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Valerien Ismael

SPORT1-Experte Christian Beeck sieht beim Club eine falsche Einstellung. St. Paulis Trainer muss sich in seinen Augen ändern.

Hallo Zweitliga-Freunde,

Thomas Meggle hat sein Debüt auf St. Pauli als Nachfolger von Roland Vrabec verloren. Den Trainerwechsel schon jetzt als falsch darzustellen, wäre unfair. Thomas Meggle wird seinen Weg gehen.

Allerdings muss er dabei das Verhalten ändern. Der Rempler gegen den vierten Offiziellen bei der 1:2-Pleite gegen 1860 wird mit Sicherheit eine Strafe mit sich ziehen, denn der DFB ist in solchen Sachen rigoros.

Meggle ist ein junger Coach und will mit all dem Elan, der in ihm steckt, zeigen, dass er ein Spiel gewinnen kann. Ein Trainer, der sich am Ende des Tages aber nicht im Griff hat und sich nicht an Regeln hält ? wird nicht funktionieren. Bei aller Emotionalität darf das niemals passieren.

Trainer sind Vorbilder, solche Bilder gehen um durch das ganze Land. Es gibt genügend Probleme in unteren Ligen mit Aggressivität gegenüber Schiedsrichtern. Da sind solche Aktionen nicht gerade hilfreich.

Außerdem bringen sie Unprofessionalität mit sich und sorgen nicht für Ruhe und kontinuierliche Arbeit. So etwas lenkt immer ab. St. Pauli wird daher schwere Wochen vor sich haben. Wenn die Ergebnisse nicht kommen, wird es hart.

Es wundert mich ohnehin, dass St. Pauli nicht zur Ruhe kommt und sich die Defensive immer wieder Gegentore fängt. Das müssen sie zwingend abstellen.

Und zwar direkt. So etwas muss von heute auf morgen umgesetzt werden. Ich muss meine Situationen wesentlich einfacher gestalten und nicht so kompliziert agieren wie es die Hamburger zuletzt taten.

Die Partie beim punktlosen Schlusslicht Aue ist daher schon ein Stück weit richtungsweisend. St. Pauli muss gewinnen, um den Anschluss nach ganz oben nicht zu verlieren und nicht in einen richtig desolaten Zustand zu geraten.

Das wäre fatal. Denn die Mannschaft ist qualitativ scheinbar doch nicht so gut bestückt, dass ihr mal eben ein nachhaltiger Befreiungsschlag gelingen könnte.

Wie St. Pauli hat auch Braunschweig nur vier Zähler auf dem Konto. Das ist eine schwierige Situation für die Eintracht: Die Leistungsträger aus dem Erstliga-Jahr sind weg. Das sind auch die richtig, richtig guten Spieler, mit denen der Verein aufgestiegen ist.

Jetzt ist die Masse da, die auch im Aufstiegsjahr wahrscheinlich nur Achter geworden wäre. Demzufolge spiegelt die aktuelle Platzierung den derzeitigen Leistungsstand der Mannschaft wider. In meinen Augen passiert dort nichts Überraschendes.

So etwas musst du einkalkulieren, wenn du nach einem Abstieg die wichtigsten Stützen verlierst. Das ist nicht so einfach zu kompensieren.

Was Nürnberg derzeit veranstaltet, ist aber noch schlimmer als in Braunschweig. Die spielen A-Jugend-Fußball. Bei der 0:2-Niederlage gegen Düsseldorf hat man gesehen, dass sie es wohl immer noch nicht verstanden haben, dass sie Zweitliga-Fußball spielen.

Bei den Gegentoren haben die Nürnberger gemütlich zugeschaut. Raphael Schäfer holt den Ball dann genauso gemütlich aus dem Tor heraus und wirft ihn nach vorne. Damit reißt du nichts. Zweite Liga ist malochen und ums Leben rennen. Das sehe ich in Nürnberg nicht.

Der 4:0-Sieg gegen Union Berlin hat ihnen gar nicht gut getan, weil sie da gesehen haben: Das geht schon. Aber nein, so geht es eben nicht!

Nach dem Abstieg haben sie nicht verinnerlicht, dass sie anderen Fußball spielen müssen als in der Bundesliga. Das weiß jeder, aber du musst es auch am eigenen Leib spüren.

Das gesamte Team muss sofort umdenken. Wenn das nicht passiert, hat auch Valerien Ismael bald ein Problem.

Euer Christian Beeck

Christian Beeck absolvierte während seiner Profilaufbahn insgesamt 79 Bundesliga- und 88 Zweitligaspiele. Neben Union Berlin war er unter anderem für Hansa Rostock, Fortuna Düsseldorf und Energie Cottbus am Ball. Für Union und Cottbus war Beeck nach seiner aktiven Zeit als Spieler auch im Management tätig. Für SPORT1 analysiert Beeck seit dieser Saison das Geschehen rund um die Zweite Liga.

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