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St.-Pauli-Profis trauern um Robert Enke © Getty Images

Der Tod Robert Enkes löste einen gesellschaftlichen Wandel aus, der auch nach dem Suizid von Andreas Biermann nicht aufhören darf.

Den Tag des Finales der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 nahm die international renommierte "New York Times" zum Anlass, an Robert Enke zu gedenken. Deutschlands Nummer eins, die sich am 10. November 2009 das Leben nahm, stand im Mittelpunkt des Textes gegen das Vergessen.

Soweit, so bemerkenswert. Denn Deutschland spricht erst eine Woche später wieder über Robert Enke - weil sich der Ex-Profi des FC St. Pauli und von Union Berlin Andreas Biermann in Berlin mit 33 Jahren das Leben nahm.

Auch er litt an Depressionen und sah am Ende nur einen Ausweg.

"Leider" hat das Thema Depressionen mit dem Tod von Robert Enke eine große Öffentlichkeit bekommen, sagt Jan Baßler, Geschäftsführer der von DFB, DFL und Hannover 96 gegründeten Robert-Enke-Stiftung. "Aber", so sagt er auch, "zum Glück hat das Thema eine Öffentlichkeit bekommen."

Seit 2010 kämpft die Organisation aus Barsinghausen bei Hannover unter der Schirmherrschaft von Teresa Enke für die gesellschaftliche Enttabuisierung der Krankheit und bietet auch Profisportlern Hilfe bei seelischen Leiden.

Zum Kuratorium der Stiftung zählt Prof. Dr. Frank Schneider, einer der führenden Sportpsychiater des Landes. Der in Aachen tätige Spezialist hebt die Fortschritte der Präventionsarbeit hervor, die durch die öffentliche Debatte nach dem Tod des Nationalkeepers entstanden ist.

"Alleine, dass und wie Medien darüber berichten, ist ein großer Schritt. So hätte vor fünf Jahren nie ein Journalist einen Psychiater gefragt, was es mit Depressionen im Sport auf sich hat."

Es hat sich einiges getan. Die Robert-Enke-Stiftung hat eine Hotline ins Leben gerufen, Experten und Kliniken national vernetzt, sowie Initiativen wie "MentalGestärkt" gegründet, die sportpsychologische Crashkurse in der DFB-Trainerausbildung verankern soll.

Doch in den Augen Jan Baßlers bleibt die wichtigste Waffe im Kampf gegen die Volkskrankheit der öffentliche Diskurs.

"Wir brauchen Öffentlichkeit. Wenn über die Stiftung oder indirekt über das Krankheitsbild der Depression gesprochen wird, haben wir Öffentlichkeit. Die Menschen sprechen darüber, das ist eine Enttabuisierung. Damit die Depression als normales Krankheitsbild zur Kenntnis genommen wird, ist das unerlässlich", sagt Baßler.

Dass mit Andreas Biermann jemand den Kampf gegen Depressionen verloren hat, obwohl er seine Krankheit nicht versteckte und professionelle Hilfe in Anspruch nahm, zeigt, wie übermächtig der Dämon namens Depression trotz allem werden kann.

Laut Studien sind Depressionen der Grund für 90 Prozent aller Suizide, weltweit kosten sie jährlich eine Million Menschen das Leben.

Biermann ist nun einer davon. Aber seine Botschaft, mit Offenheit die Risiken und Chancen im Kampf gegen die Krankheit vor Augen zu führen, um anderen helfen zu können, bleibt bestehen.

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