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Alex Wright ist der prominenteste deutsche Wrestler
Alex Wright (in der Luft) bildet in seiner Wrestlingschule Nachwuchskämpfer aus

München - Deutschlands prominentester Wrestler Alex Wright spricht bei SPORT1 über Tim Wieses Möglichkeiten im knallharten Kampfsport.

Von Adrian Geiler

Zu jung.

So begann die steile Wrestling-Karriere von Alex Wright. Der damals 16-Jährige wollte ein Event in Wuppertal besuchen, doch der Veranstalter ließ ihn nicht rein.

Mit seinem Vater Steve improvisierte er daraufhin eine Wrestling-Show, wurde entdeckt und zum jüngsten Profi Europas.

Jahrelang war der erfolgreichste deutsche Wrestler Profi, hätte auch zur World Wrestling Entertainment (WWE) gehen können. Doch ausgebrannt beendete er anstattdessen seine Karriere.

Später gründete er eine Wrestling-Schule in der Nähe von Erlangen. Er kümmert sich um junge Talente, einer schaffte es sogar nach Orland zum Probetraining der WWE.

SPORT1-Redakteur Jonas Beck schickte er in dessen Wrestling-Selbstversuch auf die Bretter. Mit Tim Wiese, der vielleicht bald Wrestler wird, hat er das Gleiche vor - natürlich nur zu Übungszwecken. Wright würde Wiese gerne trainieren.

Im Interview mit SPORT1 spricht er über das Leben eines Wrestler-Azubis, was Tim Wiese noch fehlt und wie lange ein Kampf zwischen ihm und dem Ex-Nationalkeeper dauern würde.

SPORT1: Herr Wright, wie war es denn am Dienstag mit Jonas Beck?

Alex Wright: Er hat sich super angestellt. Am Anfang hat er das noch etwas auf die leichte Schulter genommen. Aber während des Trainings hat er gemerkt: Wow, da steckt ja doch einiges dahinter. Er hat sich gut geschlagen.

SPORT1: In der Redaktion saß er nicht ganz schmerzfrei und hat gelitten.

Wright: Ja, er leidet noch? (lacht) Aber er hat sich wirklich wacker geschlagen. Es hat Spaß gemacht mit Ihm zu trainieren.

SPORT1: Wie hat Ihnen der erste Auftritt von Tim Wiese beim WWE-Event in Frankfurt gefallen?

Wright: Er hat ja sehr gute Reaktionen erhalten und ein sehr gutes Erscheinungsbild. Wiese ist sehr extrovertiert, das passt ganz gut. Sein Körpergefühl muss er noch herausarbeiten, das hat aufgrund seiner krassen Gewichtszunahme wahrscheinlich etwas gelitten.

SPORT1: Hat er dennoch das Zeug, ein richtig guter Wrestler zu werden?

Wright: Um das richtig zu beurteilen, müsste er bei mir ein Wrestling-Training machen, so zwei Stunden. Dann könnte ich ihn richtig austesten: Talent, Umsetzungsvermögen, seine Aufnahmefähigkeit, Körperkontrolle, Gleichgewichtssinn, Schmerzempfinden, ob er hart im Nehmen ist? Wie ich ihn bis jetzt einschätze, hat er gute Voraussetzungen. Aber Wiese ist nicht mehr der Jüngste, er wird ja jetzt 33. Es gibt viele, die auch erst in diesem Alter angefangen haben. Doch die Frage ist: Auf was für einem Stand ist sein Körper nach vielen Jahren Leistungssport im Profi-Fussball?

SPORT1: Wiese hatte hin und wieder Muskelverletzungen. Könnte das zum Problem werden?

Wright: Es ist wichtig, wie er mit Verletzungen umgehen kann. Ich hatte auch viele Verletzungen und habe trotzdem weitergemacht. Im Wrestling ist es ja so, dass du, wenn du verletzt bist, von der Show genommen wirst und ein Ersatz geholt wird. Und wenn du zu lange verletzt bist, verlierst du deinen Platz. Daran hängt Geld und deswegen versuchst du, so lange wie möglich auch mit Verletzungen zu wrestlen.

SPORT1: Gibt es spezielle Wrestler-Verletzungen?

Wright: Knie, Rücken, Halswirbelsäule, Ellbogen, alles wird in Mitleidenschaft gezogen. Kommt darauf an, wie viele Kämpfe man im Jahr macht.

SPORT1: Und wie viele sind das?

Wright: Bei der WCW, die zu meiner Zeit noch Markführer vor der WWE war? da hatte ich 350 Tourtage im Jahr, teilweise bis zu sieben Kämpfe am Tag.

SPORT1: Die Wrestling-Legende Hulk Hogan hat der "Bild" gesagt, dass Wiese für das Wrestling alles zurücklassen müsste - auch seine Frau. Das können Sie also bestätigen?

Wright: Wrestling ist Lifestyle. Es ist ein ganz knallharter Profisport, genauso wie Fußball. Du bist unheimlich viel auf Tour und musst mental und körperlich gut haushalten.

SPORT1: Wie geht es jetzt weiter mit Tim Wiese?

Wright: Soweit ich weiß, hat Wiese noch keine Wrestling-Ausbildung. Ich stehe gerne zur Verfügung. (lacht) Er braucht unbedingt eine Wrestling-Ausbildung. Wenn er den Vertrag der WWE annimmt, müsste er auch nach Orlando in die USA ziehen. Dort beim Training müsste er sich erst Respekt verschaffen und die sportlichen Dinge wie Griffe lernen, sieben Tage die Woche, von morgens bis abends. Je nachdem, wie talentiert er ist, dauert das Ganze ab einem Jahr aufwärts. Wenn er dann wirklich die Chance hat, an einer Show teilzunehmen, muss er Erfahrung sammeln. Wie er sich vor dem Publikum präsentiert, wird auch entscheidend sein. In der Folge wird er regelmäßig eingesetzt. Dann stehen die Tourtage an, da fliegst du von Japan nach Los Angeles, von Los Angeles nach Deutschland, von da nach Indien und wieder nach L. A. Am Ende weißt du gar nicht mehr, wo du bist. Es wird ein sehr langer Weg. Ein Trainings-Vertrag bedeutet eigentlich noch gar nichts. Es kommt auf Tim´s Entwicklung an.

SPORT1: Sie selbst galten als Wunderkind im Wrestling, weil sie schon mit 16 Jahren Profi wurden und damit der jüngste in Europa waren. Nach Ihrer WCW Zeit, hätten Sie auch zur WWE gehen können, haben aber abgelehnt. Lag das am angesprochenen Stress?

Wright: Dieser hohe Tourstress fordert dich total. Ich war verheiratet und wollte auch Nachwuchs haben. Ich war an einem Punkt, an dem ich gesagt habe: 'Ich bin total ausgebrannt, ich muss zurück zu meinen Wurzeln'. Also bin ich nach Deutschland gezogen. Ich stamme aus einer Wrestling-Familie. Mein Großvater und mein Vater haben das auch gemacht. Ich wollte immer 100 Prozent geben, wenn ich in den Ring steige. Und wenn ich das nicht kann, muss ich ablehnen. Egal, wie lukrativ das Angebot ist.

SPORT1: Wenn Tim Wiese tatsächlich anfängt zu wrestlen ? nimmt er dann nicht jungen Talenten den Platz weg?

Wright: Zu mir kommen unheimlich viele Menschen aus ganz Europa, um von der Pike auf Wrestling zu lernen. Viele ziehen sogar in die Nähe meiner Wrestlingschule "The Wright Stuff". Da sind viele Talente dabei, die sich durch Ihre Wrestling-Ausbildung bei mir ein großes Repertoire erworben haben, die viel geopfert haben. Und dann ist es schade, wenn einer nur aufgrund von PR genommen wird. Aber es ist verständlich.

SPORT1: Wäre es gut für das deutsche Wrestling, wenn Tim Wiese einsteigen würde?

Wright: Ich kann mich bei Tim Wiese nur bedanken. Wrestling ist wieder voll in den Medien.

SPORT1: Wir haben bei SPORT1 eine Umfrage gemacht, was Tim Wieses Kampfname sein sollte. Gewonnen hat "The Holy Goalie" vor "The Underkeeper" und "The Eraser from the Weser". Was gefällt Ihnen am besten?

Wright: "The Holy Goalie". Aber wenn ihn das WWE-Management in einem anderen Licht sieht, dann wird er sich mit einem anderen Namen anfreunden müssen.

SPORT1: Was sollte Tim Wiese als Nächstes machen?

Wright: Zu mir kommen. (lacht) Im Ernst: Ich würde mich wirklich freuen, ihn zu trainieren. Wiese darf den Beruf auf keinen Fall unterschätzen. Es ist eine sehr große Umstellung zum Fußball. Ich habe viele Quereinsteiger, die nach zwei Minuten einfach platt sind. Meine Jungs machen beispielsweise zum sogenannten "Warmup", um den eisernen Willen zu schulen, 1.000 Liegestützen, 1.000 Kniebeugen, 1.000 Crunches. Und ganz wichtig: Er muss viele Griffe und Würfe drauf haben. Entertainment wird ihm leicht fallen, das habe ich schon gemerkt.

SPORT1: Würden Sie sich aktuell trauen, mit Tim Wiese in den Ring steigen?

Wright: Ja, ich habe damit keinen Stress. Der Kampf wäre wahrscheinlich eh sehr kurz. (lacht)

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