank sitzen, auch Bader bleibt im Amt.

"Es ist doch klar, dass man sich unterhält", sagte Schramm am Tag nach dem 0:3 (0:2) beim 1. FC Heidenheim (Bericht) und wollte Glauben machen, dass es "keinen besonderen Anlass" für das Gespräch der drei Verantwortlichen gegeben habe. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Es sei "nicht das Ansinnen von mir oder Herrn Bader, eine Veränderung herbeizuführen", sagte er.

Es gebe deshalb "keinen Anlass, über den Trainer zu diskutieren, das würde der Sache nicht guttun". Der Club ist nach zuletzt drei Niederlagen nacheinander derzeit nur Tabellen-16.

Obwohl Bader und Ismael vorerst weiterarbeiten dürfen, denkt der Sportvorstand auch über einen Rücktritt nach.

"Ich muss jetzt alles erst sacken lassen. Natürlich auch das, was heute passiert ist. Ja, ich mache mir dabei auch über einen möglichen Rücktritt Gedanken. Wenn ich den Eindruck habe, dass damit dem Verein geholfen ist und ich Ballast von ihm nehme, werde ich diesen Schritt auch gehen", sagte Bader der "Bild".

Der 46-Jährige kündigte zudem weitere Gespräche an. "Ich will noch eine Nacht darüber schlafen und weitere Gespräche führen. Die Entscheidung über mein Schicksal treffe ich ganz allein und niemand anderes. Das Heft des Handelns möchte ich schon selber in der Hand behalten", sagte er weiter.

Bizarre Szenen in Nürnberg

Zur gleichen Zeit kam es am Valznerweiher zu einigen bizarren Szenen. Während mutmaßlich über seine Zukunft gesprochen wurde, leitete Trainer Valerien Ismael wie geplant das Training, danach stellte er sich kurz der Presse.

"Momentan bin ich der Trainer", alles weitere könne er nicht beeinflussen, sagte der Franzose. Am kommenden Montag spielt der Club gegen den 1. FC Kaiserslautern. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Unterdessen forderte der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Günther Koch zum wiederholten Male den Rücktritt von Sportvorstand Bader.

Der ehemalige Reporter des "Bayerischen Rundfunks" hatte wohl angenommen, er dürfe an der Sitzung mit Schramm, Bader und Wolf teilnehmen, fand sich aber vor verschlossenen Türen wieder und gab kurzerhand eine Stellungnahme ab.

Koch: Bader-Rücktritt wäre normal

"Ein Rücktritt von Bader wäre jetzt normal", sagte Koch, Ismael sei nicht der allein Schuldige an der sportlichen Krise.

In der Tabelle steht der Club nach drei Niederlagen nacheinander und fünf in den vergangenen sechs Punktspielen derzeit auf dem Relegationsplatz.

Die Situation ist zusätzlich angespannt, weil am kommenden Dienstag die Mitgliederversammlung ansteht. Dort müssen turnusmäßig und aufgrund von Rücktritten fünf von neun Aufsichtsratsmitgliedern neu gewählt werden.

Wichtige Entscheidungen sollen vertagt werden

Eventuelle Entscheidungen über Trainer und Vorstand hatte der derzeit amtierende Aufsichtsrat deshalb auf die Tage nach der Mitgliederversammlung verschieben wollen.

Ein Trainerwechsel wäre bereits der fünfte innerhalb nicht einmal eines Jahres. Im vergangenen Oktober war Michael Wiesinger zunächst durch U23-Trainer Roger Prinzen ersetzt worden, ehe der Niederländer Gertjan Verbeek verpflichtet wurde.

Dieser wiederum war drei Spieltage vor dem Ende der abgelaufenen Bundesliga-Saison wiederum von Prinzen abgelöst worden. Nach langer Suche war schließlich Isamel vom VfL Wolfsburg II verpflichtet worden.

So klang Heidenheims Führungstor auf SPORT1.fm

Einen sehr skurrilen Auftritt hatte der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Günther Koch: Der ehemalige Reporter des Bayerischen Rundfunks hatte wohl angenommen, er dürfe an der Sitzung mit Schramm, Bader und Wolf teilnehmen, fand sich aber vor verschlossenen Türen wieder und sprach kurzerhand zur Presse.

Ismael sei nicht der allein Schuldige, sagte Koch. Bader solle "einsehen, dass es so nicht weitergehen kann" und "eine Lösung anbieten, die uns alle zufriedenstellt". Eine unverhohlene Aufforderung zum Rücktritt.

Schramm entschuldigt sich für Koch

Schramm sah sich dazu veranlasst, sich für den Auftritt von Koch "auch im Namen des Aufsichtsrats zu entschuldigen".

Das sei "kein guter Stil", kritisierte er, tatsächlich bezeichnete er das Verhalten seines Stellvertreters als "vereinsschädigend" und bezeichnete eine weitere Zusammenarbeit mit Koch als "nur noch schwer möglich". Die Konfrontation ist ein weiterer Beweis dafür, dass der Aufsichtsrat zerstritten ist.

Die Situation ist zusätzlich angespannt, weil am Dienstag die Mitgliederversammlung ansteht. Dort müssen turnusmäßig und aufgrund von Rücktritten fünf von neun Aufsichtsratsmitgliedern neu gewählt werden.

Eventuelle Entscheidungen über Trainer und Vorstand hatte der derzeit amtierende Aufsichtsrat deshalb auf die Tage nach der Versammlung verschieben wollen. Gut möglich, dass das große Stühlerücken danach trotzdem beginnt.

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