Matthias Sammer hat Recht: Es wird zu viel gesagt, ohne dass es etwas bringt. Es gibt dazu allerdings jetzt eine Alternative.

Einen der ersten Tipps, den ich seinerzeit im Kolumnisten-Kursus bekommen habe, lautete: Streu in deinen Kolumnen ab und an mal was aus deinem Privatleben ein.

Das lockert die argumentative Strenge auf, verstärkt die Bindung zum Nutzer und lenkt außerdem noch geschickt davon ab, dass du nie in deinem Leben einen Kolumnisten-Kursus besucht hast.

Aus all diesen Gründen sei hier eingestreut, dass ich seit einiger Zeit einen kleinen Hund habe.

Nun wäre das allein für Sie als Leser jetzt kein Mehrwert, es sei Ihnen jedoch auch noch gesagt, dass hinter dieser Information - Kolumnisten-Kursus, Sie wissen - auch eine dramaturgische Idee steckt.

Es ist nämlich so, dass ich mit diesem Hund bis vor kurzem ein Problem hatte: Ich konnte ihm nicht abgewöhnen, an allem herumzubeißen.

© Sport1

Ich habe es mit den Kommandos "Aus!", "Pfui!" und "Lass das!" versucht. Funktionierte nicht.

Ich habe es mit argumentativer Strenge versucht. Funktionierte nicht.

Ich habe versucht, ihm einen Artikel aus der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", der den jugendlichen und vermeintlich hippen Trend zum Beißen als kritisch-distanzierte Antwort auf missliebige, gesellschaftlich oktroyierte Konventionen, als eine ebenso undurchdachte wie letztlich haltungslose, neue Form des Spießertums entlarvt - auch und gerade dann, wenn er im ironischen Gewand daherkommt - zur Lektüre zu geben. Funktionierte nicht.

Als Ultima Ratio versuchte ich dann folgendes: Ich begegnete seinen Beiß-Avancen mit einem kurzen, bestimmten, für einen kurzen Moment aggressiv anmutenden Wort: "Wräugh!"

Es funktioniert.

Berauscht von dieser Erfahrung, möchte ich diese ebenso einfache wie geniale Idee nun gerne anderen Hundehaltern weiterempfehlen.

Jupp Heynckes, zum Beispiel: Klar, er kann auch künftig mit argumentativer Strenge gegen den Vorwurf anreden, er sei in Wahrheit ein bösartiger Chinese, und damit tagelang die Medien beschäftigen.

Er kann künftig aber auch einfach sagen: "Wräugh!"

Oder auch Uli Hoeneß: Er kann natürlich auch weiterhin mit dem Einkauf millionenteurer Megastars reagieren, wenn - unter Zuhilfenahme von haltlosen Vorwürfen, seine Angestellten wären bösartige Chinesen - an seiner Vormachtstellung herumgebissen wird.

Er kann aber auch einfach sagen: "Wräugh!"

Und auch Matthias Sammer müsste künftig nicht mehr sagen, dass ihm in seinem Verein zu viel gesagt wird und man doch lieber mal nichts zu etwas sagen sollte - wenn es nicht gerade darum geht zu sagen, dass man weniger sagen sollte.

Er könnte auch einfach sagen: "Wräugh!"

Meine Innovation ist übrigens auch über den Fußball hinaus zu empfehlen.

Für Talkshowgäste bei Günther Jauch zum Beispiel: Klar, sie können auch weiterhin mit argumentativer Strenge gegen Katharina Reiche anreden, wenn die zu erklären versucht, warum die Legalisierung der Homo-Ehe den Untergang des Landes durch eine Invasion bösartiger, verheirateter Chinesen zur Folge hätte.

Sie könnten aber auch einfach sagen: "Wräugh!"

Und auch Kolumnisten müssen ihre Texte künftig nicht mehr - wie im Kolumnisten-Kursus gelernt - mit millionenteuer eingekauften, hoch auf der Meta-Ebene angesiedelten Mega-Schlusspointen beenden.

Sie könnten einfach schreiben: "Wräugh!"