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Gerhard Mayrhofer (M.) tritt bei 1860 München aus
Präsident Gerhard Mayrhofer und sein Vize Erik Altmann (l.) versuchen derzeit vergeblich, Investor Hasan Ismaik zu erreichen © Getty Images

Die Lage beim TSV 1860 München ist vor den Relegationsspielen gegen Kiel mehr als angespannt. Der Investor meldet sich nicht, der Sportdirektor soll gehen, in der Mannschaft kracht's.

Als gutes Zeichen ist es keinesfalls zu werten, wenn Hasan Ismaik weder auf Anrufe noch E-Mails reagiert. Wenn sich der Jordanier stumm stellt, drastischer: mit den Löwen nichts zu tun haben möchte.

Meistens bekam der Verein seinen Groll dann wenig später zu spüren. Mal in Form von klaren Forderungen nach Entlassungen, mal in Form von finanzieller Diät. In der Hinsicht ist der Investor vor allem eines: unberechenbar.

Der Dritte versucht sich

Gerhard Mayrhofer ist mittlerweile der dritte Präsident, der beim TSV 1860 versucht, mit dem Investor der Löwen eine zwischenmenschliche Ebene zu schaffen, auf der zumindest eine vernünftige Zusammenarbeit möglich ist. Das Problem derzeit: Ismaik reagiert weder auf Anrufe noch auf E-Mails.

Dabei ist der Verein, der um das nackte sportliche Überleben kämpft, darauf bitternötig angewiesen. Ismaik ist Gesellschafter des Vereins, ohne sein Okay sind alle Pläne an der Grünwalder Straße wie abstrakte Zeichnungen.

Vor den Relegationsspielen gegen Holstein Kiel herrscht das totale Chaos. Mal wieder.

Poschner in der Kritik

Angelpunkt der aktuellen Turbulenzen ist Sportdirektor Gerhard Poschner. Der Verein würde ihn, so ist es zu vernehmen, am liebsten vor die Tür setzen. Präsident Mayrhofer soll ihm nach Informationen der "Bild" schon konkret zum Rücktritt geraten haben. Eine Entlassung ist derzeit allerdings nicht möglich – Ismaik meldet sich nicht. „Es gibt leider keinen Kontakt. Das liegt aber nicht an uns", sagte Mayrhofer dem "BR".

Was wird Poschner vorgeworfen? Hauptsächlich seine falsche Zusammenstellung des Kaders. Der drittletzte Platz ist Ausdruck genug. In den Stadien spielen Woche für Woche elf Individualisten, die sich nun auch noch, kurz vor den zwei wichtigsten Spielen der letzten Jahre, im Training prügeln. So geschehen zwischen Stefan Ortega und Rodri.

Die Tatsache, dass Poschner vor allem die spanischen Spieler in Schutz nimmt, die sich in der Mannschaft angeblich völlig isolieren und trotz Vertrag ihre Wohnungen in München bereits gekündigt haben sollen, sorgt für reichlich Unmut unter den Profis. Das schlägt sich auch auf dem Platz nieder: Ilie Sanchez, Edu Bedia und Rodri wirkten die gesamte Spielzeit auf dem Rasen wie Gäste im Smoking auf einer Studenten-Party. Heißt: Sie passen überhaupt nicht ins System.

Dabei waren es am Anfang der Saison vor allem jene Spanier, die für Begeisterung in Jordanien gesorgt haben. Sie, als Spieler der zweiten Mannschaft des FC Barcelona, versprachen (endlich) internationales Flair. Davon übrig? Gar nichts.

Ismaik in der Zwickmühle

Ismaik selbst, der seine Anteile vor zwei Jahre bereits schon einmal verkaufen wollte, steckt nun in der Zwickmühle. Etwa 35 Millionen Euro hat er seit seiner Unterschrift investiert, von erfolgreichen Zeiten ist er jedoch meilenweit entfernt. Stattdessen knirscht es an allen Ecken und Kanten im Verein.

Kapitän Christopher Schindler scheint nun als einziger erkannt zu haben, dass der Zeitpunkt denkbar ungünstig für diese Grabenkämpfe ist. "Jeder muss jetzt sein Ego hinten anstellen", forderte er nach der jüngsten 0:2-Pleite in Karlsruhe, als der Mannschaft von Trainer Torsten Fröhling rein gar nichts gelang. Eine Fortsetzung dieser Leistung hieße wohl: Abstieg.

Vor dem Hinspiel am Freitagabend in Kiel wird das Team deshalb schon am Mittwoch in Richtung Norden aufbrechen, Stichwort Kurztrainingslager. Ein Absturz in die 3. Liga käme einer Katastrophe gleich. Und würde die Gesprächsbereitschaft von Hasan Ismaik nicht gerade steigern.

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