vergrößernverkleinern
Robin Dutt wurde nach dem Abstieg des VfB Stuttgart als Sportvorstand beurlaubt
Robin Dutt wurde nach dem Abstieg des VfB Stuttgart als Sportvorstand beurlaubt © Getty Images

Robin Dutt wünscht sich im deutschen Profi-Fußball mehr Geduld mit den Trainern und Managern. Seinen Ex-Klub VfB Stuttgart warnt er im Gespräch mit SPORT1.

Für Robin Dutt waren es keine einfachen Monate.

Als der VfB Stuttgart nach der vergangenen Saison in die Zweite Liga absteigen musste, wurde der damalige Sportvorstand beurlaubt. Dennoch wohnt der 52-Jährige nach wie vor in Stuttgart - und beobachtet natürlich, was beim VfB passiert.

"Es war sicherlich am Anfang problematisch, vor allem, wenn man seinen Lebensmittelpunkt in Stuttgart hat. Ich bin hier aufgewachsen und von daher war es für mich zunächst wichtig, Abstand zu gewinnen", sagt Dutt im Gespräch mit SPORT1.

Verbindungen zu seinem ehemaligen Verein gibt es acht Monate nach der Trennung nicht mehr. "Ich habe keine Kontakte mehr zum VfB und das habe ich ganz bewusst so entschieden", erklärt Dutt: "Das private Umfeld ist in so einer Situation sehr wichtig und ich habe einen engen Freundeskreis, wo ich mich auch fallen lassen kann. Es gab schöne und schlechte Momente."

Video

Fehler aufgearbeitet

Dutt hat seine Zeit beim VfB mittlerweile aufgearbeitet und ist selbstkritisch genug, um zu wissen, dass sein bitteres Scheitern auch selbst verschuldet war. 

"Man macht jeden Tag Fehler. Man muss nur versuchen, dass sich das, was falsch gelaufen ist, nicht wiederholt. Doch diese Zeit lässt einem der Fußball heutzutage nicht", erklärt er. In den Chefetagen sei Geduld Mangelware.

Ein Blick in die Statistik belegt das für Dutt - und führt ihn zu einem grundsätzlichen Problem: "In den vergangenen 18 Monaten gab es in der Bundesliga und Zweiten Liga 57 Veränderungen auf der Position des Trainers oder des Sportdirektors, bei manchen Vereinen wurden Positionen drei, vier Mal ausgetauscht. Das zeigt die verrückte Geschwindigkeit, die der Fußball momentan hat."

Für einen anderen Ex-Verein, mit dem er 2009 als Trainer den Aufstieg in die Bundesliga feierte, fand Dutt vor diesem Hintergrund lobende Worte: "Das ist die Stärke von einem Verein wie dem SC Freiburg. Da werden auch Fehler gemacht, da gab es in der Vergangenheit auch den einen oder anderen Abstieg, doch dort kann man aus den Fehlern lernen und es danach besser machen."

Zeit und Geduld fehlen

Und weiter: "In anderen Klubs kommen neue Leute und machen neue Fehler. Fehler macht jeder in seinem Job, aber heutzutage fehlen im Fußball die Zeit und die Geduld, etwas zu korrigieren." 

Unterdessen gibt es beim VfB vor dem Start in die Rückrunde beim FC St. Pauli (So., ab 13.30 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) nicht viel zu korrigieren - nach 17 Spieltagen belegen die Schwaben Platz drei.

"Der neue Trainer Hannes Wolf kam in einer schwierigen Situation und hat bisher gute Arbeit geleistet, auch wenn es Rückschläge gab. Die gehören dazu", so Dutt. 

Dutt warnt den VfB 

Steht am Saisonende dann sogar der direkte Wiederaufstieg? "Normalerweise müsste die beste Mannschaft aufsteigen - und das ist aus meiner Sicht der VfB Stuttgart", sagt er und warnt seinen ehemaligen Verein zugleich davor, sich zu sicher zu fühlen: "Die Erfahrung der Vergangenheit sollte Mahnung genug sein, dass nicht nur die Qualität der Mannschaft entscheidend ist."

Während der VfB nichtsdestotrotz auf einem guten Weg ist, macht sich Dutt natürlich auch Gedanken über seine eigene Zukunft. Mit 52 Jahren fühlt er sich noch "zu jung, um sich zur Ruhe zu setzen".

Andererseits verspürt er nach zehn Jahren im "Hamsterrad Bundesliga" nach eigener Aussage derzeit noch "nicht den Druck, sofort wieder etwas machen zu müssen".

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel