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SPORT1-Experte Christian Beeck kritisiert in seiner Kolumne das Vorgehen des FC St. Pauli © SPORT1-Grafik

Der FC St. Pauli will Leverkusen, Wolfsburg und Hoffenheim das TV-Geld streichen lassen. In seiner Kolumne kritisiert SPORT1-Experte Christian Beeck die Hamburger.

Hallo Zweitliga-Freunde,

Der Vorstoß des FC St. Pauli ist eine Ansage eines Zweitligisten, der offenbar mehr Geld braucht, um seine nächsten Verpflichtungen zu tätigen oder Lieferanten zu bedienen. (NEWS: TV-Gelder: Brisanter Antrag St. Paulis)

Die haben sich jetzt wohl gedacht, dass man die vier Großen, denen über die Regel hinaus von Unterstützern unter die Arme gegriffen wird, einfach mal ausgliedert und dann mehr für sich hat. Hat St. Pauli etwa ein Geldproblem? Warum dieser Vorgang in aller Öffentlichkeit während einer für die St. Paulianer sehr gut laufenden Saison ausgetragen wird, ist mir rätselhaft.

Diese Themen kann man auch ohne Polemik besprechen. Allerdings müsste man dafür miteinander reden. Das scheint derzeitig nicht auszureichen, ansonsten wäre der Vorgang anders gelaufen.

Was mich daran wundert ist, dass Andreas Rettig alle in der Branche kennt und ganz genau weiß, wie es funktioniert. Warum die großen Jungs in unserem Fußball solche brisanten Themen nicht in Ruhe besprechen können, ist eine interessante Frage.

Da nimmt man lieber ein Echo in Kauf, unter anderem auch von Rudi Völler. Es wird versucht, eine Solidargemeinschaft auseinanderzudividieren. Und das tut dem deutschen Fußball überhaupt nicht gut.

Dass hier immer die Verhältnismäßigkeiten zu prüfen sind, steht außer Frage. Doch die Aufteilung muss immer noch solidarisch bleiben. So ist der Fußball auch ein Wettbewerb und kein Monopolprodukt.

Die besondere Fankultur auf St. Pauli will eigentlich keinen Kommerz, doch hier erwartet man nun mehr vom Kuchen. Das passt eigentlich nicht zusammen.

Zumal ebenfalls bekannt wurde, dass der Fanartikelhändler gekauft wurde, um eigenständiger und unabhängiger zu werden. Man möchte das Geld lieber direkt verdienen und dadurch die Einnahmen vergrößern, da die Preise für Fanartikel steigen werden.

Dass der Busenverein Union Berlin in diesem Zusammenhang direkt den Ligakonkurrenten mitfinanziert, hat schon kabarettistische Züge. Wie weit kann man den Aussagen der Vereine am Ende glauben?

St. Pauli ist allerdings nicht der einzige Verein, der gerne auf die große Tradition ohne Kommerz zeigt. Eine gewisse Transparenz würde diesen Clubs aber gut tun, um die Glaubwürdigkeit nicht ganz zu verlieren.

Schaut man sich die Stadien an, sieht es mittlerweile überall gleich aus. Selbst das Catering entwickelt sich auch dort zu einem kostspieligen Event. Wir wissen doch alle, dass Fußball ohne externe wirtschaftliche Unterstützungen auf Dauer nicht professionell funktionieren wird. Und gerade bei unseren Traditionsvereinen aus der dritten Reihe ist das täglich zu spüren.

Christian Beeck absolvierte während seiner Profilaufbahn insgesamt 79 Bundesliga- und 88 Zweitligaspiele. Neben Union Berlin war er unter anderem für Hansa Rostock, Fortuna Düsseldorf und Energie Cottbus am Ball. Für Union und Cottbus war Beeck nach seiner aktiven Zeit als Spieler auch im Management tätig. Für SPORT1 analysiert Beeck auch in dieser Saison das Geschehen rund um die Zweite Liga. 

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