BVB-Star Aubameyang hat einen neuen Haarschnitt, der ethische Fragen aufwirft. Eine Abhandlung über Fußballerfrisuren an sich.

Drei Meldungen.

Meldung 1: Der Bundesliga-Profi Pierre-Emerick Aubameyang hat eine neue Frisur.

Auf seine Schläfe sind links ein Stern und die Ziffer 9 einrasiert, rechts ein blitzähnliches Symbol. Er hat dies auf dem Bilderdienst Instagram dokumentiert.

Meldung 2: Der ehemalige Bundesliga-Profi Thorsten Legat berichtet in seiner Autobiografie von seinem Arbeitsbeginn unter Trainer Otto Rehhagel.

Dessen erste Dienstanweisung an ihn: Er brauche einen vernünftigen Haarschnitt, um ein Mensch zu sein.

Meldung 3: Der frühere kolumbianische Nationalmannschaftskapitän Carlos Valderrama kommt in diesem Monat in die Kinos.

In der Filmkomödie "Por un punado de pelos" - zu Deutsch: "Für eine Handvoll Haare" ? spielt er den Bürgermeister eines Dorfes, das unter mysteriösen Umständen die Haarpracht seiner Bewohner zum Wachsen bringt.

Martin Hoffmann schreibt seit 2009 für SPORT1 die Kolumne "Hoffmanns Erzählungen"
Martin Hoffmann schreibt seit 2009 für SPORT1 die Kolumne "Hoffmanns Erzählungen" © SPORT1

Drei Meldungen über Fußballerhaare, die in dieser Woche auf der Kopfhaut der digitalen Nachrichtengesellschaft gewachsen sind. Völlig unabhängig voneinander, einerseits.

Andererseits ist es bei den Haaren ja wie bei folgt: Einzelne mögen getrennt voneinander sprießen, entscheidend aber ist der Blick aufs große Ganze.

Und bei Fußballerfrisuren geht es ums große Ganze, Otto Rehhagel hat es in Meldung 2 auf den Punkt gebracht: Nichts weniger als das Menschsein an sich ist das Thema dahinter.

Was genau aber lehren uns die genannten Geschichten über die Verbindung zwischen Frisur- und Menschwerdung?

Hätte Otto Rehhagel auch Pierre-Emerick Aubameyang ermahnt, dass er einen vernünftigen Haarschnitt brauche, um ein Mensch zu sein?

Gewiss und mit Recht, werden die meisten Experten sagen, die man zu dem Thema befragt ? aber wissen sie es?

Vielleicht ist Otto Rehhagel bei seinen Anweisungen stets fundamental missverstanden worden. Vielleicht hätte auch er sich Wetterphänomene auf seine Schläfe rasiert, wenn er damals schon einen Instagram-Account gehabt hätte, um es dokumentieren zu können.

So oder so: Letztlich muss in dieser Frage jeder seinen eigenen Weg finden, starre Dogmen helfen hier nicht weiter ? Immanuel Kant hat das in seiner Kritik des reinen Vernunfthaarschnitts ebenso richtig festgestellt wie die Musikgruppe Tocotronic in ihrem Lied "Pure Vernunftfrisur darf niemals siegen".

Die Haare eines Fußballprofis sind ebenso frei wie seine Gedanken, ein Spieler wie Pierre-Emerick Aubameyang braucht folglich keinen anderen Schnitt, um ein Mensch zu sein ? was er auf dem Kopf trägt, ist seine Interpretation der Vernunft, die er als freier Mensch für sich zurechtfrisiert hat.

Die Frage, die bleibt, ist nur die, ob Pierre-Emerick Aubameyang im Lauf der Zeit - mit einem noch vernünftigerem Haarschnitt vielleicht - auch zu einem noch besseren Menschen werden kann.

Das kann und wird so kommen, dessen darf man sich mit Blick auf die jüngere Frisurengeschichte des Fußballs sicher sein.

Noch allerdings ist es noch nicht so weit, dass ich ihn zum Bürgermeister des Dorfes wählen würde, das die Haarpracht seiner Bewohner zum Wachsen bringt.

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