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Paul Lambert
Paul Lambert gewann mit Borussia Dortmund 1997 die Champions League. © Getty Images

Dortmund und München - Der ehemalige Dortmunder Paul Lambert spricht bei SPORT1 über die Chancen der Schotten gegen Deutschland und über den BVB.

Endlich wieder einmal bei den Großen mit dabei sein.

Davon träumen die Schotten seit 16 Jahren. Seit der WM 1998 haben die stolzen "Bravehearts" nicht mehr an einer internationalen Endrunde teilgenommen.

Paul Lambert stand damals in Frankreich in der schottischen Auswahl, die den Brasilianern bei der 1:2-Niederlage im Eröffnungsspiel einen großen Kampf lieferte und nach der Vorrunde ausschied.

Der Trainer von Aston Villa - derzeit Dritter in der Premier League - glaubt vor dem Start in die EM-Qualifikation gegen Deutschland in Dortmund (ab 20.15 Uhr LIVE auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER) an eine Rückkehr der Schotten auf die große Bühne.

Im SPORT1-Interview begründet Lambert seine Zuversicht vor allem mit den jüngsten Testspielergebnissen der Schotten, die seit sechs Spielen ungeschlagen sind und im Mai beim kommenden Gruppengegner in Polen 1:0 gewannen.

Außerdem spricht der 45-Jährige, der 1997 mit Borussia Dortmund die Champions League gewonnen hatte, über den BVB und die deutsche Nationalmannschaft.

SPORT1: Mr Lambert, welche Erinnerungen verbinden Sie mit dem Spielort des anstehenden EM-Qualifikationsspiels?

Paul Lambert: Ich kenne das Stadion in Dortmund von meiner aktiven Zeit dort noch sehr gut. Für mich herrscht dort die beste Atmosphäre in der Bundesliga. Jeder weiß, wie die Dortmunder Fans hinter ihrer Mannschaft stehen. Die Stimmung dort ist wirklich fantastisch.

SPORT1: In Dortmund sind Sie zum Publikumsliebling geworden. Haben Sie noch Kontakt zum BVB?

Lambert: Ich habe noch ein paar Freunde dort und folge dem Verein auch weiterhin. Ich war beispielsweise beim Champions-Leaue-Finale in der vorletzten Saison in Wembley, als Dortmund gegen Bayern spielte.

SPORT1: Sie sind mit Borussia Dortmund 1997 Champions-League-Sieger geworden. Was trauen Sie dem Klub in dieser Saison zu?

Lambert: Ich denke, die Dortmunder Mannschaft ist sehr gut. Sie könnte in der Champions League wieder sehr weit kommen, wo wie sie es in den vergangenen Jahren immer getan hat. Ich hoffe, sie können sie wieder mal gewinnen. Darüber würde ich mich sehr freuen.

SPORT1: Sie haben mit Schottland an der WM 1998 teilgenommen. Seitdem haben sich die "Bravehearts" nicht mehr für ein großes Turnier qualifiziert. Woran liegt?s?

Lambert: Es war in den vergangenen Jahren sehr schwer, sich zu qualifizieren. Die Qualifikationsgruppen waren sehr anspruchsvoll für die Nationalmannschaft. Aber sie sind zuletzt stärker geworden. Ich denke, zusammen mit dem neuen Trainer sind sie ein gutes Team geworden. Die Qualifikation für die EM-Endrunde wird dennoch eine große Herausforderung.

SPORT1: An der mangelnden Unterstützung kann das Scheitern der Schotten in den letzten Jahren nicht gelegen haben, oder?

Lambert: Das stimmt. Die Unterstützung für das Nationalteam war schon immer sehr groß. Ich erwarte, dass auch nach Dortmund wieder tausende Fans reisen werden, um sich das Spiel anzuschauen. Das wird großartig. Die schottischen Fans werden ihre Mannschaft bedingungslos anfeuern. Das haben sie immer schon getan und werden es auch immer tun.

SPORT1: Wie groß ist der Respekt in Schottland vor dem Weltmeister aus Deutschland?

Lambert: Der Respekt war immer schon da. Jeder weiß, dass die deutsche Mannschaft sehr stark ist, da spielen viele Champions. Jedes Mal, wenn Deutschland an einem Turnier teilgenommen hat, waren sie sehr stark. Mit dem Spiel in Dortmund gegen den Weltmeister in die Qualifikation zu starten, ist für die Schotten sehr hart. Aber sie werden es genießen, dort zu spielen. Denn das Stadion gehört zu den besten im Weltfußball.

SPORT1: Wie wurde der WM-Sieg Deutschlands in Schottland wahrgenommen?

Lambert: Jeder weiß, dass die beste Mannschaft die Weltmeisterschaft gewonnen hat. Auch ich denke, dass die Deutschen die Besten waren und den Titel verdient haben.

SPORT1: In Frankreich wird 2016 die EM-Endrunde erstmals mit 24 Mannschaften gespielt. Steigert das die Hoffnungen in Schottland, sich zu qualifizieren?

Lambert: Das denke ich schon. Schottland hat zuletzt in den Freundschaftsspielen sehr gut gespielt und gute Resultate erzielt. Deshalb werden sie auch gegen Deutschland sehr selbstbewusst auftreten. Es wird ein schweres Spiel. Aber es ist das erste Qualifikationsspiel. Da weiß man nie, was passieren wird. Dass es für die Deutschen das erste Pflichtspiel nach dem großen Triumph in Brasilien ist, könnte ein Vorteil für Schottland sein.

SPORT1: Welche Mannschaften muss Schottland schlagen, um sich zu qualifizieren?

Lambert: Ich denke, dass sich Deutschland als Gruppensieger qualifizieren wird. Schottland, Irland und Polen werden sich um Platz zwei streiten.

SPORT1: Nationaltrainer Gordon Strachan hat zum ersten Mal Callum McGregor nominiert. Der Mittelfeldspieler von Celtic Glasgow gilt als großes Talent. Kann er Schottland in eine erfolgreichere Zukunft führen?

Lambert: Das vermag ich noch nicht zu sagen. Er ist noch sehr jung. Entscheidender aber werden die Leistungen der Mannschaft sein. Jeder muss seine Bestform abrufen, damit sich Schottland qualifizieren kann. Ich hoffe, das gelingt ihnen.

SPORT1: In ein paar Tagen stimmen die Schotten über ihre Unabhängigkeit ab. Wie ist die Meinung im schottischen Fußball über eine mögliche Unabhängigkeit?

Lambert: Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was die Leute darüber denken und ob die Unabhängigkeit für den schottischen Fußball etwas verändern würde. Da müssen wir abwarten.

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