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Christian Beeck Kolumne über Nürnberg
© SPORT1/Getty Images

In seiner Kolumne kritisiert SPORT1-Experte Christian Beeck die fehlende sportliche Linie bei Nürnberg. Als Sportdirektor bringt er Hannovers Ex-Manager Dirk Dufner ins Gespräch.

Hallo Zweitliga-Freunde,

beim 1. FC Nürnberg fehlen der letzte Kick, die letzte Konsequenz und der letzte Biss. Wenn du das alles nicht hast, siehst du zwar solide aus, aber damit gewinnst du keinen Blumentopf.

Ob die gemachten Vorgaben für die Zweite Liga bei dem Spielermaterial ausreichen, da kann man seine Zweifel bekommen.    

Beim Club funktioniert sportlich derzeitig herzlich wenig, obwohl man Sportvorstand Martin Bader weggeschickt hat. Wer ist denn jetzt der Nächste, der die Verantwortung übernehmen darf? Die Mannschaft spielt den gleichen Stiefel wie im letzten Jahr. Allerdings werkelten mittlerweile drei Experten an dem Team herum. Bader und Wolfgang Wolf als Leiter der Fußballabteilung.

Wer hat in den letzten 12 Monaten eigentlich das Sagen gehabt? Entscheidet Bader und Wolf oder Trainer Rene Weiler? Am Ende sieht es so aus, dass der Verein nach dem Abstieg aus der Bundesliga die falschen Strukturen geschaffen hat. Die Entscheidungsträger konnten keine Aufstiegsmannschaft zusammenstellen, obwohl finanzielle Mittel vorhanden waren. 

Weiler steht nun automatisch in der Kritik. Wenn du in Nürnberg bei dieser traditionell hohen Erwartungshaltung keine Ergebnisse lieferst, dann wird es für gewöhnlich sehr schwer.

Der angestrebte Aufstieg ist sehr ambitioniert. Auch ein Jahr nach dem Abstieg wird es mit dem Aufstieg nicht klappen. Diese Vorstellung sollte im Frankenland erst einmal verdrängt werden. 

Die Mannschaft ist solide aufgestellt, allerdings bestehen im vorderen Bereich größerer Probleme, um eine nachhaltige Treffsicherheit hinzubekommen. Von daher wird es verdammt schwer, überhaupt an der Spitzengruppe dranzubleiben.

Das Team wird ein Stück weit überbewertet. Es fehlt der Kopf in der Mannschaft. Einstellung schön und gut, aber Mittelfeldspieler Jan Polak ist kein Leader mehr. Er hat viele Jahre in der Bundesliga gespielt und war ein hervorragender Nationalspieler. Leider hat er seinen Leistungszenit längst überschritten.  

Die neueste Idee in Nürnberg war Jens Lehmann. Im ersten Augenblick keine schlechte Variante. Wenn man sich die Sache aber intensiver anschaut, ist zu merken, dass für diesen Job nicht alle geeignet sind.

Wir ehemaligen Spieler und nun Experten für die verschiedensten Medien sind noch lange keine Garantie für Erfolg. Jens Lehmann war ein sensationeller Torwart, doch einen Verein wie den 1. FC Nürnberg aus dem Stand zu managen, ist aus meiner Sicht nicht möglich.

Hier sind viele Erfahrungen und Verbindungen nötig, um dieses komplexe Geschäft mit Erfolg zu erledigen. Ich weiß nicht, wie viel Praxis er in diesem Zusammenhang zuletzt hatte. Auf jeden Fall sind diese Inhalte nicht einfach so vorhanden. 

Ich sehe da eher einen Dirk Dufner, der bei Hannover 96 aufhört. Er hat seit 15 Jahren Erfahrung in diesem Job. Man muss ihm nicht mehr viel erklären.

Der 1. FC Nürnberg muss sich richtig sortieren und dabei festlegen, wer welche Kompetenz hat. Derzeitig hat man das Gefühl, zu viele Leute reden nur und wichtige Entscheidungen ziehen sich ewig in die Länge.

Früher gab es klare Strukturen, Bader war im sportlichen Bereich der Ansprechpartner Nr. 1 und somit die wichtigste Person im Verein. Heute hat man mehr oder weniger die Qual der Wahl.

Am Ende ist den Franken nur zu wünschen, dass sie so schnell wie möglich die sportlich Kurve kriegen. Ansonsten wird es eine sehr unruhige Saison.

Euer Christian Beeck

Christian Beeck absolvierte während seiner Profilaufbahn insgesamt 79 Bundesliga- und 88 Zweitligaspiele. Neben Union Berlin war er unter anderem für Hansa Rostock, Fortuna Düsseldorf und Energie Cottbus am Ball. Für Union und Cottbus war Beeck nach seiner aktiven Zeit als Spieler auch im Management tätig. Für SPORT1 analysiert Beeck seit dieser Saison das Geschehen rund um die Zweite Liga.

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