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Wolfgang Wolf hat sich den Saisonstart mit dem 1. FC Nürnberg ganz anders vorgestellt

Vor Nürnbergs Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern spricht FCN-Sportchef Wolfgang Wolf bei SPORT1 über die Krise beim Club.

Von Reinhard Franke

München - Beim 1. FC Nürnberg brennt es. Lichterloh.

Und Sportchef Wolfgang Wolf ist bemüht überall zu löschen, wo es nötig ist.

Die sportliche Krise ist beängstigend. Der fränkische Traditionsverein steht nach sieben Spielen mit nur sechs Punkten auf dem vorletzten Tabellenplatz (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Und Wolfs Sorgenfalten werden immer größer. Der 57-Jährige kam vor der Saison zum Club und holte in Zusammenarbeit mit Sportvorstand Martin Bader mit Valerien Ismael einen neuen Trainer.

Doch vor dem Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern (ab 19.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1, LIVE auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER) steht Ismael unter Druck. Gegen die "Roten Teufel" muss ein Sieg her - ohne Wenn und Aber.

Schäfer suspendiert

Nicht dabei mithelfen kann Torwart Raphael Schäfer. Ismael strich den 35-Jährigen, seit über 10 Jahren unumstrittene Nummer eins beim Club, vorläufig komplett aus dem Kader und sorgte damit für einen Paukenschlag mitten in der Krise.

Gegen Lautern soll der bisherige Ersatzkeeper Patrick Rakovsky das Nürnberger Tor hüten.

Bei SPORT1 spricht Wolf im Interview über das Chaos beim FCN und die Situation um Bader und Ismael.

SPORT1: Herr Wolf, die Nerven beim Club liegen blank. Jetzt hat Trainer Valerien Ismael Torwart und Club-Ikone Raphael Schäfer suspendiert. Was sagen Sie zu dieser Maßnahme?

Wolfgang Wolf: Der Trainer hat sich dazu entschiedenen den Weg mit den beiden jüngeren Torhütern weiter zu gehen, das muss Raphael akzeptieren.

SPORT1: Am Donnerstag gab es eine mehrstündige Krisensitzung mit dem Ergebnis, dass Valerien Ismael vorerst Trainer bleibt. Worüber wurde so lange debattiert?

Wolfgang Wolf: Wir haben über viele Sachen gesprochen, weil wir nicht zufrieden sein können mit unserer sportlichen Situation und unsere Außendarstellung im gesamten Verein gerade nicht die beste ist.

SPORT1: Warum hält man an Ismael fest? Ist Lautern nun sein Endspiel?

Wolf: Natürlich wird es von Spiel zu Spiel schwerer und wir stehen unter Druck ­ und in der Kritik. Wir haben Vertrauen in unseren Trainer. Er arbeitet ruhig, gelassen und akribisch an der Situation und das beeindruckt mich. Jetzt wird man sehen, wie wir gegen Kaiserslautern mit dem Druck umgehen können. Ich hoffe, dass die Zuschauer von Anfang an auf unserer Seite sind, obwohl wir die drei letzten Spiele nicht gut gespielt und verloren haben. Das wissen wir auch und da reden wir auch nichts schön.

SPORT1: Der Druck gegen den FCK wird für Ismael und die Mannschaft immens sein, oder?

Wolf: Natürlich ist das eine ganz schwierige Phase, aber da haben wir uns selber reingebracht. Da müssen wir jetzt durch und müssen uns freischwimmen. Das gilt für jeden im Verein.

SPORT1: Glauben Sie, dass Ismael bei einer erneuten Niederlage noch zu halten ist?

Wolf: Da will ich gar nicht darüber nachdenken. Natürlich gibt es das Trainer­Thema, das ist bei Ergebnissport leider normal.

SPORT1: Am Dienstag wird ein neuer Aufsichtsrat gewählt. Kommt es da zum großen Knall, sollte es gegen den FCK erneut schief gehen?

Wolf: Ich hoffe vielmehr, dass ein Aufsichtsrat gewählt wird, mit dem wir als Gesamtverein wieder in ein ruhiges Fahrwasser kommen, wo einheitliche Entscheidungen getroffen werden, so dass wieder Ruhe im Verein herrscht. Wir müssen wieder sagen können, dass wir alle in eine Richtung gehen. Das ist unser großer Wunsch.

SPORT1: Herr Bader bleibt vorerst im Amt. Er sprach am Donnerstag offen über sein mögliches Ende beim FCN. Einen Tag später entschied er sich doch zu bleiben. Sind Sie erleichtert, dass er bleibt?

Wolf: Ja. Er darf die Brocken nicht hinschmeißen. Die ganze Geschäftsstelle steht zu ihm. Ich habe einen Leitspruch: Wer viel Arbeitet, darf auch Fehler machen, man muss sie natürlich versuchen zu minimieren. Martin Bader lebt für den Verein.

SPORT1: Bader werden die letzten Trainer und verfehlte Personalpolitik zum Vorwurf gemacht.

Wolf: Es ist klar, dass ihm das alles angelastet wird, aber ich finde es wichtig, dass er weitermacht. Der umgekehrte Fall wäre für den Verein nicht gut.

SPORT1: Was ist Ihre Hoffnung für das Spiel gegen den FCK?

Wolf: Dass die Mannschaft und der Trainer für ihre Arbeit belohnt werden, indem die Jungs versuchen keine Fehler zu machen, ihr Herz in beide Hände nehmen und sich mit dem FCK einen heißen Fight bieten, wie sich das gehört. Jeder muss seine 100 Prozent abrufen und dadurch die Fans im Stadion mitnehmen. Dann sind wir schon einen Schritt weiter, und ich bin der Hoffnung, dass wir drei Punkte holen.

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