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Zweitliga-Kolumne von Christian Beeck nach Karlsruher SC gegen RB Leipzig
Christian Beeck nimmt in seiner Kolumne die jüngsten Ausschreitugnen gegen RB Leipzig unter die Lupe © SPORT1/getty

Christian Beeck verurteilt in seiner SPORT1-Kolumne die Attacken gegen RB Leipzig. Man schade damit dem eigenen Verein - und Kommerz finde auch anderswo statt.

Hallo Zweitliga-Freunde,

was am Montag in Karlsruhe beim Spiel zwischen dem KSC und RB Leipzig passiert ist, hat mich wirklich sprachlos gemacht.

Fans verbieten den Trikottausch zwischen zwei Spielern? Was soll das? Auf was für Ideen kommen die Menschen?

Philipp Max und Diego Demme werden sich sicher auch gedacht haben: Was ist denn hier los?

Letztlich muss man sagen, dass der KSC-Mitarbeiter, der die Trikots zurückgetauscht hat, sich richtig verhalten und Schlimmeres verhindert hat. So ist wenigstens wieder Ruhe auf den Rängen eingekehrt.

Ich kann nicht verstehen, warum die Leute so unentspannt sind. Es ist nur Sport - und keine Plattform für politische oder gesellschaftliche Themen. Wir sind doch alle halbwegs gebildete Menschen, die alle Traditionen lieben und Neuem aufgeschlossen sowie respektvoll gegenübertreten. Oder etwa doch nicht?!

Es darf in unserer Gesellschaft jeder den vorgegebenen Fussballrahmen so nutzen wie er will. RB regt sich doch auch nicht darüber auf, wie die Verantwortlichen in Karlsruhe oder anderswo arbeiten.

Mir leuchtet nicht ein, dass die selbsternannten Traditionsfans es nicht zulassen können, dass in manchen Vereinen die Dinge eben anders gemacht werden.

Für mich ist das ein Armutszeugnis, denn genau diese Fans haben in den letzten Jahrzehnten immer wieder für ihre Freiheit und Eigenständigkeit gekämpft. Diese Freiheit jetzt anderen Anhängern und Vereinen mit einem größeren Budgetrahmen nicht zu gönnen, das macht mich sprachlos.

Zuschauer beim Spiel Karlsruher SC gegen RB Leipzig
Die KSC-Anhänger taten ihre Meinung zu RB Leipzig mit zahlreichen Plakaten und Bannern kund © getty

Das Traurige ist, dass diese Erbsenzähler glauben, sie seien die Mehrheit und könnten allen anderen erklären, wie die Regeln in der Fußballgesellschaft lauten.

Ich weiß wirklich nicht, wo das noch hinführen soll. Wahrscheinlich muss es erst richtig krachen, damit die Leute zur Besinnung kommen.

Wenn der Wettbewerbsnachteil so groß ist, wie alle glauben, dann müssten sie ihren Herzensverein doch noch viel mehr unterstützen. Stattdessen schaden diese Fangruppierungen ihrem Verein mit diesem Verhalten.

Jeder Investor oder Sponsor überlegt sich doch zehnmal, ob er sein Geld einem Verein zur Verfügung stellt, dessen Fans gegen kommerzielle Ausrichtungen sind.

Die Vorfälle in Karlsruhe sind die Summe aus den letzten drei, vier Jahren. Es gibt diverse Vereine, die permanent Druck ausüben. Sie selbst haben allerdings auch keinen richtigen Cent in der Tasche, um in diesem knallharten Wettbewerb zu bestehen.

So müssen sie sehr aggressiv nach neuen Sponsoren, Geldgebern, Gönnern und strategischen Partnern suchen. Und am Ende behaupten sie aber, dass sie kommerzielle Inhalte wie in Leipzig nicht akzeptieren können.

Für mich sollte jeder erst mal vor der eigenen Tür kehren und in sein Stadion schauen, wie viel Kommerz da stattfindet - und da brummt es meistens gewaltig.

Am Ende wird es so laufen, dass sich Spieler und Vereine immer weiter zurückziehen. Die öffentlichen Auftritte noch stromlinienförmiger werden und wir vor dem TV einschlafen. Und alles nur, weil man mit gewissen Gruppierungen einfach keine konstruktiven Gespräche führen kann. Wir erhalten als Fußballfans also nur noch das Vorgekochte, um jeglichem Konflikt aus dem Wege zu gehen.

Nun aber noch mal zurück zum Trikottausch zwischen Philipp Max und Diego Demme: Wahrscheinlich schicken sich die beiden ihre Jerseys jetzt mit der Post.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Christian Beeck

Christian Beeck absolvierte während seiner Profilaufbahn insgesamt 79 Bundesliga- und 88 Zweitligaspiele. Neben Union Berlin war er unter anderem für Hansa Rostock, Fortuna Düsseldorf und Energie Cottbus am Ball. Für Union und Cottbus war Beeck nach seiner aktiven Zeit als Spieler auch im Management tätig. Für SPORT1 analysiert Beeck regelmäßig das Geschehen rund um die Zweite Liga.

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