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Karlsruhe - In Karlsruhe herrschen nach dem Relegations-Drama Enttäuschung und Frust. Todt und Wellenreuther toben. Yabo fühlt sich, "als hätten sie uns das Herz rausgerissen"

Enttäuschung, Frust, Wut: Im Lager des Karlsruher SC kam an diesem denkwürdigen Abend alles zusammen.

Doch mehr als mit dem verpassten Aufstieg nach sechs langen Jahren der Bundesliga-Abstinenz an sich, haderten die Badener nach dem bitteren 1:2 nach Verlängerung im Relegations-Rückspiel gegen den Hamburger SV mit der Art und Weise. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

"Man kann gar nicht so viel essen, wie man kotzen möchte", sagte Sportdirektor Jens Todt unmittelbar nach dem Abpfiff auf dem Rasen bei Sky.

Und auch wenig später im Kabinentrakt hatte sich der 45-Jährige noch nicht erholt. "Eine schlimmere Dramaturgie kannst du dir gar nicht ausdenken", meinte er.

Harsche Kritik an Schiedsrichter Gräfe

Als "beschissen" beschrieb KSC-Präsident Ingo Wellenreuther anschließend seine Gefühlslage und bilanzierte: "In Hamburg waren wir die bessere Mannschaft und diesmal waren wir auf Augenhöhe. Wir hätten den Aufstieg verdient gehabt, aber der Schiedsrichter hatte etwas dagegen." (SERVICE: Die Stimmen zur Relegation)

KSC-Trainer Markus Kauczinski nahm die aufmunternden Worte seines Hamburger Kollegen Bruno Labbadia bei der anschließenden Pressekonferenz zwar mit Anstand entgegen, hätte aber wohl am liebsten in das vor ihm aufgebaute Mikrofon gebissen.

"Wir werden diesen Tag so schnell nicht vergessen", sagte Kauczinski grummelnd und mit Blick auf den Freistoß-Pfiff von Schiri Gräfe: "Ich bin mir sicher, dass wir die Nachspielzeit sonst ohne Gegentor überstanden hätten. Und der Versuch, das mit dem Elfmeter für uns am Schluss noch auszugleichen, war genauso unnötig."

Dass Torjäger Rouwen Hennings besagten Elfmeter in der letzten Minute der Verlängerung dann noch verschoss, fiel ohnehin nicht mehr ins Gewicht. (SERVICE: Die Pressestimmen zur Relegation)

Endspurt wird zur Achterbahnfahrt

Längst war den KSC-Profis und den knapp 28.000 Zuschauern im ausverkauften Wildpark, die ihr Team auch nach dem Ausgleich noch frenetisch nach vorne gepeitscht hatten, klar, dass sie den Lohn ihrer so starken Saison nicht mehr einfahren würden.

Einer Saison, die nach dem 0:1 gegen Darmstadt am 32. Spieltag schon so gut wie gelaufen schien, nach den Siegen in Braunschweig und gegen 1860 München aber doch noch eine Verlängerung in Form der Relegation und dort sogar beinahe noch ihre Krönung gefunden hatte.

Stratege Yabo vor dem Absprung

"Es fühlt sich an, als hätten sie uns das Herz rausgerissen", gab der niedergeschlagene Yabo anschließend einen Einblick in sein Seelenleben und sagte den Tränen nahe: "Wir waren so nah dran, so nah."

Der 23-Jährige hätte an diesem Abend zum Helden werden können, stattdessen wird er nun ohne die Lorbeeren eines Aufsteigers Richtung Bundesliga ziehen.

"Ich glaube, dass ich nächste Saison in der Ersten Liga spielen werde", hatte der Mittelfeldstratege bereits vor Wochen zu SPORT1 gesagt.

Nach der Pleite gegen den HSV erklärte Yabo, dessen Vertrag zum Monatsende ausläuft, dass er sich "zu meiner Zukunft heute nicht äußern" werde und kündigte eine Entscheidung in den nächsten Tagen an.

Die werden er und seine Teamkollegen brauchen. Um ihre Wunden zu lecken. Und um Frust und Enttäuschung vielleicht doch noch in Stolz umzuwandeln.

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