Wo Trainer früher entlassen wurden, kommt man heute gemeinsam zum Schluss, dass eine Trennung für beide Seiten das Beste ist.

Die Unbarmherzigkeit der Zeitläufe will es so, dass alles vergänglich ist ? und alles irgendwann aus der Mode kommt.

Schlaghosen, Kassettenrekorder, der Sega Mega Drive, StudiVZ, die Dinosaurier, der E-Postbrief, Werbung ohne Alfons Schuhbeck, Talkshow-Kritiken ohne den Satz "Die eigentliche Debatte kam dabei um keinen Millimeter voran": Vieles, was früher selbstverständlich war, ist heute schlicht nicht mehr.

© Sport1

Und oft ist es so schleichend passiert, dass es einem gar nicht aufgefallen ist.

Nehmen Sie zum Beispiel das Phänomen der Trainerentlassung. Haben Sie bewusst wahrgenommen, dass es so etwas gar nicht mehr gibt im Fußball?

Die modernen Zeiten sehen heute einen anderen Lauf der Dinge vor. Trainer werden in diesen Zeiten nicht mehr gefeuert.

Man setzt sich mit ihnen zusammen, um in einem offenen, konstruktiven Diskussionsprozess gemeinsam zu der Ansicht zu kommen, dass der Trainer aus eigenem Antrieb zum Schluss gelangen sollte, dass eine gemeinschaftlich verabredete Trennung - im Guten - für alle Beteiligten die beste Lösung darstellt.

Wobei: Inzwischen ist ja auch dieser Trend dabei, von der Zeit überholt zu werden.

Der neueste sieht vor, dass ein Trainer gar nicht mehr gehen muss. Das heißt eigentlich zwar schon, aber andererseits auch wieder nicht.

Denn egal ob es Huub Stevens auf Schalke oder Jupp Heynckes in München ist: Unmittelbar nachdem der Trainer gegangen ist, darf er direkt aus eigenem Antrieb wiederkommen ? um einen attraktiven, neuen Posten als beratender Rat im Bei- oder Aufsichtsrat anzutreten.

Es geht um Einbindung, es geht um das Einbringen von Kompetenz, es geht um Know-how, auf das man auch künftig nicht verzichten will. Kurz: Es geht um viele tolle Sachen.

Klar: Der Trend ist neu und muss noch etwas ausreifen. So müssen die Trainer noch besser davon überzeugt werden, von sich aus zur Überzeugung zu kommen, dass das für alle Beteiligten die allerbeste Lösung ist.

Sobald das geschafft ist, hat der Fußball dann aber endlich eine Lösung, die dann wirklich für alle Beteiligten das Aller-Allerbeste ist.

Jemanden gehen zu lassen, um ihn gleichzeitig dazubehalten, den Weg frei für das Neue machen, gleichzeitig aber das Alte behalten:

Das ist die ultimative Aussöhnung der beiden Ideen, dass sich die Dinge einerseits ändern müssen, zugleich aber alles so bleiben soll, wie es ist.

Das ist der neue Trend, der gleichzeitig über allen Trends steht.