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Torsten Fröhling, Trainer 1860 München
Torsten Fröhling startete seine Trainerkarriere 2007 bei Altonaer FC von 1893

München - Vor dem Derby FC Ingolstadt gegen 1860 München spricht "Löwen"-Coach Torsten Fröhling bei SPORT1 über die prekäre Lage bei den Münchnern.

Aller guten Dinge sollen Drei sein beim TSV 1860 München.

Zwei Trainer wurden in dieser Saison schon bei den "Löwen" entlassen, nun versucht sich eben Kandidat Nummer drei: Torsten Fröhling.

Nach den glücklosen Ricardo Moniz und Markus von Ahlen soll Fröhling die Münchner vor dem Absturz in die Dritte Liga retten.

Trotz des geglückten Starts mit dem 2:1 gegen den FC St. Pauli bleibt es brenzlig, denn der Münchner Traditionsverein steht auf Platz 15 und schwebt weiter in Abstiegsgefahr. (Datencenter: Ergebnisse und Spielplan)

Vor dem Derby beim FC Ingolstadt (ab 19.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1, LIVE im Sportradio auf SPORT1.fm und im LIVETICKER) spricht Fröhling über die Mission Klassenerhalt.

Reinhard Franke trifft Torsten Fröhling
SPORT1-Reporter Reinhard Franke (l.) traf sich mit dem neuen "Löwen"-Coach Torsten Fröhling

SPORT1: Herr Fröhling, was macht einen guten Löwen-Dompteur aus?

Torsten Fröhling: Er muss standhaft sein, darf keine Angst haben und muss den Löwen zeigen, was er sich vorstellt. Für einen Trainer bei 1860 gilt das gleiche. Man muss zu den Spielern Vertrauen haben und sie zum Dompteur. Man muss glaubwürdig rüberkommen, ehrlich miteinander umgehen und versuchen, dass die sie daran glauben, was man vorhat.

SPORT1: Was Sie vorhaben, konnte man in Ansätzen gegen  St. Pauli sehen. Beim 2:1-Sieg ging es viel leidenschaftlicher zur Sache als zuletzt.

Fröhling: Mit dem Sieg lief das perfekt für uns. Man hat vor allem gesehen, dass die Fans hinter uns standen, obwohl es kein überzeugender Sieg war. Es war viel Kampf, Leidenschaft, aber auch eine Portion Glück dabei. Wir wissen genau, dass nicht alles gut war, aber die Jungs glauben wieder an sich und wissen, dass sie noch gewinnen können. Jetzt müssen wir noch mehr Mut reinbringen. Man spürt, dass die Hoffnung auf den Klassenerhalt da ist. Und ich bin von der Rettung überzeugt. 

SPORT1: Wie haben sie ihre ersten Tage als Cheftrainer empfunden?

Fröhling: Da ist in sehr kurzer Zeit sehr viel auf mich eingeprasselt. Ich habe ja nicht damit gerechnet, dass ich bei Sechzig Cheftrainer werde. Im Umfeld wurde viel spekuliert, auch große Namen sind da gefallen. Trotzdem war das vielleicht ganz gut so. So konnte ich völlig unbedarft an die Sache rangehen. Ich habe gemerkt, was ich hier für eine Verantwortung habe.

Torsten Fröhling und Guillermo Vallori
Torsten Fröhling (l.) bei der Arbeit: Mit 100%igem Einsatz erklärt er Guillermo Vallori eine Spielszene

SPORT1: Es gibt Stimmen, die sagen, dass Sie der beste "Löwen"-Trainer seit fünf Jahren sind. Was sagen Sie dazu?

Fröhling: Das freut mich natürlich und macht mich auch stolz, aber ich kann das richtig einschätzen. Ich darf jetzt nur eines nicht, nämlich als Cheftrainer ein anderer sein. Ich darf mich nicht verstellen, sondern muss authentisch bleiben. Ich bin einfach ich. Umso einfacher ist es für die Spieler und die Fans, zu verstehen, was ich vorhabe. Ich denke, niemand wurde als Meistertrainer geboren, es gibt viele gute Beispiele aus der zweiten Reihe. Ob das ein Jürgen Klopp war oder ein Thomas Tuchel war. Auch ein Benno Möhlmann, der bei der U 23 des Hamburger SV mein Trainer und Förderer war.      

SPORT1: Sie sind schon der dritte Trainer in dieser Saison. Warum machen Sie es besser als Ricardo Moniz und Markus von Ahlen?

Fröhling: Jeder Trainer ist anders und hat seine ganz eigene Persönlichkeit. Auch ich brauche Ergebnisse. Markus hat sehr viel gearbeitet. Was da immer über ihn gesagt wurde, das hat er einfach nicht verdient. Natürlich gehört auch immer ein Quäntchen Glück dazu, das hatte er nicht. Ich bin der Trainertyp, der Tempofußball mit mannschaftlicher Geschlossenheit hinkriegen will.

SPORT1: Was macht Sie als Typ aus?

Fröhling: Ich werde mich auf keinen Fall mit einem anderen Trainer vergleichen. Ich will bei meiner Arbeit Mensch bleiben und dabei auch authentisch sein. Dabei sage ich natürlich auch ganz klar, was ich rüberbringen will mit meiner Philosophie von Fußball. Ich kann auch streng und rigoros sein. Disziplin ist mir wichtig. Das ist eine Grundvoraussetzung. Ich bin aber auch der Kumpel-Typ, habe kein Problem damit, mit den Jungs mal ein Bier zu trinken. Da muss ein Vertrauensverhältnis da sein. Ich will da sein für die Jungs.

SPORT1: Zuletzt gab es die positive Nachricht, dass 1860 einen neuen Vermarkter-Vertrag bis 2028 abgeschlossen hat. Von 60 Millionen Euro ist da die Rede. Wie beruhigend ist das für einen Trainer?

Fröhling: Schön wäre es, wenn ich 2028 noch Trainer bei Sechzig wäre. Dann hätten wir richtig gut gearbeitet. An dem Deal sieht man aber, wie interessant 1860 weiterhin ist mit seiner Fan-Kultur, dass sich ein Vermarkter so festlegt und auf Sechzig baut. Das ist schon beruhigend.   

SPORT1: Was erwartet die "Löwen" in Ingolstadt?

Fröhling: Das wird ein Derby und Ingolstadt hat natürlich aufgrund ihres Erfolgslaufs eine ganz andere Sicherheit im Spiel. Aber wir haben auch unsere Qualität. Wir können kicken, wir müssen es nur umsetzen. Jeder muss für den Mitspieler kämpfen. Die Spieler haben eine große Verantwortung für alle im Klub. Ein Fußballer kann den Verein wechseln, die Waschfrau hat es da schwerer. Es muss eine Freude sein, für 1860 zu spielen.

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