vergrößernverkleinern
Guido Buchwald wurde 1984 und 1992 mit dem VfB Stuttgarter Deutscher Meister
Guido Buchwald wurde 1984 und 1992 mit dem VfB Stuttgarter Deutscher Meister © getty

München und Stuttgart - Im Interview mit SPORT1 spricht VfB-Ehrenrat und Weltmeister Guido Buchwald über eine Schonfrist für Veh und das Vorbild FC Bayern.

Guido Buchwald ist der einzige. Der einzige deutsche Weltmeister, der zum Zeitpunkt des Titelgewinns Spieler des VfB Stuttgart war. Das war 1990.

Darauf ist der mittlerweile 53-Jährige bis heute stolz. 1984 und 1992 wurde der einst auf dem Platz kompromisslose Verteidiger mit den Schwaben Deutscher Meister. Beim zweiten Mal nahm er als Kapitän die Schale entgegen.

15 Jahre später gewann der VfB zum fünften Mal den Titel. Trainer war damals Armin Veh.

Missratener Saisonstart

Mit dessen Rückkehr würde es wieder nach oben gehen, glaubten viele im Umfeld des Vereins. Doch der Start missriet mit nur einem Punkt aus zwei Spielen und dem Aus im DFB-Pokal.

Buchwald nahm dies besorgt zur Kenntnis. Ende Juli war er in den Ehrenrat des Klubs gewählt worden. Stuttgart plant zudem einen Sportbeirat, der Sportvorstand Fredi Bobic beratend zur Seite stehen soll - mit Buchwald.

Vor dem Südschlager in München sprach Buchwald mit SPORT1 über eine Schonfrist für Veh, die Hoffnung auf viele Millionen und das Vorbild FC Bayern.

SPORT1: Herr Buchwald, Fredi Bobic lud zuletzt viel Schuld auf sich. Wird der geplante Sportbeirat künftig über seine Arbeit wachen?

Guido Buchwald: Das Ziel des Sportbeirates soll sein, sich mit dem Sportvorstand austauschen. Das hat mit der Person Fredi Bobic nichts zu tun. Wir wollen ihm vielmehr beratend zur Seite stehen, damit er den einen oder anderen Gedankengang von uns aufnimmt und dann im operativen Geschäft vielleicht in die eine oder andere Entscheidung mit einfließen lässt.

SPORT1: Er sah sich harscher Kritik ausgesetzt. Wie beurteilen Sie seine Arbeit?

Buchwald: Der VfB Stuttgart müsste eigentlich unter den Top-5, Top-6 spielen. In den vergangenen Jahren ist es aber immer nur bergab gegangen. Natürlich werden die Verantwortlichen dementsprechend kritisiert. Der VfB muss einfach oben mitspielen. Der Klub hat ein tolles Umfeld, ein super Stadion und damit die besten Möglichkeiten, eine erfolgreiche Mannschaft zu formen. Wir waren schließlich über Jahrzehnte unter den Top-5. Da wollen wir wieder hin. Doch zuletzt sind wir sogar in den Abstiegssog geraten. Das war zuvor undenkbar. Es muss wieder besser gearbeitet und Fehler minimiert werden.

SPORT1: Welche Fehler wurden Ihrer Meinung nach gemacht?

Buchwald: Fehler werden im Sport immer gemacht. Es gibt Faktoren, die kannst du im Vorfeld nicht richtig einschätzen. Ein Spieler kann noch so gut sein, passt dann aber vielleicht nicht nach Stuttgart. Die Mannschaft muss so zusammengestellt werden, dass eine richtige Einheit dabei rauskommt. Viele Dinge liefen zuletzt nicht optimal. Doch jetzt muss der gesamte Verein das wieder umbiegen, damit wir wieder attraktiven Fußball zu sehen bekommen.

SPORT1: Dabei hat Armin Veh zuletzt in Frage gestellt, ob Anspruchsdenken und Qualität der Mannschaft zusammenpassen.

Buchwald: Die Mannschaft ist bestimmt eine der teuersten der Bundesliga. Die einzelnen Spieler haben die Qualität mit Teams, die um die Europa-League-Plätze spielen, mitzuhalten. Ein neuer Trainer versucht immer zu hohe Erwartungen herunterzuschrauben. Das ist legitim. Intern weiß aber jeder, dass der VfB besser dastehen muss.

SPORT1: Die Euphorie um seine Rückkehr ließ den Eindruck entstehen, dass die Menschen in Stuttgart glaubten, mit ihm gehe es automatisch nach oben.

Buchwald: Nun ja, Armin Veh hat in der Vergangenheit gezeigt, dass er junge Spieler heranführen und eine schlagkräftige Truppe zusammenstellen kann. Nicht nur in Stuttgart, als er Meister wurde, sondern auch bei Eintracht Frankfurt. Die Erwartungen an ihn sind gerechtfertigt.

SPORT1: Sein Start war aber alles andere als verheißungsvoll.

Buchwald: Fußball ist sehr kurzlebig. Wir müssen ihn in Ruhe arbeiten lassen und die Vorrunde abwarten. Dann kann man ein erstes Resümee ziehen, ob sich der VfB weiterentwickelt hat. Der neu zusammengestellten Mannschaft müssen wir die Zeit geben, damit sie beweisen kann, dass sie auf dem richtigen Weg ist.

SPORT1: Fredi Bobic stellte aber jüngst im Volkswagen Doppelpass in Frage, ob es in der von ihm zusammengestellten Truppe genügend Leader gebe.

Buchwald: Natürlich braucht eine Mannschaft eine Hierarchie. Der Trainer braucht einen verlängerten Arm. Diesen hat Veh in Christian Gentner gefunden. Aber einer alleine kann das nicht leisten. Es braucht drei, vier Führungsspieler. Ein Spieler kann sich diesen Anspruch mit Leistung und Präsenz selber erarbeiten. Der Trainer wird genau hinschauen, ob vielleicht einer der neuen Spieler diese Rolle mittragen kann.

SPORT1: Spieler, die vorangehen, kosten Geld. Beim VfB wird eifrig über die geplante Ausgliederung diskutiert. Diese soll Schätzungen zufolge bis zu 70 Millionen Euro bringen.

Buchwald: Es ist finanziell absolut notwendig, dass die Ausgliederung kommt. Wir brauchen Kapital. Ich hoffe, dass sie sehr schnell kommt. Wichtig ist, dass den Mitgliedern erklärt wird, dass der Verein weiter ein Verein bleibt und sie weiter die Mehrheit haben werden. Gleichzeitig muss Ihnen aufgezeigt werden, dass das Kapital dem Verein weiterhelfen wird, eine viel bessere Mannschaft aufzustellen. Wichtig ist darüberhinaus, dass das Geld dann auch richtig investiert wird.

SPORT1: Wie es geht, hat der kommende Gegner vorgemacht. Droht der VfB bei den übermächtigen Bayern jetzt unterzugehen?

Buchwald: Wolfsburg und Schalke haben bewiesen, wie man den Bayern Paroli bietet. Mit dem nötigen Selbstbewusstsein und ein bisschen Glück ist ein Sieg drin. Es ist nach der langen WM besser, am Anfang der Saison gegen die Bayern zu spielen, ehe sie wieder zu ihrem Rhythmus finden und alle Spieler topfit sind. Man fährt nie chancenlos irgendwohin. Das gilt selbst für Spiele beim FC Bayern.

SPORT1: Der könnte dem VfB künftig doch als Vorbild dienen, oder nicht?

Buchwald: Was sich Bayern München über Jahre aufgebaut hat, sollte eigentlich jedem Klub als Vorbild dienen. Sie haben sehr vieles richtig gemacht. Da schaut man schon hin: Warum klappt das so gut? Woran liegt es? Wir haben in Stuttgart ähnliche Voraussetzungen. Das eine oder andere sollten wir uns deshalb abschauen. Man kann aber nie alles eins zu eins übernehmen. Es muss auf die Verhältnisse bei uns angepasst werden.

SPORT1: Was wäre denn ein Anfang?

Buchwald: Die Ausgliederung wäre ein Anfang. Sie muss nur richtig vorbereitet sein, damit wir hinterher auch sehr viel Freude damit haben werden.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel