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Und bekommt neben dem Pokal auch noch ein Küsschen von Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger (Copyright: twitter@rihanna)

Die Nationalelf kommt bald ins Kino. Dabei liegen vier Drehbücher mit weit größerem Blockbuster-Potenzial in der Schublade.

Ich muss sagen, ich bin maßlos enttäuscht von Oliver Bierhoff und den anderen Verantwortlichen der deutschen Nationalmannschaft.

Da wähnt man sich in guten und konstruktiven Gesprächen über eine Zusammenarbeit bei dem Projekt, einen Film über die Weltmeisterschaft in Brasilien in die Kinos zu bringen.

Und was muss man dann lesen? Dass dieser Film schon kommenden Monat anläuft. Ohne dass ich in einen einzigen Produktionsschritt von "Die Mannschaft" involviert gewesen wäre.

Dabei war ich sicher, den DFB mit meinen künstlerischen Visionen vollauf überzeugt zu haben - und hatte deswegen vertrauensvoll auf die Erfüllung des Versprechens "Melden Sie sich nicht bei uns, wir melden uns bei Ihnen" gewartet.

Was immer nun draus geworden ist, es kann nur ein schamloses Plagiat eines der vier Drehbuchexposes sein, die ich Regisseur Uli Voigt vorgelegt habe.

Damit Sie das später auch selbst nachprüfen können - hier sind sie:

Die Mannschaft - das Musical

In einem an "West Side Story" angelehnten Szenario ist das Stadtviertel Campo Bahia Kampfrevier von vier verfeindeten Wohngemeinschaften, die verbissen um die musikalische Vorherrschaft über die Gemeinde Santa Cruz Cabrália kämpfen - und um die Gunst der mit allen vier Clans verbundenen Dorfschönheit (Rihanna).

Gauchotanz der Weltmeister
© Getty Images

In einer dramatischen Wende werden die vier Banden durch die Begegnung mit einem Indianerstamm versöhnt, der für sie einen Glückstanz aufführt - und sie nehmen gemeinsam an einem internationalen Rhythmuswettbewerb in Rio de Janeiro teil.

Im Schlussakt droht die Gruppe an einem Konflikt über die Unterschiede ihrer Schrittfolgen zu denen der rivalisierende Tanztruppe aus Argentinien zu zerbrechen - ehe ein großes, gemeinsames Abschlussmedley mit einer als Deus ex Machina auftauchenden Ex-Musicalsängerin alle Probleme in Wohlgefallen auflöst.

Die Mannschaft - der Thriller (klassisch, als zeitgenössisches Update des klassischen Film Noir gedacht)

Privatermittler Kramer erwacht zu Beginn des Films in einem zwielichtigen Viertel von Rio de Janeiro, von Kopfschmerzen geplagt und ohne Erinnerung daran, was ihm an diesem Abend passiert ist.

Mit Hilfe seiner Tagebuchnotizen und einer attraktiven Femme Fatale (Rihanna) rekonstruiert er die Lage und kommt dabei einem global operierenden Menschenhändlerring auf die Spur, der auch ihn zwischenzeitlich in seiner Gewalt hatte.

Christoph Kramer beim WM-Finale in Rio
© Getty Images

Auf der Flucht vor seinen Häschern, die ihn vergeblich zu überzeugen versuchen, mit ihrer Organisation Geschäfte zu machen, kommt es zum nächtlichen Showdown auf der Christusstatue, in dem Kramer den Syndikatschef nach langem Kampf niederringt.

In der letzten Einstellung sieht man Kramer, noch auf der Statue, wie er mit noch immer kopfschmerzgeplagter Miene sein Tagebuch vollendet und nachdenklich in Richtung der aufgehenden Sonne blickt.

Die Mannschaft - das Roadmovie (anspruchsvoll, eher ans Arthouse-Publikum gerichtet)

In einer Mischung aus "Easy Rider" und Jack Kerouacs "On the Road" dreht sich der Film um eine Gruppe heranwachsender Männer, die auf ziellosen Reisen auf der Suche nach Freiheit, nach sich selbst und nach schönen Frauen (Rihanna) sind.

Deutschland auf der Fähre
© Getty Images

Der Trip führt die Protagonisten von einer Londoner U-Bahn über eine Fähre auf dem Joao da Tiba in Brasilien bis zu einer Busfahrt durch die wegen eines ungenannten festlichen Anlasses von hunderttausenden Menschen besetzten Innenstadt Berlins.

Dort verlieren sie sich in der Masse der Feiernden und bemerken auf diesem Wege, dass es echte Freiheit und Selbstentfaltung für sie in dieser Welt nicht geben kann.

In einer verstörenden Schlusssequenz versuchen die Helden die Ansammlung um sie herum mit wilden Schreien und Veitstänzen zu vertreiben, machen damit aber alles nur schlimmer und bleiben schließlich eingekesselt und mit einem bedrückenden Gefühl der Atemlosigkeit am Brandenburger Tor zurück.

Die Mannschaft - das Buddy Movie (als Blockbuster für den internationalen Markt konzipiert)

Swinestiger, ein altgedienter, merklich abgekämpfter Polizist im Streifendienst, zählt die letzten Wochen bis zu seiner Pensionierung - als ihm gegen seinen Willen ein neuer Partner zugeteilt wird: Grosscross, ein talentierter, aber ungestümer Nachwuchscop, der gerade eine Suspendierung hinter sich hat, weil ein Verdächtiger beim Verhör Teile eines Burgers (Rihanna) abbekommen hat, die Grosscross in einem Wutanfall auf ihn beziehungsweise vor ihm auf den Boden geworfen hat (der Bericht der Dienstaufsicht kam zu keinem abschließenden Ergebnis).

Kevin Großkreutz und Bastian Schweinsteiger
© instagram.com/fischkreutz

Einige Drinks und zahllose Explosionen später erkennt das gegensätzliche Duo, was es aneinander hat und lässt sich nicht mehr auseinanderbringen - nicht von diversen Burger-Frotzeleien des Schreibtischkollegen Draxler (sprich: Dräxler), noch durch die Intrigen eines korrupten Lieutenants, der Swinestiger durch die Veröffentlichung eines kompromittierenden Kneipenvideos kaltzustellen versucht, noch durch Grosscross' nächste und scheinbar endgültige Suspendierung durch den überbesorgten Polizeichef.

Nach einem explosionsreichen letzten Einsatz ist Grosscross' rehabilitiert, der böse Lieutenant hinter Schloss und Riegel und ein blutender Swinestiger teilt seinem Partner bei einem letzten gemeinsamen Bier mit: "Ich glaube, das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft." - "Isso."

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