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München - Robbie Keane ärgerte Deutschland schon zu Zeiten von Carsten Ramelow - und auch jetzt ist mit dem Rekordtorjäger zu rechnen.

Es wäre vieles anders gekommen in Deutschland, wenn es damals bei diesem Tor geblieben wäre.

Es war in der Gruppenphase der WM 2002, Robbie Keane traf für Irland zum 1:1 in der Nachspielzeit und drehte ein Rad für das Publikum im Kashima Stadium.

Es war der einzige Treffer, den die deutsche Mannschaft damals kassierte, bis im Finale noch die zwei von Ronaldo dazukamen.

Oliver Kahn bekam Keanes Schuss damals nicht zu fassen, zuvor war Carsten Ramelow an ihm vorbeigegrätscht. Es ist lange her.

Zwölf Jahre später treffen Deutschland und Irland sich nun wieder, es geht um die EM-Qualifikation (20.15 Uhr im LIVE-TICKER). Und Robbie Keane ist bei Irland immer noch der, um den sich vieles dreht. (DATENCENTER: Der Spielplan der EM-Qualifikation).

Rekordmann seit Kloses Rücktritt

Eben erst hat der Stürmer aus dem Dubliner Vorort Tallaght beim 7:0-Sieg Irlands über Gibraltar einen Hattrick erzielt. Es waren seine Treffer 19 bis 21 in EM-Qualifikationsspielen, er löste damit Hakan Sükür als Rekordhalter ab.

Es waren auch seine Treffer 63 bis 65 im 136. Länderspiel, er ist der erfolgreichste aktive Torjäger, seit im Sommer zwei andere aus ihren Nationalteams zurückgetreten sind: Didier Drogba und Miroslav Klose, Keanes letzter Gegenspieler aus dem Duell vor zwölf Jahren (Bild-Copyrights: Getty).

Auch Keane hätte auf diese Idee können. Er ist jetzt 34, spielt bei den L.A. Galaxy in der MLS in Amerika - und sein Land hat im vergangenen Jahr die WM-Qualifikation verpasst und mit der Entlassung von Giovanni Trapattoni einen Neuanfang eingeleitet.

Für Irland, bis die Beine weg sind

Aber Keane dachte gar nicht daran, sich zurückzuziehen. Das wolle er erst dann, "wenn meine Beine weg sind", hielt er fest.

Fürs Nationalteam reibt er seine Beine auf: "Mehr als alles andere möchte ich für mein Land spielen, und es bedeutet mir immer noch genauso viel wie bei meinem Debüt."

Man kauft ihm ab, dass das nicht nur Floskel ist. Keane spielt in der Nationalelf, seit er 17 ist, sein halbes Leben also. Er hat sie geprägt, sie hat ihn geprägt, war für ihn ein Halt in einer ansonsten sehr unsteten Karriere.

Früh gehypet, früh gescheitert

Keane hat eine Menge hinter sich, das hatte er schon zu der Zeit, als Carsten Ramelow an ihm vorbeigegrätscht ist.

Er war das Wunderkind, der gehypete Jungstar. 1998 führte er Irland zum U-18-Europameistertitel. Im Finale besiegte sein Team Deutschland im Elfmeterschießen. Timo Hildebrand, Sebastian Kehl und Sebastian Deisler hießen damals die deutschen Nachwuchshoffnungen.

Für sechs Millionen Pfund wechselte Keane ein Jahr darauf zu Coventry City, als bis dahin teuerster Teenager aller Zeiten. Für 13 Millionen zog er dann zu Inter Mailand weiter, gerade zwanzig geworden und für Coach Marcelo Lippi "der beste junge Spieler, den ich damals gesehen habe".

Bei Inter aber setzte er sich nicht durch, spielte nur sechsmal, traf nie. Wechselte zurück nach England, zu Leeds United und hatte dort auch Probleme. Nun war er der jung Gescheiterte.

"And number one is Robbie Keane..."

Das Tor gegen Deutschland war dann der Vorbote für bessere Zeiten, sie brachen an, als er kurz danach zu Tottenham Hotspur wechselte.

Bei den Spurs wurde Keane zum verlässlichen Torjäger, traf in den kommenden sechs Jahren 80 Mal in 197 Ligaspielen, führte Tottenham 2008 zum Ligapokalsieg.

Und er wurde zum Publikumsliebling, für den Tottenhams Anhänger "We all dream of a team of Robbie Keanes" sangen, eine umgedichtete Version vom "Yellow Submarine" der Beatles:

"And number one is Robbie Keane, and number two is Robbie Keane, and number three is Robbie Keane, and number four is Robbie Keane?"

Kein Glück nach Tottenham

Keane verließ das Glück, als er es woanders suchte. Nach seinem Wechsel zum FC Liverpool 2008 hielt er dort nur ein halbes Jahr aus, ging dann wieder zurück zu den Spurs.

Eine Bahnlinie ließ sich damals den Slogan einfallen, dass sie ihre Passagiere noch schneller von London nach Liverpool zurückbringen würde als Keane.

Auch in Tottenham konnte er aber nicht an alte Zeiten anknüpfen, nach mehreren Leihaktionen kehrte er dem europäischen Fußball schließlich den Rücken und zog mit Modelehefrau Claudine nach Amerika.

Trifft Keane, siegt Irland

Dem irischen Team aber wollte der Rekordnationalspieler und -torschütze eben nicht den Rücken kehren, genauso wenig wie sein Team verzichten will auf sein Spielverständnis, seinen Torinstinkt und seine Qualitäten als Integrationsfigur.

Lange Zeit war er der Halt der Mannschaft, zwölf Jahre lang verlor die "Green Army" kein Spiel, in dem Keane traf.

Die Serie riss erst 2010, im Jahr des Playoff-Dramas gegen Frankreich, in dem das Handtor von Thierry Henry Irland die WM kostete.

Vier Jahre später verspielten die Iren das Turnier weit ruhmloser, unter anderem mit einer 1:6-Klatsche gegen Deutschland. Keane fehlte damals verletzt.

Einsatz ungewiss

Ob er diesmal dabei sein wird, ist nicht sicher. Die irischen Beobachter, die mit ihrem Team nach Deutschland gereist sind, sind uneins, ob Trainer Martin O?Neill nicht einem Jüngeren den Vorzug geben wird.

"Spiel weiter, bis du 64 bis", riet Trapattonis Nachfolger Keane zwar bei seinem Amtsantritt - vielleicht war auch das eine unbewusste Beatles-Anspielung. Es klang aber doch auch durch, dass O?Neill Keane früher oder später in Würde aufs Altenteil geleiten wird.

Gegen Deutschland könnte der Nationalheilige Fußballirlands aber durchaus noch gefragt sein.

Und auch Carsten Ramelows Erben müssten dann aufpassen, nicht an Robbie Keane vorbeizugrätschen.

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