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Yussuf Poulsen steht seit 2013 bei RB Leipzig unter Vertrag

Von Reinhard Franke und Philipp Rother

München - Ralf Rangnick hatte schon immer ein Näschen für interessante Spieler.

Zu seiner Zeit als Trainer von 1899 Hoffenheim entdeckte der heutige Sportdirektor von RB Leipzig und Red Bull Salzburg unter anderem den heutigen brasilianischen Nationalspieler Luiz Gustavo (VfL Wolfsburg, früher FC Bayern) und den früheren Hoffenheimer Gylfi Sigurdsson (Swansea City).

Beide Spieler sind heute Leistungsträger in ihren Vereinen. Einen weiteren Glücksgriff landete Rangnick mit einem Spieler, der seit 2013 in Leipzig unter Vertrag steht: Yussuf Poulsen.

Mit sechs Toren hat der 20-Jährige einen maßgeblichen Anteil an der bisher erfolgreichen Saison von RB.

Das Team von Trainer Alexander Zorniger belegt vor dem Topspiel am Montag zu Hause gegen den 1. FC Kaiserslautern (ab 19.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1, LIVE auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER) Platz vier. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Poulsen erklärt den Erfolg

Das Erfolgsrezept des Aufsteigers?

"Hohes Pressing, schnelles Umschalten und viel Tempo", sagt Poulsen im Gespräch mit SPORT1. Er ist einer der Shootingstars bei den Sachsen.

Und der Grund für seine tollen Leistungen ist für ihn ganz einfach: "Ich fühle mich richtig wohl. Ich wohne mit Joshua Kimmich (Mannschaftskollege, Anm. d. Red.) zusammen und wir haben ohne Ende Spaß, daher läuft es so gut auf dem Platz. Durch Jo habe ich auch schnell Deutsch gelernt."

Auf der Straße wird der flinke Angreifer oft erkannt, schon wegen seiner auffälligen Frisur. Er werde oft angesprochen, das finde er "einfach schön".

"Könnte nicht besser laufen"

Poulsen ist nach nur anderthalb Jahren nicht wegzudenken aus dem Zorniger-Team.

"Es könnte fast nicht besser laufen für uns", meint der Däne und blickt zurück: "Wir wussten vor der Saison als Team nicht, wo unser Niveau liegt und ich kannte keinen Gegenspieler in der Liga."

Das große Ziel in Leipzig ist die Bundesliga. Das sprechen die Verantwortlichen auch ganz offen aus. Natürlich sei es sein Ziel "mit Leipzig in die Bundesliga aufzusteigen und später auch mal in der Champions League zu spielen", sagt auch Poulsen offensiv.

Doch das ist zunächst noch Zukunftsmusik.

Zorniger schwärmt

Poulsen hat bei den "Bullen" einen Vertrag bis 2017 und Zorniger dürfte sehr froh darüber sein. Der Coach schwärmt geradezu von seinem Sechs-Tore-Mann und spricht wie ein Vater über seinen Sohn.

"Er hat eine sensationelle Entwicklung genommen, die vorbildlich ist für einen Jung-Profi", sagt Zorniger zu SPORT1.

"Es gibt viele Profis, die wollen sich verbessern, doch nach zwei Wochen fragst du sie, was sie gemacht haben, dann kommt oft: 'bin noch nicht dazu gekommen'. Yussuf aber arbeitet sofort an sich. Das ist charakteristisch für ihn."

Der 47-Jährige ergänzt geradezu euphorisch: "Er will der beste Profi werden, der er sein kann. Insofern ist er das Parade-Beispiel für einen Spieler mit tollen Anlagen, der sein Talent aber nicht verwaltet, sondern an sich arbeitet."

Beispielhafter Jungprofi

Poulsen sei zudem "total klar im Kopf und auch aufnahmefähig. Er ist in dem Bezug beispielhaft für einen Jungprofi."

Der Gelobte gibt das Kompliment gerne zurück: "Herr Zorniger ist ein sehr guter Trainer, taktisch absolut kompetent und ein toller Mensch."

Zorniger sagte zuletzt, dass Poulsen ein ganz Großer werden könne. Doch der Spieler hält den Ball flach, das schätzt sein Trainer an ihm.

"Ich bin noch kein ganz Großer, aber ich kann ein Großer werden. Dafür muss ich jeden Tag Vollgas geben", sagt Poulsen.

"In aller Munde"

Hat Zorniger keine Angst, dass größere Vereine sein Juwel wegholen?

"Yussuf ist in der 2. Liga in aller Munde und ist A-Nationalspieler geworden. Es gibt eine ganz klare Vertragssituation und er ist ein Spieler, der sehr genau weiß, dass er die Unterstützung bei uns nicht überall erfährt", erklärt der Trainer.

Und weiter: "Natürlich muss er sich noch verbessern, um sich irgendwann bei einem Topverein durchzusetzen, aber jetzt kann er Dinge probieren und weiß, dass er nicht gleich draußen ist. Er weiß, was er an uns hat. Und seine Entwicklung ist noch nicht beendet."

An seiner Entwicklung hatte Poulsens 1999 verstorbener Vater einen Hauptanteil. Seine Mutter, die zwei Schwestern und die beiden Brüder leben in Kopenhagen.

In Gedanken beim Vater

"Ich denke noch oft an meinen Vater, weil es jetzt 15 Jahre her ist, dass er gestorben ist. Manchmal ist es schwer für mich. Mein Vater hat mich zum Fußball gebracht. Er hat selber Fußball gespielt. Wenn ich auf den Platz laufe, dann schaue ich zum Himmel und schicke einen Gruß zu meinem Vater."

Ursprünglich wollte Poulsen in seiner Heimat Jura studieren, doch der Vater legte damals sein Veto ein. Das Verhältnis zu seiner Mutter war nicht immer gut, wurde in den letzten Jahren aber besser. "Wahrscheinlich liegt das auch am Alter", sagt Poulsen und lacht.

"Ich habe vier Geschwister, mein kleiner Bruder ist immer dabei, wenn meine Mutter mich besucht, die anderen kommen selten, aber ich besuche sie so oft es geht."

Glück gefunden - dank Rangnick

In Leipzig hat Poulsen jedenfalls sein Glück gefunden. Leipzig sei das Beste für ihn, "weil ich jede Woche Fußball spielen wollte. Woanders hätte ich vielleicht auf der Bank gesessen. Als Jugendspieler musst du spielen und diese Möglichkeit habe ich bei RB."

Rangnick habe ihn "überzeugt. Er hat mich geholt, weil er dachte, dass ich in diese Spielphilosophie rein passe. Und das ist wohl so."

Nur einmal mussten sich Zorniger und Rangnick über Poulsen ärgern. "Ich habe ein Training verpasst, weil ich verschlafen habe und da bekam ich eine deftige Strafe", erinnert sich Poulsen. "Das war nicht lustig, aber daraus habe ich gelernt."

Und seitdem macht er nicht nur Rangnick viel Freude.

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