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SV Darmstadt 98 v FSV Frankfurt 1899 - 2. Bundesliga
Dirk Schuster könnte mit Darmstadt den Durchmarsch von der 3. Liga in die Bundesliga schaffen © Getty Images

München - Seine größten Sternstunden als Spieler erlebte Dirk Schuster mit dem Karlsruher SC. Nun kämpft er als Trainer von Darmstadt gegen seine alte Liebe um den Aufstieg in die Bundesliga.

"Schuster, Schuster, Schuster", schallte es Mitte der 90er-Jahre lautstark von den Rängen des Wildparkstadions, wenn sich Dirk Schuster zum Warmmachen auf den Rasen begab.

Der frühere Verteidiger zählte zu seiner aktiven Zeit beim Karlsruher SC stets zu den Publikumslieblingen, kam bei den Heimspielen immer schon ein paar Minuten vor seinen Teamkollegen aus der Kabine und drehte eine Art Ehrenrunde vor dem Fanblock.

Insgesamt sechs Jahre lang, von 1991 bis 1997, trug Schuster das Trikot des KSC, spielte mit diesem in der Bundesliga und im Europapokal - und wurde sogar Nationalspieler.

Seit Dezember 2012 arbeitet der mittlerweile 44-Jährige als Trainer des SV Darmstadt 98, seinen Hauptwohnsitz hat er aber auch heute noch in Karlsruhe.

Mit Karlsruhes Zeugwart zum Italiener

Am Montagabend kehrt er zum Topspiel der Zweiten Liga (ab 19.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1, in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) an die Stätte seiner bislang größten Erfolge zurück und hat mit dem Sensations-Aufsteiger sogar den Aufstieg vor Augen. Sentimental wird Schuster trotzdem nicht.

"Beim KSC habe ich fußballerisch meine beste Zeit gehabt", hält er im Gespräch mit SPORT1 fest, fügt aber gleich hinzu: "So super emotional wird das Spiel für mich gar nicht, dafür bin ich schon viel zu lange vom KSC weg."

Natürlich treffe er "ab und an noch ehemalige Weggefährten wie Burkhard Reich oder Edgar Schmidt, aber so richtig gezielte Verabredungen zum Abendessen oder Kaffeetrinken sind das nicht", erzählt Schuster. Lediglich mit dem Karlsruher Zeugwart gehe er gelegentlich noch zum Italiener.

Schuster erwartet enge Kiste

So beschäftigt sich der Coach der "Lilien" statt mit großen Gefühlen lieber mit dem nicht weniger brisanten sportlichen Aspekt der Partie. Immerhin empfängt der Tabellenvierte den Tabellendritten. Und das am drittletzten Spieltag.

"Ich erwarte ein enges und kampfbetontes Spiel. Beide Mannschaften sind gut strukturiert und defensiv stark, es dürfte also nicht allzu viele Torchancen geben. Es wird darauf ankommen, wer weniger Fehler macht und sich weniger Nachlässigkeiten erlaubt", erklärt Schuster.

"Karlsruher haben enormen Druck"

Die Rollen sind seiner Meinung nach dabei klar verteilt.

"Die Karlsruher haben enormen Druck in diesem Spiel. Wenn sie nicht gewinnen, haben sie es nicht mehr in der eigenen Hand, den Relegationsplatz und damit ihr Ziel, das sie seit ein paar Wochen ja auch öffentlich formulieren, zu erreichen", sagt der gebürtige Chemnitzer und weiter:

"Uns dagegen kann nichts passieren. Selbst wenn wir verlieren, sind wir weiter in Schlagdistanz. Um es kurz zu sagen: Bei uns ist alles ein Kann und nichts ein Muss, für den KSC ist es ein Muss."

Mit Bescheidenheit zum Erfolg

Es ist bei weitem nicht das erste Mal in der laufenden Saison, dass Schuster sich mit seiner Mannschaft bewusst in die Rolle des Außenseiters begibt. Und bislang ist er mit dieser Taktik äußerst gut gefahren.

Ganze vier Niederlagen kassierten die Darmstädter seit ihrem Aufstieg im vergangenen Sommer - ligaweit die zweitwenigsten nach Spitzenreiter FC Ingolstadt.

"Es wird schon die ganze Zeit versucht, von außen Druck reinzubringen. Als wir die 40 Punkte beisammen hatten, hieß es, jetzt müssten wir uns doch endlich höhere Ziele setzen", berichtet der Trainer, stellt aber umgehend klar:

"Uns lässt das alles komplett kalt. Natürlich würden wir uns nicht gegen einen Aufstieg wehren. Aber wir wissen, wo wir herkommen und was wir können."

FSV Frankfurt als Vorbild

Schusters Worte entsprechen jenem typischen Bild des bescheidenen und pflichtbewussten Arbeiters, den er schon als Spieler verkörperte. Getreu dem Motto: Weniger reden, mehr handeln.

Als er seinen Vertrag in Darmstadt Anfang April bis 2018 verlängerte, habe er sich gemeinsam mit seinen Vorgesetzten das Ziel gesetzt, "den Verein nach dem Vorbild des FSV Frankfurt in der Zweiten Liga zu etablieren", erklärt Schuster:

"Und darunter verstehe ich alles, was besser ist als Platz 16. Dauerhaft mehr wäre angesichts unserer wirtschaftlichen und infrastrukturellen Voraussetzungen Utopie."

Arbeitsbedingungen werden verbessert

Aktuell verfügen die Hessen nur über einen einzigen Trainingsplatz, "und so wenig Gras, wie darauf wächst, sieht der eher wie ein Marktplatz aus", sagt Schuster. Doch er beklagt sich nicht.

Immerhin lässt der Verein jetzt einen zweiten Rasenplatz bauen und ein neues Stadion soll es auch bald geben. "So geht es bei uns Schritt für Schritt", sagt Schuster.

Den nächsten will er in Karlsruhe machen. Es könnte ein entscheidender Richtung Aufstieg sein.

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