München und Zürich - Nach dem Debakel in Kroatien erklärt Berti Vogts seinen Abschied aus Aserbaidschan. Bei SPORT1 spricht er über die Gründe.

Das Abenteuer Aserbaidschan ist für Berti Vogts vorzeitig beendet.

Am Montagabend war das Maß für den ehemaligen Bundestrainer endgültig voll. Nicht alleine die 0:6-Pleite von Aserbaidschan in Kroatien hatte Vogts auf die Palme gebracht, sondern die Art und Weise, wie sich seine Mannschaft präsentiert hatte.

"Keinen Sinn mehr"

"Ich habe keinen Sinn mehr in der Aufgabe gesehen, habe diese Entscheidung voller Überzeugung getroffen", sagte Vogts im Gespräch mit SPORT1 und begründete seinen Entschluss: "Wenn eine Mannschaft nicht bereit ist zu laufen, zu kämpfen und alles aus sich rauszuholen, dann ist der Zeitpunkt gekommen, zu gehen."

Auch gegenüber dem Sport-Informations-Dienst (SID) äußerte er sich zu seinem überraschenden Rücktritt:

"Das war Standfußball. Fußball ist ein Laufspiel, aber das haben einige Spieler nicht kapiert. Die denken nur an ihre Kohle und tun nichts dafür. Das kann ich nicht mehr mitmachen."

Verbandschef informiert

Am Donnerstag hatte der 67-Jährige in Zürich Aserbaidschans Verbandschef Rownag Abdullajew seine Entscheidung mitgeteilt.

"Er war sehr traurig. Es tut mir auch leid für ihn, denn er ist ein sehr netter Mann", sagte Vogts, der nach rund sechs Jahren in der früheren Sowjet-Republik auf persönliche Empfindlichkeiten aber keine Rücksicht mehr nehmen konnte.

"Nach dem knappen 1:2 in Italien haben die Spieler keinerlei professionelle Einstellung an den Tag gelegt und deshalb sind wir drei Tage später so unter die Räder gekommen", erklärte Vogts.

Aserbaidschans Fußball-Verband AFFA bedauerte den Rücktritt des ehemaligen Welt- und Europameisters, der 2008 seinen Dienst in Baku angetreten hatte und im Dezember vergangenen Jahres seinen Kontrakt noch einmal bis zum Ende der Qualifikation für die EM 2016 in Frankreich verlängert hatte.

Gewaltiger Sprung in der Weltrangliste

"Berti Vogts hat eine Menge für den aserbaidschanischen Fußball getan und zu einer positiven Entwicklung beigetragen", sagte Abdullajew. Immerhin hat sich Aserbaidschan in den vergangenen Jahren unter Vogts in der Weltrangliste vom 147. auf den 73. Platz verbessert.

"Die Arbeit hat mir lange Zeit Spaß gemacht. Aber jetzt war der Zeitpunkt erreicht, wo es nicht mehr weitergeht. Da kann der Trainer nichts für, die Schuld tragen in aller erster Linie die Spieler. Beim Fußball muss man Spaß haben, aber diesen Profis geht es nicht um Spaß und Erfolg, sondern ausschließlich ums Geld", berichtete Vogts.

Dabei schwingt die Enttäuschung in der Stimme des früheren Bundesligatrainers von Bayer Leverkusen, der bei der WM-Endrunde im Sommer in Brasilien ein Intermezzo als Assistent von US-Coach Jürgen Klinsmann gegeben hatte, mit.

Noch kein Punkt

Vogts, der als Bundestrainer Deutschland 1996 in England zum dritten EM-Titel geführt hatte, konnte in drei Spielen der aktuellen Qualifikation für die EURO 2016 nicht punkten. In der Qualifikation zur WM 2010 hatte er mit dem Außenseiter fünf Punkte, in den Gruppenspielen zur EM 2012 sieben und in der Qualifikation zur WM 2014 immerhin neun Punkte geholt.

"Davon darf sich der Verband nicht blenden lassen, sonst erleben sie als Gastgeber der paneuropäischen EM 2020 die Spiele nur als Zuschauer", sagte er nun angesichts des aktuellen Zustands der Mannschaft.

Der ist nun nicht mehr seine Angelegenheit. Daher kann er sich nun wieder der Herausforderung Golf widmen: "Ich muss mein Handicap wieder runter bekommen. Da habe ich genug zu tun."

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