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Ralf Rangnick
Ralf Rangnick ist Sportdirektor bei RB Leipzig © Getty Images

RB Leipzig setzt mit teuren Neuzugängen und der Trainerlösung Ralf Rangnick ein klares Zeichen: Der Aufstieg muss her. SPORT1 erklärt den Red-Bull-Angriff auf die Bundesliga.

Als die Spieler von Darmstadt 98 mit ihren lustigen Hüten und Brillen am Strand von El Arenal saßen und Erfrischungsgetränke auf ihren Sensationscoup schlürften, hatte der Macher in Leipzig schon längst wieder die Arbeit aufgenommen.

Ralf Rangnick sprach in die Mikrofone und bestätigte, was er wenige Wochen zuvor noch ausgeschlossen hatte: Dass er selbst den Trainerposten bei RB Leipzig übernimmt, zusätzlich zu seiner Aufgabe als Sportdirektor.

Rangnick mit Doppelrolle

Rangnick erklärte in Bezug auf sein Statement wenige Wochen zuvor: "Als ich das gesagt habe, war ich überzeugt, dass wir einen oder den richtigen Trainer finden."

Aber den fand er nicht.

Thomas Tuchel unterschrieb bei Borussia Dortmund, auch andere potenzielle Kandidaten wie Sascha Lewandowski wollten offensichtlich nicht in der zweiten Liga arbeiten.

Also machte Rangnick den Trainerposten doch zur Chefsache. Und sandte damit ein deutliches Signal aus: B-Lösungen wird es in Leipzig auf keinen Fall geben. Denn der Aufstieg im kommenden Jahr ist Pflicht.

Für den mit Red-Bull-Hilfe aufgepäppelten Klub sind Bilder wie die vom Ballermann nicht hinnehmbar. Bilder von einem Verein wie Darmstadt, der in den vergangenen drei Jahren 30.000 Euro in neue Spieler investiert hat, während RB im selben Zeitraum geschätzt 30 Millionen ausgab.

Das darf nicht nochmal passieren. SPORT1 zeigt die vier Säulen, auf denen der Red-Bull-Angriff auf die Bundesliga fußt.

1. Mehr Macht für Rangnick: Durch die Doppelfunktion als Coach und Sportdirektor erweitern sich Rangnicks Gestaltungsmöglichkeiten deutlich. Gleichzeitig steigt der Druck. Scheitert RB in der kommenden Saison erneut am Aufstieg, wird sich Rangnick Fragen von Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz gefallen lassen müssen.

Auch im Falle eines Aufstiegs ist nicht klar, wie es auf der Trainerposition weitergeht. Rangnick hat angedeutet, dass die aktuelle Lösung nur ein Jahr gelten soll. Immerhin dürfte es dann ein wichtiges Argument mehr geben für potenzielle Übungsleiter, nach Leipzig zu kommen. Gerissen hat sich bislang jedenfalls kein Top-Trainer um den Job.

2. Transfer-Offensive: Schon im vergangenen Winter verpflichtete Leipzig Emil Forsberg und Omer Damari für gut zehn Millionen Euro. Nun wird nochmal kräftig nachgelegt: Werder-Angreifer Davie Selke ließ sich RB acht Millionen kosten, für seinen künftigen Arbeitgeber verzichtete das Sturm-Talent sogar auf Einladungen vom DFB.

Teurer Zugang: RB zahlt acht Millionen Euro für Davie Selke © SPORT1/getty

Auch Kaiserslauterns Innenverteidiger Willi Orban entschied sich für einen Wechsel nach Leipzig – trotz einiger lukrativen Angebote aus der Bundesliga. Und aus der Red-Bull-Filiale in Salzburg wurden Torwart Peter Gulacsi, Verteidiger Stefan Ilsanker und Stürmer Nils Quaschner verpflichtet.

Das Ende ist damit noch nicht erreicht. "Die Mannschaft wird ein anderes Gesicht haben. Es wird in den nächsten drei, vier Wochen noch einige Transfers geben", kündigte Rangnick an.

3. Salzburg nicht mehr wichtig: Apropos Salzburg. Der österreichische Fußball-Standort verliert für Red Bull immer mehr an Bedeutung. Brause-Boss Mateschitz sagt: "Die Stärke der Liga gibt uns ja den Schwerpunkt vor." Heißt: Der Fokus liegt künftig auf Leipzig.

In Österreich holt Salzburg zwar regelmäßig Titel (2014 und 2015 gelang das Double), international aber ist Salzburg chancenlos. Die Qualifikation für die Champions League gelang noch nie. Offenbar ist die Grenze nach oben erreicht. Und das passt ganz und gar nicht zur Red-Bull-DNA.

Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz © Getty Images

Ein Unternehmen, das Sportler aus dem All springen lässt und WM-Titel als Maßstab ansieht, strebt immer nach dem Maximum.

Und deshalb werden die Kräfte gebündelt zugunsten des deutschen Standorts, der größeren Erfolg verspricht.

Schon vor einigen Monaten kündigte Rangnick an, den Posten als Sportdirektor bei Red Bull Salzburg abzugeben. In der Vergangenheit hatte er den Fußball-Bereich in Österreich und Deutschland verantwortet. Nun gilt seine ganze Konzentration Leipzig.

4. Jugend und Fans: Der Vorwurf der fehlenden Nachhaltigkeit läuft im Falle RB Leipzig ins Leere. Genauso übrigens wie bei 1899 Hoffenheim. Beide Vereine, die wegen ihrer finanziellen Möglichkeiten häufig in der Kritik stehen, investieren kräftig in Nachwuchs und Infrastruktur. In Leipzig wird gerade ein Trainingszentrum mit Jugendinternat fertiggestellt. Kostenpunkt: 35 Millionen Euro.

Zum Thema Nachwuchs: Die U23-Mannschaft ist gerade in die Regionalliga aufgestiegen, im U19- und U17-Bereich spielen die RB-Teams in der Bundesliga, also auf höchstem Level.

Und da gibt es ja auch noch den Zuschauerfaktor. In Leipzig, in ganz Ost-Deutschland, lechzen sie nach Bundesliga-Fußball. Zu den Heimspielen in der vergangenen Saison kamen im Schnitt 25.000 Fans. Das ist stark für einen Zweitligisten. Aber: Fast 20.000 Plätze blieben. Für ein ausverkauftes Stadion braucht RB die Bundesliga.

Und nicht nur dafür. Ewig wird Red Bull feiernde Außenseiter am Ballermann nicht dulden. Selbst dann nicht, wenn sie mit der Brause aus Österreich anstoßen.

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