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Michael Born und Stefan Effenberg vom SC Paderborn jubeln
Jubel bei Michael Born (l.) und Stefan Effenberg - zuletzt ein seltenes Bild beim SC Paderborn © Imago

München und Paderborn - Paderborns Geschäftsführer Michael Born lobt bei SPORT1 trotz der jüngsten Krise seinen Star-Coach - und verteidigt vor dem Hinrundenfinale das Aus von Lakic und Co.

Nervenaufreibende Tage liegen hinter Michael Born. Der Geschäftsführer des SC Paderborn musste sich nach der bitteren 0:4-Klatsche beim VfL Bochum kräftig schütteln. Wie auch Trainer Stefan Effenberg. Die Ostwestfalen stecken in der Krise.

Effenbergs Bilanz ist ernüchternd: Nur zwei Siege aus acht Zweitliga-Spielen. Nach dem Spiel beim VfL ergriffen Paderborns Verantwortliche drastische Maßnahmen und suspendierten mit Daniel Brückner, Srdjan Lakic und Mahir Saglik gleich drei Leistungsträger.

Vor dem Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf (ab 19.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1, LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) spricht Born im SPORT1-Interview über die aktuelle Lage und Effenberg.

SPORT1: Herr Born, wie ist Ihre Gefühlslage in der aktuellen Situation?

Michael Born: Natürlich ausbaufähig. Wir stecken in einer schwierigen Situation und haben unsere Zielsetzung in dieser Saison bislang nicht erreicht. Nun müssen wir den Abstiegskampf beherzt annehmen und uns mit vollem Einsatz aus dem Tabellenkeller spielen. Das Potenzial ist in der Mannschaft vorhanden, aber wir brauchen eine neue Hierarchie. Dazu können auch die drei Suspendierungen nach der 0:4-Niederlage beim VfL Bochum beitragen.

SPORT1: Nur zwei Siege nach acht Spielen unter Stefan Effenberg, dazu das bittere 1:7 im Pokal in Dortmund. Warum blieb die erhoffte Kehrtwende aus?

Born: Unter Stefan Effenberg hat die Mannschaft in spielerischer Hinsicht einen erkennbaren Schritt nach vorne gemacht. Aber wir haben auch seit dem Trainerwechsel zu viele Punkte verschenkt. Allein die drei Unentschieden im eigenen Stadion gegen den FSV Frankfurt, den 1. FC Heidenheim und 1860 München hätten sechs Punkte mehr bringen können, die uns jetzt fehlen. Dann gäbe es die aktuelle Diskussion gar nicht.

SPORT1: Hand aufs Herz: Hätten Sie sich nicht mehr erhofft vom Trainerwechsel?

Born: Spielerisch haben wir uns weiterentwickelt, aber leider stimmen die Ergebnisse nicht. Wir müssen die individuellen Fehler abstellen und mehr als Mannschaft auftreten, in der jeder Spieler alles gibt. Die Trainingsarbeit ist hervorragend, jetzt müssen die Jungs die Vorgaben des Trainers besser umsetzen.

SPORT1: Warum gelingt es Effenberg nicht, die Mannschaft in die Spur zu bringen?

Born: Das kann ich nicht erkennen. Das Verhältnis zwischen Trainerteam und Mannschaft ist absolut in Takt. Wir brauchen ein Erfolgserlebnis, um mit größerem Selbstvertrauen auftreten zu können. Dann werden viele Dinge auf dem Platz wieder besser funktionieren. Stefan Effenberg identifiziert sich voll mit Paderborn und macht sehr gute Arbeit.

Der VfL Bochum jubelt gegen den SC Paderborn
Zuletzt kassierte Paderborn eine bittere 0:4-Pleite in Bochum © Imago

SPORT1: Normalerweise war das Spiel in Bochum ein klares Signal dafür, dass die Mannschaft die Vorgaben des Trainers nicht umsetzen kann, oder?

Born: Tatsächlich war Bochum ein Tiefpunkt, das haben wir auch so kommentiert. In der zurückliegenden Trainingswoche hat die Mannschaft eine absolut gute Reaktion gezeigt. Die Übungseinheiten waren konzentriert und aggressiv. Deshalb gehen wir positiv in das Spiel gegen Düsseldorf.

SPORT1: Sie waren so euphorisch nach der Verpflichtung von Effenberg. Wie sehr ist die Euphorie der Ernüchterung gewichen?

Born: Bei uns gab es damals keine Euphorie und jetzt keine Ernüchterung. Wir analysieren die Dinge genau und ziehen unsere Schlüsse daraus. Die Suspendierung von drei Spielern war ein klares Signal, dass wir einen Neuanfang brauchen. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir gegen Düsseldorf ein anderes Gesicht der Mannschaft sehen werden.

SPORT1: Macht es sich der Verein mit den Suspendierungen der Spieler nicht zu leicht?

Born: Ganz und gar nicht. Wir haben die Entscheidungen sachlich abgewogen und gemeinsam mit dem Präsidium des Vereins gefällt. Es waren harte Schritte, die aber absolut notwendig sind. Wir brauchen eine neue Hierarchie im Team. Jetzt können sich die Spieler zeigen, die zuletzt weniger auf dem Platz gestanden haben.

Srdjan Lakic und Daniel Brückner vom SC Paderborn
Srdjan Lakic (l.) und Daniel Brückner haben in Paderborn keine Zukunft mehr © Getty Images

SPORT1: Ist es nicht auch gefährlich, drei so erfahrene Spieler vor die Tür zu setzen?

Born: Gefährlicher wäre es gewesen, nicht zu handeln. Die Entwicklung innerhalb der Mannschaft war nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben. Jetzt können wir neue Kräfte freisetzen und durchstarten. Genau deshalb haben wir die Suspendierungen auch zu diesem Zeitpunkt vorgenommen.

SPORT1:Srdjan Lakic sprach im SPORT1-Interview über seine Enttäuschung. Er sagte, dass Effenberg Glück brauche. Sehen Sie das auch so?

Born: Glück brauchen wir alle im Leben. Es kommt aber darauf an, sich das Glück auch zu erarbeiten. Dabei sehe ich uns auf einem guten Weg. Das Spiel gegen Düsseldorf wird uns weitere Aufschlüsse geben, wir gehen Schritt für Schritt.

SPORT1: Was muss konkret besser werden? 

Born: Teamgeist und Einsatzbereitschaft müssen zu 100 Prozent vorhanden sein. In diesen Bereichen haben wir deutlich Luft nach oben. Wenn wir mit richtigem Engagement auftreten und die Spieler sich auf dem Rasen gegenseitig helfen, werden wir unsere spielerische Klasse besser zeigen können. Das haben mittlerweile alle begriffen.

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