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Julian Weigl startete 2013 seine Profikarriere in der zweiten Mannschaft von 1860 München © getty

München - Julian Weigl lässt die Herzen der Fans von 1860 München höher schlagen. Bei SPORT1 spricht er über Lockrufe aus dem Ausland.

Die Fans sind gewarnt. Nur keine Wiederholung, bitten sie inständig.

"Haltet unser Juwel! Wir haben uns schon genug bei Bender, Volland und Co. geärgert." Diese Worte liest man in einem Facebook-Eintrag über Julian Weigl, den Senkrechtstarter von 1860 München.

Der 19-Jährige begeistert nicht nur die "Löwen"-Fans, sondern auch die Anhänger der U-20-Nationalmannschaft. Die Euphorie um den Mittelfeldspieler ist groß, das weiß er natürlich.

"Ich gehe ganz ruhig mit allem um, weil ich durch meine Familie einen großen Rückhalt habe", sagt Weigl im Gespräch mit SPORT1. Er sagt auch: "Ich weiß, was ich kann."

Dies wissen mittlerweile auch internationale Topvereine. Tottenham Hotspur, Ajax Amsterdam und der FC Liverpool sind laut SPORT1-Informationen bereits an einer Verpflichtung von Weigl interessiert.

Demnach kann er 1860 für eine festgeschriebene Ablöse von fünf Millionen verlassen. "Ich bekomme das mit den ausländischen Klubs natürlich mit. Mir schicken Freunde das, was über mich in den Zeitungen steht", sagt Weigl vor dem Spiel seiner "Löwen" bei Erzgebirge Aue (So., ab 13.15 Uhr LIVE auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER).

"Auch meine Berater sagen mir, dass sich Scouts immer wieder bei ihnen melden und dass sie ein sehr gutes Feedback bekommen", verrät das Talent.

Das ehre ihn natürlich, aber er müsse noch viel lernen. Momentan sei ist das Beste für ihn, "regelmäßig zum Einsatz zu kommen." (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Doch das Ausland reizt ihn, keine Frage. "Ich will natürlich diesen Schritt machen", verrät Weigl.

Für seinen Berater käme dieser Schritt allerdings zu früh. "Natürlich ist er interessant für ausländische Vereine. Der Schritt zu einem Topverein wäre jetzt aber zu groß", sagt Ersin Akan SPORT1.

"Julian ist ein bodenständiger Junge. Er kommt aus einem guten Elternhaus und lässt sich von solchen Dingen nicht blenden. Natürlich sind bei einem Länderspiel immer viele Scouts da und dass die ihn beobachten ist auch klar, weil er im Verein Stammspieler ist", erklärt er weiter.

Weigl werde "bis zum Saisonende bei Sechzig bleiben, was danach wird, kann ich noch nicht sagen. Er muss sich entwickeln, jedes Spiel bringt ihn weiter."

Weigl spielt seit der Rückrunde der letzten Saison bei den Profis von Sechzig. Und er machte seine Sache von Beginn an gut. So gut, dass ihn Ex-Trainer Ricardo Moniz im Sommer völlig überraschend zum Kapitän ernannte.

Zum Jüngsten der Vereinsgeschichte wohl gemerkt. Ein Rucksack, der allerdings zu schwer war für den Youngster. Weigl schlug in einer Party-Nacht mit einigen Kollegen über die Stränge, und schon war er die Binde wieder los.

Zerbrach er an der Verantwortung? Wegen dieses Eklats wurde Weigl zwischenzeitlich suspendiert. Er war fünf Wochen lang am Boden. Inzwischen ist der Jungspund wieder auf dem aufsteigenden Ast und zählt dank toller Leistungen wieder zu den ersten Elf.

Die Zeit unter Moniz habe ihm weh getan. "Natürlich war das keine schöne Zeit für mich", betont Weigl: "Aber dass das Kapitänsamt weg war, darüber war ich gar nicht so traurig."

Es sei zwar "eine Ehre" und "eine große Chance" für ihn gewesen, aber "es war auch schwer für mich, so in den Mittelpunkt gerückt zu werden von den Medien und von dem ganzen Umfeld."

Keine einfache Situation für einen 18-Jährigen, der im Februar 2014 seinen ersten Profivertrag erhielt.

"Ich habe mich aber auch in der schwierigen Phase nicht verrückt machen lassen", sagt Weigl. Er sei "ruhig geblieben und habe im Training immer alles gegeben. Mir wurde immer gesagt: "Mach dir keinen Kopf, Qualität setzt sich immer durch. Und so war es ja dann auch."

Nun ist er wieder da, Moniz nicht mehr. Der neue Cheftrainer der "Löwen", Markus von Ahlen, setzt auf das Eigengewächs, wie schon zum Ende der letzten Saison, als von Ahlen kurzzeitig Interimscoach war.

Weigl schaut nicht mehr zurück, wenn er auch meint: "Ich konnte nicht verstehen, warum Herr Moniz mich von einem auf den anderen Moment nicht mehr berücksichtigt hat."

Der Youngster gesteht daher: "Ich bin schon froh, dass von Ahlen nun Trainer ist und nicht mehr Herr Moniz."

Doch Weigl findet auch positive Worte für den gescheiterten Niederländer: "Es war nicht alles schlecht unter Herrn Moniz, denn ich habe schon gemerkt, dass er etwas mit mir vor hat, aber ich habe nicht verstanden, warum ich nach der Begnadigung, wo es hieß, es geht wieder von null los, keine echte Chance bekommen habe."

Weigl hat noch Vertrag bis 2017. "Ich fühle mich bei 1860 sehr wohl und der Verein baut auf mich", sagt er.

"Ich will Erfahrung sammeln und nicht irgendwohin wechseln, wo ich dann einen Entwicklungsstand habe, bei dem ich stehen bleibe."

Er könne aber "nicht sagen, wie lange ich bei Sechzig bleibe." Ein Abschied von den "Löwen" würde Weigl "schon schwer" fallen, "weil mein Herz immer für 1860 geschlagen hat."

Weigl kann sich des Vertrauens des Trainers jedenfalls sicher sein. "Es gab noch kein Einzelgespräch, aber dadurch, dass er mich wieder sofort in die Startelf gestellt hat, zeigt er mir, dass er viel von mir hält. Ich weiß, dass er unheimlich viel von mir hält und das gibt mir auch Selbstvertrauen", sagt Weigl.

Mit diesem Selbstvertrauen will das Juwel nun weitere Schritte in seiner Karriere machen.

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