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FC St. Pauli-TSV 1860 München
Eine Szene aus dem Spiel des TSV 1860 in St. Pauli vom 5. Spieltag, das die Löwen mit 2:1 für sich entschieden © Getty

Christian Beeck zieht eine Hinrunden-Bilanz. Er warnt 1860 München und den FC St. Pauli vor einem gefährlichen Trugschluss.

Hallo Zweitliga-Freunde,

der FC Ingolstadt vor dem Karlsruher SC und Darmstadt 98 - so sieht die Spitze der Zweiten Liga nach der Hinrunde aus. Ich glaube, darauf hat keiner getippt.

Auch ich hätte eher mit dem FC St. Pauli, dem 1. FC Kaiserslautern oder dem 1. FC Nürnberg gerechnet. Aber so ist die Zweite Liga.

Vor allem Darmstadt ist eine Riesenüberraschung. Die Mannschaft ist immer geschlossen aufgetreten und hat mit Dominik Stroh-Engel vorne einen, der immer ein Tor machen kann, dazu ihre stabile Abwehr - es ist große Klasse, was sie abgeliefert haben.

Auch ein Durchmarsch in die Bundesliga ist nicht komplett unrealistisch. Es kann alles passieren in dieser Zweiten Liga. Es wäre ihnen zu wünschen. Vor allem, wenn es die Darmstädter ohne einen großen Geldgeber im Hintergrund schaffen - was sagen die ganzen Traditionalisten dann?

Favorit auf den Aufstieg ist für mich jetzt aber Ingolstadt, weil sie sich schon ein kleines Punktepolster erarbeitet haben.

Enttäuscht hat mich vor allem St. Pauli. Diesen Absturz ans Tabellenende hätte ich niemals erwartet. Die Mannschaft hat zu Saisonbeginn ja noch wirklich gut ausgesehen. Doch das System ist dann nicht aufgegangen. Genauso wenig wie der Trainerwechsel zu Thomas Meggle.

Bei St. Pauli brennt es lichterloh. Ich hoffe, dass sie es hinbekommen und die richtigen Entscheidungen fällen, um da unten wieder rauszukommen.

St. Pauli und 1860 München kann man da zusammenpacken. Was bei beiden Mannschaften nach den Vorschusslorbeeren herausgekommen ist, verwundert doch sehr. Beide müssen sich echt Gedanken machen.

Die Gefahr des Abstiegs ist bei beiden definitiv real. Ich hoffe, dass die Verantwortlichen das auch realistisch sehen. Beide waren vermeintlich gut aufgestellt, nach dem Fehlstart wurde der Trainer gewechselt und mit einem Ex-Spieler beziehungsweise Co-Trainer auf Stallgeruch gesetzt - und trotzdem hat es nicht funktioniert.

Ich bin wirklich gespannt, wer da jetzt welches Mittel nutzt, um nicht abzusteigen. Die Gefahr ist riesengroß. Man darf nicht denken: "Uns kann nichts passieren, wir haben die Qualität." Das ist ein ganz gefährlicher Trugschluss, auch wenn man die Interviews der Spieler und Manager so verfolgt. Ganz, ganz gefährlich.

Nürnberg lässt die Hinrunde mit dem Auswärtssieg beim VfR Aalen noch ein bisschen vernünftig aussehen und ist trotz allem zumindest im Dunstkreis der Aufstiegsplätze. Trotzdem war das bis zur Entlassung von Valerien Ismael schon sehr enttäuschend. Man musste sich fragen, wie das bei all der Kompetenz und Erfahrung in den Gremien passieren konnte.

Bei Erzgebirge Aue dagegen sieht es richtig düster aus. Aber Aue macht mir immer Hoffnung. In diesem gesamten Verein steckt so ein Kämpferherz, und ich mag es, wie die Leonhardts da vornewegmarschieren - auch wenn ihre Ansprache etwas "speziell" ist. Sie wollen das Erzgebirge in der Zweiten Liga halten. Wir alle wissen, dass das sehr schwer wird, aber an Aue glaube ich immer.

Euer Christian Beeck

Christian Beeck absolvierte während seiner Profilaufbahn insgesamt 79 Bundesliga- und 88 Zweitligaspiele. Neben Union Berlin war er unter anderem für Hansa Rostock, Fortuna Düsseldorf und Energie Cottbus am Ball. Für Union und Cottbus war Beeck nach seiner aktiven Zeit als Spieler auch im Management tätig. Für SPORT1 analysiert Beeck seit dieser Saison das Geschehen rund um die Zweite Liga.

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