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Fürth - 13 Monate war Mike Büskens von der Bildfläche verschwunden, nun ist er im alten Job als Fürth-Coach wieder da. Im SPORT1-Interview spricht er über das, was er inzwischen gelernt hat.

In einer Hinsicht war Mike Büskens noch nicht ganz vorbereitet auf den neuen, alten Job.

Auf seiner ersten Pressekonferenz als neuer Trainer der SpVgg Greuther Fürth ging plötzlich sein Handy los. Etwas verlegen schaute der 46-Jährige darauf und stellte danach erst auf lautlos.

Verwunderlich ist es nicht, dass Büskens' Telefon gerade oft klingelt, er steht nun wieder im Mittelpunkt des Interesses - mehr als ein Jahr, nachdem er seinen letzten Trainerjob bei Fortuna Düsseldorf verlor.

Etwas überraschend wurde der frühere Schalker "Eurofighter" am vergangenen Montag ein zweites Mal als Fürther Trainer vorgestellt.

2012 war er derjenige, der den Fürther Aufstiegstraum wahr machte - und dann gehen musste, als sich abzeichnete, dass er die "Kleeblätter" nicht in der Bundesliga halten würde.

Sein Nachfolger Frank Kramer schaffte das ebenfalls nicht. Und rutschte im zweiten Jahr nach dem Wiederabstieg sogar ins untere Tabellendrittel ab. Genau dort soll Büskens das Team nun wieder herausführen - als Nachfolger seines eigenen Nachfolgers.

Im SPORT1-Interview spricht Büskens über seine neue Aufgabe im gewohnten Umfeld - und über das, was in den 13 Monaten ohne Job gelernt hat.   

SPORT1: Herr Büskens, im Inneren des Fürther Stadions kann man die Worte Tradition, Heimat, Zukunft an der Wand lesen. Was verbinden Sie mit diesen Worten?

Mike Büskens: Diese drei Worte passen definitiv zu meiner jetzigen Situation. Ich bin ein sehr traditionsbewusster Mensch, habe auch ein Herz für Traditionsvereine. In meiner ersten Amtszeit in Fürth in den drei Jahren und zwei Monaten habe ich mich wahnsinnig wohl gefühlt, so dass es auch ein Stück Heimat wurde und die Spielvereinigung hat immer gute, talentierte Spieler, die noch vor einer großen Zukunft stehen.

Mike Büskens ist neuer Trainer von Greuther Fürth
SPORT1-Reporter Reinhard Franke (l.) traf sich mit Fürths "neuem alten" Trainer Mike Büskens

SPORT1:Sie sind erst vier Tage wieder im Verein. Viel Eingewöhnung brauchten Sie nicht, oder?

Büskens:Es ist natürlich etwas einfacher für mich, weil ich die handelnden Personen schon kannte und einige Spieler, mit denen ich damals schon zusammengearbeitet habe. Die Leute, die auch im Umfeld des Teams arbeiten, sind mir auch wohlbekannt. Von daher war es etwas einfacher, als wenn ich in ein für mich vollkommen neues Umfeld gekommen wäre. Das ist schon sehr angenehm.

SPORT1:Manch einer konnte den Trainerwechsel in Fürth nicht so ganz nachvollziehen, sogar Ihr früherer Kollege und SPORT1-Experte Peter Neururer übte Kritik. Wie überraschend war es denn für Sie?

Büskens: Es kam für mich insofern auch überraschend, weil ich eigentlich für mich den Entschluss gefasst hatte, erst im Sommer als Trainer wieder einzusteigen. Doch dann wurde ich vom Verein gefragt, ob eine grundsätzliche Bereitschaft da wäre zu helfen. Und dann konnte ich mir das kurze Zeit überlegen. Ich habe schließlich zugesagt, um diese Situation erstmal bis zum Sommer mit allen zusammen zu meistern.

SPORT1: Inwieweit ist es leichter, in Fürth wieder anzufangen, wenn man schon alles kennt und wenn der Verein nicht total unter Druck steht? Nach oben ist nichts mehr möglich, die Abstiegsplätze sind sieben Punkte weg.

Büskens: Wir haben schon eine Situation, die wir realistisch einschätzen sollten. Es geht für uns darum, noch die nötigen Punkte zu sammeln.  Hier herrscht keine Li-La-Laune-Bär-Stimmung, sondern wir müssen in den verbleibenden 12 Spielen schon sehr konzentriert arbeiten. Und dessen sind wir uns bewusst. Natürlich ist es etwas einfacher für mich, aber wir beginnen mit zwei Auswärtsspielen in Lautern und Aalen und in denen müssen wir uns stellen.

SPORT1: Die Fans sind begeistert über Ihre Rückkehr, Sie gelten als guter Motivator. Gehen Sie jetzt mit Ihrer Leidenschaft anders um nach der Rückkehr?

Büskens: Nein. Die Leidenschaft musst du immer haben. Wenn du die nicht hast, dann darfst du nicht im Fußball arbeiten. Ich finde das immer nett, wenn man sagt 'er ist ein guter Motivator', aber im Fußball reicht Motivation alleine nicht aus. Viel wichtiger ist es aber, dass man auf dem Weg Leute mitnehmen muss. Egal, in welchem Bereich man arbeitet, geht es immer darum Leute für ein Thema zu begeistern. Das ist natürlich auch meine Aufgabe. In meiner ersten Amtszeit sind wir nicht nur über Motivation gekommen, sondern haben auch sehr attraktiven Fußball gespielt. Es geht weder mit Handauflegen, noch mit Tschakka-Rufen.

SPORT1: Wie haben Sie sich verändert in den 13 Monaten ohne Job?

Büskens: Es ging erst mal darum, Abstand zu gewinnen. Das Fußball-Karussell dreht sich wahnsinnig schnell, auch wenn du draufsitzt. Ich musste für mich erstmal einen emotionalen Abstand finden. Das ist mir sehr gut gelungen. Dann musste mir auch bewusst werden, dass man nicht alles schultern darf. Man ist zwar der Trainer und steht vor und hinter der Truppe, aber man ist nicht für alles verantwortlich - weder für Phasen, wo Ergebnisse ausbleiben, noch für Phasen, wo die Rakete in den Himmel steigt und man von Sieg zu Sieg eilt. Du kannst nur du selbst sein und akribisch arbeiten, aber letztendlich hängt es an Faktoren, die du nicht bis ins letzte Detail beeinflussen kannst.    

SPORT1: Konnten Sie den Fußball in dieser Zeit anders genießen?

Büskens: Das ist ja das schöne, wenn man von außen draufschauen kann. Es fehlt dir die Freude, aber manche Sorge ist dir dann auch genommen. Von daher war das schön dabei zu sein, aber auch wieder rausgehen zu können. Jetzt bin ich wieder ein Teil davon und freue mich sehr.   

SPORT1: Haben Sie in den 13 Monaten auch mal überlegt etwas ganz anderes zu machen - wie Holger Stanislawski als Supermarkt-Manager?

Büskens: Weder Aldi noch Lidl sind auf mich zugekommen (lacht). Nein, denn es war für mich immer klar, dass ich dem Fußball treu bleibe, denn das ist meine Leidenschaft. Auch der Fußball hat viele Facetten und viele Bereiche, in denen man arbeiten kann. Im Herbst hat es bei mir wieder gekribbelt und ich merkte, dass ich diesen Wettkampf wieder vermisse und jetzt habe ich die Gelegenheit mit meiner Mannschaft in diesen 12 Spielen ein Gespür zu entwickeln - füreinander und miteinander.      

SPORT1: Zwischen Ihnen und Präsident Helmut Hack gab es damals nicht das beste Ende. Ist da etwas hängen geblieben?

Büskens: Eine Trennung ist im Leben immer mit Schmerzen verbunden. Egal, ob das privat oder beruflich ist. Und wenn man so beseelt war in der Bundesliga zu bleiben wie wir damals und man dann mit ansehen muss, dass es nur eine kurze Episode war, dann tut das weh. Wenn sich dann die Wege trennen, ist das auch normal. Wenn man diesen Schmerz nicht empfinden würde, dann wäre man fehl am Platz. Der Präsident und ich haben nicht erst in der vergangenen Woche miteinander gesprochen, sondern vor langer Zeit. Ich konnte seine Entscheidung nachvollziehen. Wenn sie einem Trainer das Angebot machen im Winter zu verlängern, obwohl der Klub Letzter ist und der Trainer nimmt es nicht an, dann musst du damit leben, wenn der Verein später diese Entscheidung trifft. Es ist nichts hängen geblieben. 

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