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Scott Brown empfängt mit Schottland die Iren um Robbie Keane in Glasgow

München - Schotten und Iren eint die Rivalität mit England. Am Freitag treffen sie aufeinander - aber keinesfalls freundschaftlich.

Wenn es um die wichtigsten Siege ihrer Nationalmannschaften geht, sind sich Iren und Schotten einig.

Dann wird die Fußball-Geschichte gerne nach Erfolgen gegen England durchstöbert.

Die Iren verehren bis heute Ray Houghton, den Siegtorschützen beim 1:0 gegen die "Three Lions" bei der EM 1988 in Stuttgart.

Die Schotten schwelgen immer noch in Erinnerungen an das Duell im Frühjahr 1967, als die "Bravehearts" beim damaligen Weltmeister im Wembley-Stadion mit 3:2 gewannen und Kapitän John Greig die Schotten zum "inoffiziellen Weltmeister" erhob.

Abneigung gegen England

Es ist die historisch und politisch gewachsene Abneigung gegen England, aus der sich ein Großteil des Selbstverständnisses der beiden keltischen Fußballnationen speist.

Davon aber abzuleiten, Partien gegeneinander verkämen zu feuchtfröhlichen Verbrüderungsfesten, ist weit gefehlt.

Wenn sich am Freitagabend im EM-Qualifikationsspiel Schotten und Iren im Celtic Park von Glasgow gegenüberstehen (ab 18 Uhr im LIVE-TICKER), wird es von der ersten Minute an zur Sache gehen.

Dafür sorgt zunächst einmal die Konstellation in Gruppe D, in der trotz ihrer aktuellen Mini-Krise die Deutschen nach wie vor als Favoriten gelten (DATENCENTER: Die EM-Qualifikation).

Ziel ist Platz zwei

Chancen auf Platz zwei, der die direkte Teilnahme an der EM 2016 bedeutet, rechnen sich aber beide Mannschaften aus. Und das zu Recht. Die Iren liegen nach drei Spieltagen punktgleich mit Tabellenführer Polen auf ebenjenem zweiten Platz. Drei Zähler dahinter folgen die Schotten auf Rang drei.

Für deren Co-Trainer Mark McGhee, der in den 1980er Jahren für den HSV aktiv war, hat das irisch-britische Bruderduell schon vorentscheidenden Charakter.

"Was unsere Hoffnungen in der Qualifikation betrifft, hat dieses Spiel eine gigantische Bedeutung. Ob wir es am Ende schaffen oder nicht, könnte maßgeblich vom Ergebnis des Spiels abhängen", sagte der Assistent von Nationaltrainer Gordon Strachan.

Sollten die Schotten die Partie verlieren, betrüge der Rückstand auf die Iren schon sechs Punkte, und das Warten auf die erste Teilnahme an einem großen Turnier seit der WM 1998 würde wohl weitergehen.

Pfiffe gegen die Iren?

Entsprechend leidenschaftlich werden die schottischen Anhänger ihre Mannschaft anfeuern. Und nicht nur das: Manche fürchten sogar handfeste Auseinandersetzungen der beiden Fan-Lager.

Auslöser ist eine Aussage des früheren schottischen Nationalspielers Gordon McQueen, der gegen die in Glasgow geborenen irischen Nationalspieler Aiden McGeady und James McCarthy wetterte und ihnen indirekt Verrat vorwarf.

"Ich hoffe, McGeady und McCarthy wird ein fürchterlicher Empfang bereitet - das haben sie verdient." Viele Schotten nehmen es den beiden übel, dass sie grün statt blau tragen, weil ihre Vorfahren Iren sind.

Irlands Torwart Shay Given dreht in diesem Zusammenhang aber den Spieß um und warnt die gegnerischen Fans vor Heuchelei. "Einige schottische Spieler sind in England geboren, haben aber schottische Eltern", gibt der 38-Jährige zu bedenken.

Deswegen spielt zum Beispiel James Morrison für die Schotten, obwohl der Mittelfeldspieler im englischen Darlington geboren wurde.

Nationalstadion wird umgebaut

Auf einen uneingeschränkten Heimvorteil werden die Schotten trotz der "Tartan Army" - ihrer stimmgewaltigen Anhänger - nicht bauen können.

Denn da der Hampden Park wegen anderweitiger Nutzung derzeit nicht zur Verfügung steht, findet das Spiel ausgerechnet in dem Stadion statt, das die irischen Fans ohnehin schon an jedem Wochenende in Massen bevölkern.

Der Celtic Park ist seit über 120 Jahren die Heimspielstätte des von irischen Einwanderern gegründeten Vereins Celtic Glasgow.

Tausende Fans des Traditionsklubs, den übrigens der heutige irische Nationalcoach Martin O'Neill zwischen 2000 und 2005 trainierte, machen sich jedes Wochenende von Irland aus auf den Weg nach Schottland, um die "Hoops" zu unterstützen.

Grüne Wand

Auch am Freitag wird wieder eine regelrechte Völkerwanderung einsetzen, ob per Fähre oder im Flugzeug. Das Ziel: Der Celtic Park in Glasgows Stadtteil Parkhead.

Obwohl offiziell nur etwas mehr als 3200 Karten nach Irland gingen, werden wohl weit mehr Fans ihre "Boys in Green" antreiben.

Shay Given freut sich jedenfalls schon: "Ich denke, es ist für alle irischen Spieler etwas Besonderes, in Parkhead zu spielen."

Einen angenehmeren Ort für ein Auswärtsspiel der Iren, das weiß auch ihr Torwart, gibt es nirgends in Europa.

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