Nach dem WM-Titel muss der Champions-League-Pokal abgeschrieben werden: Matthias Sammer ist hin und weg von den schönen Turinern.

Der Italiener an sich, das ist ja einer, bei dem man aufpassen muss, was man sagt.

Er ärgert sich ja meist schon, wenn man ihn den Italiener an sich nennt. Und fängt an mit haltlosen Vorwürfen, man rühre nationale Klischees an.

Man erinnere sich daran, was vor Jahren los war, als der renommierte Völkerkundler Karl Moik in einem vielbeachteten Fachaufsatz die bis dahin in der gesellschaftlichen Debatte tabuisierte, statistisch aber erwiesene Sympathie des Italieners für Triticum-durum-Produkte auf die Agenda brachte.

Einmal in einem Vorabdruck im Musikantenstadl das für den Laien griffigere Idiom "Spaghettifresser" benutzt, und schon? herrje.

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Der Italiener an sich gleich empört, redet von Kulturnation und dass Herr Moik mal Goethe lesen solle, den Italiener-Versteher.

Wirklich kein Wunder, dass der damalige deutsche Bundeskanzler als Reaktion darauf seinen geplanten lärmenden Herfall über die italienischen Strände absagte ? in weiser Voraussicht schon ein Jahr vorher.

Lang her, gewiss. Aber die Irritationen wirken nach. Die Deutschen sind, was die Italiener angeht, auf lähmende Weise übervorsichtig geworden aus Angst davor, weitere Empfindlichkeiten zu berühren.

Da lächelt die jetzige deutsche Kanzlerin überfreundlich, wenn sie nach Ihrer Meinung über Italien gefragt wird.

Da wechselt der deutsche Kanzlerkandidat verlegen das Thema und meint, dass das Land doch tolle Clowns hätte.

Und da verlieren die deutschen Fußballmannschaften aus falsch verstandener politischer Korrektheit jedes Spiel gegen die Italiener.

Immerhin in der Hinsicht schien man sich ja besonnen zu haben: Kurz nach der letzten Niederlage holten die Deutschen ? also der FC Bayern ? Matthias Sammer ins Boot, um sicherzustellen, dass das nicht mehr passiert.

Einen Mann mit der so wichtigen wie einzigen Aufgabe, seine Spieler immer wieder in Interviews, die abwechselnd "Sammer macht Druck" oder "Sammer macht Dampf" heißen, kompromisslos und im Klartext darauf hinzuweisen, dass sie Spiele unbedingt gewinnen statt verlieren sollten.

Nur logisch, dass das neueste davon ("Sammer macht Dampf") kurz vor dem Spiel gegen Juventus Turin, also den Italiener an sich, erscheint.

Man hätte hier nun endlich ein paar klare, kompromisslose Worte in diese Richtung erwartet.

Doch was sagt Sammer stattdessen? "Das sind in der Regel schön anzusehende Spieler, schwarze Haare, treue Augen, die dich anschauen..."

Man braucht an dieser Stelle nicht mehr weiterlesen, um zu wissen, was Sache ist.

Der WM-Titel ist ja nun schon abgetreten an den Südamerikaner an sich ? und der schöne Italiener bekommt jetzt auch noch den Champions-League-Pokal als Leckerli, weil er Matthias Sammer so treuäugig anguckt. Toll!

Verdammte Völkerverständigung!