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Er würde für sich selbst stimmen, wenn er könnte, sagt Ronaldo. Zu wenig bescheiden, sagt der Kritiker. Aber Achtung.

Wir kommen in dieser Woche nicht darum herum, über die Wahl zu reden.

Klar, wirkt auf uns ja fern auf den ersten Blick. Als hätte es nichts zu tun mit uns.

Hat's aber doch, wenn man es sich mal anschaut, also jetzt genauer.

Globale Wirtschaft, Machtbalance der Nationen, geistig-moralische Verfasstheit der Welt: hängt ja alles ab davon.

Da fragt man sich natürlich: Wenn ich sie jetzt hätte, mal rein hypo-dings, die Stimme, wem gäbe ich sie denn?

Fragt sich logischerweise auch der Ronaldo, also der Cristiano.

Und antwortet sich dann: "Wenn ich könnte, würde ich für mich selbst stimmen."

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Muss man erst mal sagen: gute Wahl. Hat er sich sicher auch nicht leicht gemacht.

Aber nach drei Jahren, wo immer dieser andere Typ da gewinnt und da diesen Ball kriegt, und alle so: Weltfußballer, uiui.

Da ist es schon mal Zeit zu sagen: Alles schön, aber jetzt ist auch mal gut.

Immer nur denselben wählen - nicht die beste Idee, siehe Russland und so. Und ich stelle mich der Verantwortung.

Schön, könnte man jetzt da meinen.

Stattdessen aber natürlich gleich die Kritiker. Wenn da mal nicht jetzt egoistische Motive dahinter, unken sie. Und überhaupt: Wo ist denn da hier die Dings, die Bescheidenheit?

Genau darauf hat er jetzt aber nur gewartet, der Cristiano. "In Portugal sagt man", sagt er: "Wer zu bescheiden ist, ist eitel."

Da schaut er jetzt, der Kritiker. Eben noch schön auf dem Sonnendeck der moralischen Überlegenheit, weil noch extra die Nacht vorher das Handtuch auf den Liegestuhl, und deshalb gedacht: Jetzt mal schön brutzeln lassen.

Und jetzt sitzt er da, ohne Stuhl, ohne Handtuch, auch ohne Badehose, also moralisch. Und muss sich fragen: Nanu?

Eben noch gutes Gefühl der Gewissheit - und nun? Was, wenn jetzt alle so kommen?

In Portugal sagt man: Wer zu gut riecht, der stinkt. In Portugal sagt man: Wer zu viel schweigt, quasselt. In Portugal sagt man: Wer zu schlau ist, ist doof.

In Portugal sagt man: Wer zu wenig Sackhüpfen und Katzenmützen im Samstagabendfernsehen zeigt, zeigt zu viel Sackhüpfen und Katzenmützen.

Muss auch der Kritiker sagen: Hat man noch nicht betrachtet so, von der Seite. Kluger Mann, der Cristiano, muss man bewundern.

Wobei aber auch Achtung, was man dazu in Portugal sagt: Wer Ronaldo zu sehr bewundert, bewundert ihn nicht genug.