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Markus von Ahlen ist seit dem 24. September 2014 Cheftrainer bei 1860

Von Reinhard Franke

München - Der TSV 1860 München im Oktober 2014 - ein sehr wackliges Gebilde.

Und die Fans haben Angst, dass nun alles zusammen bricht.

Unter Trainer Markus von Ahlen sollte eigentlich alles besser werden. Er folgte auf den entlassenen Ricardo Moniz, doch in fünf Spielen unter seiner Leitung als Chefcoach setzte es vier Niederlagen.

Die jüngste Pleite gab es am Mittwoch im Pokal gegen den SC Freiburg (BERICHT). 2:5 verloren die "Löwen" in der Allianz Arena gegen die Breisgauer.

In der Liga hat der Verein den vorläufigen Tiefpunkt erreicht - Platz 18. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Von Ahlen weiß daher um die Schwere der Aufgabe. Vor dem Spiel beim VfL Bochum (So., ab 13.15 Uhr LIVE auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER) spricht der 43-Jährige im SPORT1-Interview über die Krise bei Sechzig.

SPORT1: Herr von Ahlen, im Pokal gab es das Aus gegen Freiburg, in der Liga ist 1860 Tabellenletzter. Das Positive ist gerade, dass es nicht schlimmer werden kann, oder?

Markus von Ahlen: Natürlich sind wir mit dem Resultat gegen Freiburg nicht zufrieden, denn wir wollten unbedingt eine Runde weiterkommen. Alle guten Aspekte wie Einsatz, Leidenschaft und Laufbereitschaft müssen wir mit in das Bochum-Spiel nehmen - und am besten in ein positives Ergebnis ummünzen. Ich denke, dass wir in der Liga trotz des 1:2 gegen Braunschweig eine positive Entwicklung gegenüber dem bitteren 1:4 in Aue zuletzt gesehen haben. Es waren einige Dinge dabei, die ordentlich waren.

SPORT1: Nämlich welche?

Von Ahlen: Das Aue-Spiel steckst du nicht so leicht weg. Trotzdem haben wir gegen die Eintracht wieder einen Rückstand wettgemacht, haben Initiative im Spiel gezeigt, waren auch in der zweiten Halbzeit in der Lage das Tempo zu forcieren, haben uns Torchancen erarbeitet und auch bei Standards mehr Gefahr ausgestrahlt. Ich kann mich nur auf die Statistik berufen: Wir hatten deutlich mehr Ballbesitz, eine verbesserte Laufleistung im Vergleich zu den Wochen vorher und ein verbessertes Verhältnis an Torschüssen.

SPORT1: Reden Sie die Situation da nicht schön?

Von Ahlen: Nein. Die Situation ist ernst, aber ich habe immer gesagt, dass wir dahin kommen müssen, das Glück für uns zu provozieren. Insofern muss ich als Trainer sachlich bleiben und in kleinen Schritten denken. 1860 muss kontinuierlich gepflegt werden, damit der Verein wieder richtig erblühen kann.

SPORT1: Im Sommer träumte man mal wieder vom Ziel Aufstieg. War das zu euphorisch?

Von Ahlen: Wir haben einen Weg im Kopf. Dementsprechend haben wir auch unsere Spieler verpflichtet, von denen wir nach wie vor überzeugt sind. Mit ihnen werden wir weiterarbeiten, um uns in dieser Richtung weiter zu verbessern. Das ist auch das, was ich mit dem Verein besprochen habe und wofür ich stehe. Es geht darum, die Dinge inhaltlich und sachlich voranzutreiben. Den Weg werde ich weiter gehen - konsequent und zielstrebig.

SPORT1: Zuletzt wurde zwei Mal ein Geheimtraining abgehalten. Verzweifeln Sie nicht daran, wenn Sie sehen, dass solche Maßnahmen nichts bringen?

Von Ahlen: Wir versuchen, uns Stück für Stück zu verbessern. Das Geheimtraining haben wir im Rahmen unserer Möglichkeiten umgesetzt. Es erfüllt auf jeden Fall seinen Zweck.

SPORT1: In den letzten Jahren kam 1860 nie zur Ruhe. Was sind die Gründe dafür?

Von Ahlen: Es gab in den letzten Jahren einfach nicht die notwendige Konstanz. Der Verein und die handelnden Personen sind aber mit ganzem Einsatz und totaler Zuversicht dabei, um den Verein wieder in die Erfolgsspur zu bringen.

SPORT1: War der große personelle Umbruch im Sommer nicht ein Fehler?

Von Ahlen: Der Umbruch im Sommer erfolgte ganz bewusst. Ich habe vollstes Vertrauen in unser Team, Jungs wie Vitus Eicher und Stefan Ortega, Christopher Schindler, Julian Weigl oder Rubin Okotie, um beispielhaft eine Achse zu nennen, haben alle absolut das Potenzial. Es ist aber klar, dass man ihnen Zeit geben muss, um sich zu entwickeln.

SPORT1: Hat man die Zeit?

Von Ahlen: Ich bin überzeugt davon, dass diese Spieler im Laufe der Saison in die Aufgaben reinwachsen werden.

SPORT1: Ihr Vorgänger Ricardo Moniz sprach vor der Saison davon, dass der Verein Meister werden will. War das nicht Ballast für die Mannschaft, den sie bis heute nicht ablegen konnte?

Von Ahlen: Er wollte damit eigentlich etwas anderes ausdrücken. Nachdem der Saisonverlauf nicht so optimal verlief, wurde die Aussage leider zum Bumerang. Aber das ist abgehakt. Wir konzentrieren uns auf unsere Ziele: Wir wollen Fußball spielen, der unsere Fans begeistert und erfolgreich ist.

SPORT1: Davon ist man weit entfernt. Was macht Ihnen Hoffnung, dass es besser wird?

Von Ahlen: Wenn wir die Leistung stabilisieren, uns mehr Torchancen erarbeiten und mehr laufen als der Gegner, dann ist der Erfolg irgendwann die logische Konsequenz. Aue war ein rabenschwarzer Tag, aber gegen Aalen und Braunschweig hat das gepasst, obwohl wir am Ende als Verlierer vom Platz gingen. Daran müssen wir anknüpfen.

SPORT1: "So vergrault man die letzten Fans" stand gegen Braunschweig auf einem Banner. Können Sie die Anhänger verstehen?

Von Ahlen: Jeder Fan darf enttäuscht sein. Der Banner war sicher auch eine Reaktion auf das Aue-Spiel. Man muss aber auch sagen, dass uns viele Fans Mut gemacht haben. Das ist absolut positiv und eins ist klar: 1860 kann nur erfolgreich sein, wenn die Fans und der Verein eins sind.

SPORT1: Wie geht man nun in das Spiel gegen den VfL Bochum?

Von Ahlen: Bochum wird ein schweres Spiel. Es gibt in der Zweiten Liga keine leichten Gegner. Diese Liga ist extrem ausgeglichen und hart umkämpft. Es kommt auf viele Kleinigkeiten an, um als Sieger vom Platz zu gehen. Ich hoffe, das werden wir in Bochum.

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