vergrößernverkleinern
Ewald Lienen und das Millerntor des FC St. Pauli
Ewald Lienen ist seit Dezember 2014 Trainer beim FC St. Pauli © SPORT1/imago/getty

München - Trainer Ewald Lienen spricht vor dem Duell FC St. Pauli gegen Greuther Fürth (ab 19.45 Uhr Live auf SPORT1) die Chancen im Abstiegskampf und neue Führungsfiguren am Millerntor.

Für Ewald Lienen ist der FC St. Pauli schon seine 13. Station als Trainer. Keine Frage, der 61-Jährige gehört längst zu den Erfahrenen seines Fachs. 1989 begann Lienen seine Karriere als Chefcoach - bei den Amateuren des MSV Duisburg.

Und auch nach 25 Jahren ist die Freude an seinem Beruf ungebrochen. Nachdem "Zettel-Ewald", wie Lienen aufgrund seiner Vorliebe für Notizen während eines Spiels auch genannt wird, in der Saison 2013/14 in Rumänien bei Otelul Galati arbeitete, heuerte er im Dezember 2014 überraschend auf St. Pauli an.

Die Kiezkicker soll er vor dem Absturz in die Dritte Liga bewahren. Vor dem Heimspiel gegen Greuther Fürth (ab 19.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1, LIVE im Sportradio auf SPORT1.fm und im LIVETICKER) spricht Lienen im SPORT1-Interview über seine Aufgabe bei den Braun-Weißen.

SPORT1: Herr Lienen, eine Niederlage, ein Sieg und ein Remis. Rein ergebnistechnisch tritt St. Pauli auf der Stelle. Man ist weiter Letzter. Sie können nicht zufrieden sein, oder?

Ewald Lienen: Da sieht man, dass im Fußball nicht nur auf das nackte Ergebnis geschaut werden darf. Das Spiel in Ingolstadt war von meiner Mannschaft sehr ordentlich, gegen Aalen haben wir richtig gut gespielt und verdient gewonnen und in Sandhausen hätten wir als Sieger vom Platz gehen müssen. Besonders im Defensivverhalten und im Ballbesitz hat sich meine Mannschaft stabilisiert und in den letzten Wochen gut entwickelt. Von daher bin ich mit dem bisherigen Verlauf teilweise zufrieden.

SPORT1: Worauf haben Sie in der Anfangszeit am meisten Wert gelegt?

Lienen: Wir haben die meisten Gegentore in der Liga bekommen, daher war es klar, dass wir uns in der Defensive stabilisieren müssen. Eine gute Abwehrarbeit ist die Basis für alles weitere. Da haben wir den Hebel angesetzt, allerdings haben wir natürlich auch im offensiven Bereich gearbeitet.

SPORT1: Vor dem gegnerischen Tor ist Ihr Team aber weiter zu harmlos. Warum? 

Lienen: In Sandhausen machte es den Anschein. Wir müssen vor dem Tor noch konsequenter sein und mit dem letzten Willen, den Ball ins Tor bringen wollen. Zudem müssen wir uns aus unserem Ballbesitz noch deutlich mehr Chancen herausspielen und diese dann nutzen.

SPORT1: Was macht Ihnen Hoffnung auf Besserung?

Lienen: Die Mannschaft ist absolut intakt, eine homogene Einheit, sie ist unglaublich fleißig und willig und sie hat ausreichend Qualität, um den Klassenerhalt zu schaffen.

SPORT1: Julian Koch kam in der Vorbereitung aus Mainz und war in Sandhausen bester Paulianer. Hat er am meisten verinnerlicht, was Sie erwarten und um was es geht?

Lienen: Julian ist ein guter Fußballer und hilft uns auf der Position mit seiner Spielweise weiter, deshalb haben wir ihn auch verpflichtet. Er hat - genau wie alle anderen auch - verinnerlicht, worum es geht.

SPORT1: Florian Bruns, Fin Bartels, Marius Ebbers, Fabian Boll sind alle weg. Sie waren absolute St. Pauli-Gesichter. Hat man 2015 ein Identifikations-Problem?

Lienen: Nein, haben wir nicht. Sebastian Schachten zum Beispiel ist bereits im vierten Jahr im Verein und hat sich zu einer Identifikationsfigur entwickelt, Dennis Daube und Jan-Philipp Kalla sind aus der eigenen Jugend gekommen, sie sind beide seit über zehn Jahren im Klub. Führungs- beziehungsweise Identifikationsfiguren sind im Übrigen auch Spieler, die noch nicht so lange im Verein sind. Dazu zähle ich Spieler wie Sören Gonther, Philipp Tschauner oder auch Julian Koch, die mit ihrer Persönlichkeit vorweg marschieren.

FC Ingolstadt v 1. FC St. Pauli  - 2. Bundesliga
Sebastian Schachten spielt seit 2011 für den FC St. Pauli © Getty Images

SPORT1: Warum tut sich ein erfahrener Trainer wie Sie so ein Abenteuer am Kiez eigentlich nochmal an? Sie könnten es ruhiger haben und müssen sich
doch nichts mehr beweisen.

Lienen: Ich habe weiterhin eine sehr große Leidenschaft und eine riesige Begeisterung für das Spiel und diesen Job. Das ist mein Antrieb.

SPORT1: Jetzt kommt Greuther Fürth zum Montagabend-Topspiel ans Millerntor. Die Franken wollen nach der Niederlage gegen Ingolstadt sicher etwas gut machen. Wie gefährlich ist diese Aufgabe? 

Lienen: In unserer Situation von leichteren oder schwereren Aufgaben zu sprechen, wäre völlig fehl am Platze. Fürth wird uns alles abverlangen. Es ist wieder ein Sechs-Punkte-Spiel. Gewinnen wir, rutscht Fürth auch mit unten rein, gewinnen sie, halten sie uns weiter auf Abstand.

SPORT1: Etwas Persönliches zum Schluss: Sie waren zuletzt in Rumänien tätig. Wie sehr haben Sie nochmal mit einer Rückkehr in den deutschen Profifußball gerechnet? 

Lienen: Ich stand während der letzten Jahre immer im Kontakt mit verschiedenen deutschen Zweitligisten, aber ich habe mich zunächst dafür entschieden, in den ersten Ligen in Griechenland und Rumänien zu arbeiten. Das sind Erfahrungen, die ich absolut nicht missen möchte.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel