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Frank Kramer, Kosta Runjaic, Ralf Rangnick, Christian Streich, Markus Kauczinski und Torsten Lieberknecht (v.l.) fiebern dem Start der Zweiten Liga entgegen © SPORT1

Zahlreiche Traditionsklubs und RB Leipzig kämpfen ab Freitag um den Bundesliga-Aufstieg. Bei SPORT1 sprechen die Trainer der acht heißesten Anwärter.

Die Wartezeit hat ein Ende.

Es geht in der 2. Bundesliga wieder um Punkte, Aufstiegsträume und große Emotionen.

Am Freitag läutet ein Traditionsduell die neue Saison ein: Aufsteiger MSV Duisburg empfängt den 1. FC Kaiserslautern (ab 20 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER), eine ausführliche Zusammenfassung ist ab 22.30 Uhr in Hattrick - Die 2. Bundesliga im TV auf SPORT1 zu sehen. Am Samstag gibt es drei Spiele (ab 12.30 Uhr LIVE bei SPORT1.fm und im LIVETICKER), am Sonntag deren vier (ab 13 Uhr LIVE bei SPORT1.fm und im LIVETICKER, ausführliche Zusammenfassungen bei Hattrick - Die 2. Bundesliga ab 19.15 Uhr im TV auf SPORT1.

Am Montag folgt das erste Topspiel zwischen Absteiger SC Freiburg und dem 1. FC Nürnberg (ab 20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1, SPORT1.fm und LIVETICKER).

Bevor es losgeht, hat SPORT1 die Trainer der acht aussichtsreichsten Aufstiegsanwärter im großen Interview-Gipfel versammelt.

SPORT1: Herr Streich, Herr Gellhaus, als Absteiger gehört man erstmal automatisch zum Kreis der Aufstiegsanwärter. Zu Recht?

Christian Streich, Trainer des SC Freiburg:  Einen Leistungsdruck neben dem, den wir uns selbst machen, verspüren wir in diesem Sinne nicht. Unser Ziel ist es, eine neue Mannschaft so aufzubauen, dass die Menschen gern ins Stadion kommen, weil wir attraktiven Fußball spielen. Das ist unsere eigene Erwartungshaltung gegenüber uns selbst. 

Markus Gellhaus, SC Paderborn: Mit diesen Dingen müssen wir als Absteiger aus der Bundesliga leben. Entscheidend ist aber unsere realistische Selbsteinschätzung: Wir haben eine teilweise neu formierte Mannschaft, und die Zweite Liga wird in der kommenden Spielzeit in der Spitze sehr stark und ausgeglichen besetzt sein. Deshalb gehen wir mit viel Optimismus, aber ohne Druck in die Saison.

SPORT1: Der KSC als letztjähriger Relegations-Teilnehmer gilt auch als Favorit. Oder, Herr Kauczinski?

Markus Kauczinski, Karlsruher SC: Ich sehe uns nicht als Topfavoriten. Wir sind nach wie vor im Durchschnitt der Liga anzusiedeln, was die Mittel betrifft, die uns zur Verfügung stehen. Wir wollen wieder eine gute Rolle spielen, mit spannenden und attraktiven Spielen und gutem Fußball. Alles andere wird man sehen.

Markus Kauczinski scheiterte vergangene Saison mit dem KSC gegen den HSV in der Relegation
Markus Kauczinski scheiterte vergangene Saison mit dem KSC gegen den HSV in der Relegation © Getty Images

SPORT1: Als Topaspirant auf den Aufstieg gilt RB Leipzig mit seinen finanziellen Mitteln. Ist Ihnen der damit verbundene Druck recht, Herr Rangnick, oder stört er?

Ralf Rangnick, RB Leipzig: Zunächst einmal gibt es eine Vielzahl von anderen Mannschaften, die auch vorne mitspielen wollen. Karlsruhe, Lautern, Freiburg, Paderborn, Nürnberg, Düsseldorf, Bochum, St. Pauli oder auch Braunschweig. Die Konkurrenz ist stark und das festzuhalten ist auch eine Frage des Respekts gegenüber den anderen Mannschaften. Fakt ist jedenfalls: Ein Aufstieg aus dieser Liga kann niemals eine Pflichtaufgabe sein. Wir haben aber ein sehr ehrgeiziges Team, das hohe Ziele verfolgt und deswegen kann mehr Druck, als wir uns intern selber machen, gar nicht von außen kommen.
SPORT1: Und das intern gesetzte Ziel lautet?

Rangnick: Wir wollen uns im Vergleich zur letzten Saison auf jeden Fall verbessern. Und als letztjähriger Fünfter ist dann auch nicht mehr ganz so viel Luft nach oben. Wir haben eine hochspannende Mannschaft, bei der es in erster Linie darum geht, kontinuierlich Entwicklungsschritte zu erzielen und das vorhandene Potential immer wieder abzurufen.

SPORT1: Wie lauten die Erwartungen der ambitionierten Traditionsklubs, Herr Runjaic, Herr Lieberknecht, Herr Kramer, Herr Weiler?

Kosta Runjaic, 1. FC Kaiserslautern: Dass wir mit unserer jungen und erneut veränderten Mannschaft wieder eine gute Rolle spielen. Wir haben viele Spieler mit Potenzial in unserem Kader, daher ist die kontinuierliche Weiterentwicklung eines jeden Einzelnen und der Mannschaft ein zentrales Ziel für uns.

Torsten Lieberknecht, Eintracht Braunschweig: Unsere Erwartungen und Ziele sind ehrgeizig. Wir verspüren große Lust auf eine sehr anspruchsvolle 2. Bundesliga. Aber: Für uns ist diese Saison aufgrund des Umbruches ein gefühlter Neuanfang.

Frank Kramer, Fortuna Düsseldorf: Man muss die ersten Partien absolviert haben, um realistisch einschätzen zu können, wo einen der Weg hinführt. Das ist meistens nach zehn Spieltagen der Fall. Wir wollen in jeder Partie gute Leistungen bringen, die Basis ist für gute Ergebnisse. Man muss erkennen können, dass wir bereit sind, alles zu geben. Jeder muss den anderen mit seiner Begeisterung anstecken. Wo wir uns dann einordnen, werden wir sehen.

Rene Weiler, 1. FC Nürnberg: Wir wollen im erweiterten Dunstkreis der Aufstiegskandidaten dabei sein. Dafür arbeiten wir jeden Tag daran, die Mannschaft und die Abläufe besser zu machen.

SPORT1: Herr Rangnick, Sie sind nicht mehr nur Sportchef, sondern auch Trainer bei RB. Was wollen Sie verbessern, damit der Klub diesmal noch besser abschneidet?

Rangnick: Wir müssen vor allem auch an unserer Auswärtsbilanz arbeiten. Da haben wir in der letzten Saison nämlich verhältnismäßig wenig Punkte geholt. Und das bedeutet, dass wir auswärts im Stile einer Heimmannschaft auftreten wollen. Es geht darum, zu agieren und nicht nur zu reagieren. Ein weiterer wichtiger Punkt ist auch, dass wir mehr Torgefahr entwickeln müssen. Und da haben wir jetzt auch durch unsere Neuzugänge mehr Möglichkeiten. Am Ende ist aber entscheidend, dass wir aus dieser jungen und sehr talentierten Mannschaft ein richtiges und schlagkräftiges Team formen.

SPORT1: Wo sehen die Kollegen Ansatzpunkte - Schwächen, die abzustellen sind, Stärken, mit den Sie auftrumpfen wollen? Herr Weiler, bei Ihnen zum Beispiel lief es in den Testspielen nicht rund, es gab nur einen Sieg in fünf Partien...

Weiler: Sicherlich müssen wir noch an den Automatismen arbeiten und das wird auch noch Zeit brauchen. Vorbereitungsspiele darf man jedoch nicht überbewerten, da hier noch Dinge ausprobiert werden und das Ergebnis nicht im Vordergrund steht.

Kauczinski: Wir müssen uns bei den Heimspielen verbessern, konsequenter und erfolgreicher agieren. Dazu gehört auch das Thema Standardsituationen.

Runjaic: Wir haben den Anspruch an uns selbst, unsere Spielidee optimal umzusetzen und gehen in jedes Spiel mit dem klaren Ziel etwas zu erreichen. Wir bauen auf eine möglichst hohe Flexibilität, so dass wir je nach Gegner und Situation mit unterschiedlichen Kombinationen von Spielern variieren können.

Kramer: In erster Linie geben die Spieler vor, wie wir agieren. Das Entscheidende ist, das zu finden, was der Mannschaft gut tut. Jeder Trainer will möglichst früh verteidigen, den Ball erobern, viele Torchancen herausarbeiten und mehr Ballbesitz haben. Das System muss man aber von seinem Kader abhängig machen.

SPORT1: Herr Streich, nach dem Abstieg hat Freiburg viele Spieler verloren. Was motiviert Sie, sich und die Mannschaft immer wieder neu zu erfinden?

Streich: Ich glaube nicht, dass dieses "sich ständig neu erfinden" bei mir stattfindet. Ich beobachte im Team mit meinen Trainern die Entwicklung im Fußball. Und wir schauen, was das für uns als SC Freiburg bedeutet. Dass wir uns ständig verändern und etwas mit den Spielern entwickeln, ist selbstverständlich. Das ist für mich Motivation genug. Ich denke, dass wir eine Mannschaft mit guter Perspektive zusammen haben, bei der das Charakterliche wie das Sportliche passt.

SPORT1: Abgesehen von Ihrem eigenen Team: Wer sind Ihre Favoriten auf den Aufstieg?

Streich: Ich will hier keinen konkreten Namen nennen. Aber wer im Vorjahr erlebt hat, was Darmstadt als Aufsteiger aus der 3. Liga für eine Überraschung für die Zweite Liga war, weiß, dass in dieser Liga auch in diesem Jahr wieder gravierende Überraschungen geschehen können.

Gellhaus: Neben dem Topfavoriten RB Leipzig gibt es eine ganze Reihe von Mannschaften, die sich viel vorgenommen haben. Es wird ganz sicher eine spannende Saison.

1. FC Nuernberg v VfL Bochum  - 2. Bundesliga
Rene Weiler ist seit November 2014 Trainer des 1.FC Nürnberg © Getty Images

Weiler: Da gibt es einige. Die größten Favoriten dürften aus unterschiedlichen Gründen RB Leipzig und der SC Freiburg sein. Wir haben aber in der vergangenen Saison gesehen, wie eng es in dieser Liga zugehen kann.

Kramer: Leipzig und Freiburg stehen natürlich ganz oben auf der Liste. Und dahinter kommen sieben, acht Mannschaften, die alle realistisch um die vorderen Plätze mitspielen können. Karlsruhe beispielsweise war letztes Jahr Dritter und die Mannschaft bleibt größtenteils zusammen. Dazu kommen Teams wie Braunschweig, Nürnberg oder Union Berlin, die ganz schön aufgerüstet haben.

SPORT1: Wer könnte neben den Mitfavoriten eine Überraschung sein im Aufstiegskampf?

Kramer: Darauf bin ich selbst sehr gespannt. Auch Bochum hat den Anspruch formuliert, oben mitzuspielen. Es gibt schon einige Mannschaften, die ein gewichtiges Wörtchen mitreden können. Auch Bielefeld und Duisburg sind keine klassischen Aufsteiger. Es sind echte Traditionsvereine, hinter denen eine Menge Power steckt. Das wird für alle Beteiligten in der 2. Bundesliga eine extrem spannende Saison.

Rangnick: Für mich kommen als potenzielle Überraschungen zum Beispiel Fürth, Duisburg oder Bielefeld in Frage.

Kauczinski: Für mich Union Berlin.

Runjaic: Da man ja nahezu die halbe Liga als Mitfavoriten nennen könnte, reden wir ja schon von einer großen Gruppe. Echte Überraschungen aber leben davon, dass man sie eben nicht vorhersehen kann.

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