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Lothar Matthäus spielte in seiner Karriere für Borussia Mönchengladbach, Bayern München, Inter Mailand und New York Metrostars
Lothar Matthäus spielte in seiner Karriere für Borussia Mönchengladbach, Bayern München, Inter Mailand und New York Metrostars © getty

München - Lionel Messi? Cristiano Ronaldo? Manuel Neuer? Wer wird Weltfußballer? Lothar Matthäus nennt bei SPORT1 seinen Favoriten.

Lothar Matthäus ist aktuell immer noch deutscher Weltfußballer, wenn man so will.

Der 53-Jährige gewann 1991 den Titel vor Jean-Pierre Papin und Gary Lineker - und ist damit der bis dato letzte Deutsche, der diesen Titel gewann.

Wird Nationaltorwart Manuel Neuer nun sein Nachfolger aus deutscher Sicht? Der Keeper des FC Bayern steht mit Cristiano Ronaldo und Lionel Messi am Montag in Zürich auf dem Treppchen (alles zur Wahl des Weltfußballers ab 11.30 Uhr im LIVE-TICKER).

Neuers Problem: seine Position. Torhüter hatten es in der Vergangenheit generell schwerer. So konnte sich noch nie ein Schlussmann als weltbester Spieler bezeichnen.

2002 wurde der frühere Bayern-Keeper Oliver Kahn Zweiter, mehr sprang für einen Keeper bislang nicht heraus.

Im SPORT1-Interview spricht Matthäus über Neuer, Ronaldo, Messi - und rügt erneut Lukas Podolski.

SPORT1: Herr Matthäus, die Wahl des Weltfußballers steht an. Wer ist Ihr Favorit?

Lothar Matthäus: Ich würde mich für Manuel Neuer freuen, wenn er diesen Titel bekommt. Er hätte ihn verdient aufgrund dessen, wie er das Torwartspiel modernisiert und geprägt hat. Es ist für eine Mannschaft etwas ganz Besonderes, mit einem Torwart zusammenzuspielen, auf den man sich nicht nur auf der Linie verlassen kann, sondern der auch noch mitspielt. Manuel hat ein gutes Auge, eine tolle Wahrnehmung. Wenn man Modernisierung im Fußball in diese Wahl mit einbezieht, dann hat Manuel ganz sicher große Chancen, zu gewinnen.

SPORT1: Was könnte ein Nachteil sein für Neuer?

Matthäus: Er ist kein Stürmer. Es war immer gang und gäbe, dass derjenige, die die meisten Tore geschossen und tolle Leistungen gebracht hat, Weltfußballer wurde. Ich erinnere mich aber an 2006, als Fabio Cannavaro mit Italien Weltmeister wurde - und das als zentraler Abwehrspieler, der auch nicht unbedingt torgefährlich war. Von daher könnte der Weltmeistertitel Manuel Neuer helfen, ganz oben auf dem Treppchen zu stehen.

SPORT1: Wären Sie bei einem Sieg Neuers etwas traurig, nicht mehr der einzige Weltfußballer aus Deutschland zu sein?

Matthäus: Überhaupt nicht. Ich wünsche es in jedem Jahr einem deutschen Spieler, wenn er es verdient hat, und Manuel hätte es verdient. Er hat das Torwartspiel neu erfunden und war deshalb auch erfolgreich mit der deutschen Mannschaft und mit dem FC Bayern. Ich bin zudem der Meinung, dass in einem Fußballjahr wie 2014 auch ein Spieler des Weltmeisters Weltfußballer werden sollte.

SPORT1: Wie sehen Sie Cristiano Ronaldo?

Matthäus: Mit ihm hat Neuer starke Konkurrenz. Ronaldo war mit Real Madrid im vergangenen Jahr noch etwas präsenter. Er gewann mit seinem Klub die Champions League, stellte mit 17 geschossenen Toren einen neuen Rekord in der Königsklasse auf und traf jede Woche in der Meisterschaft.

SPORT1: Aber Ronaldo hat keine so starke WM gespielt wie Neuer.

Matthäus: Das stimmt natürlich, aber er hat Portugal im Entscheidungsspiel gegen Schweden alleine zum Turnier geschossen. Das sind schon auch Zahlen, die für Ronaldo sprechen könnten. 70 bis 80 Pflichtspiel-Tore, das ist eine Zahl, die ihresgleichen sucht. Meiner Meinung nach wird es eine knappe Entscheidung zwischen Cristiano Ronaldo und Manuel Neuer geben.

SPORT1: Was ist mit Lionel Messi?

Matthäus: Messi spielt für mich bei dieser Wahl keine große Rolle. Alles andere als ein dritter Platz wäre für mich eine große Überraschung. Ich meine das jetzt nicht böse, aber eigentlich hat er da nichts zu suchen. Messi hatte kein gutes Jahr, also kein Jahr, wie man es von ihm gewohnt war. Mit Arjen Robben hätte es ein Spieler mehr verdient gehabt, bei dieser Wahl unter die letzten Drei zu kommen.

SPORT1: Könnte es ein Nachteil für Neuer sein, dass Ronaldo mehr Glamour versprüht?

Matthäus: Ich glaube, dass wir alle Ronaldo etwas Unrecht tun. Er ist aus eigenen Erfahrungen und von Erzählungen der Kollegen ein Top-Profi. Man braucht nur Toni Kroos zu fragen oder die Kollegen bei Real Madrid. Er macht alles für den Erfolg, schiebt Zusatzschichten und achtet auf all das, was dazu beiträgt, erfolgreich Fußball zu spielen. So, wie er sich oft zeigt, das machen andere Spieler auch. Da ist auch viel Neid dabei.

SPORT1: Sie scheinen ein Ronaldo-Fan zu sein.

Matthäus: Ich habe ihn persönlich kennengelernt. Wenn einer gut aussieht, häufig trifft und einen Ferrari fährt, dann ist das doch okay. Wir haben in der Bundesliga einige Spieler, die einen Ferrari fahren. Auch in Deutschland achten Spieler auf ihr Äußeres. Ich bin nicht auf der Seite von Ronaldos Kritikern. Er ist ein exzellenter Spieler und hat uns genauso wie Messi in der Vergangenheit mit seinen tollen Toren, den wunderbaren Dribblings und dem gesamten Auftreten sehr viel Freude gemacht. Ronaldo hat ein starkes Jahr hinter sich. Dennoch würde ich nicht für Ronaldo stimmen, weil die WM einfach dazu beitragen sollte, dass einer Weltfußballer wird, der das bedeutendste Turnier gewonnen hat.

SPORT1: Anderes Thema: Ihr Ex-Klub Inter Mailand hat Lukas Podolski und Xherdan Shaqiri geholt. Ist es das große Aufrüsten bei der Nerazzurri?

Matthäus: Nicht, dass ich jetzt wieder etwas Falsches sage, aber ein großes Aufrüsten mit zwei Ersatzspielern von Arsenal und Bayern sieht in meinen Augen anders aus. Aber man verspricht sich bei Inter mit diesen zwei qualitativ guten Spielern wieder etwas bessere Zeiten also die vergangenen zwei Jahre, als Inter im grauen Mittelfeld festhing. Das will kein Inter-Fan sehen. Das wollen auch die Verantwortlichen nicht sehen. Deshalb hat man mit Roberto Mancini einen Trainer geholt, der auf große Zeiten in Italien zurückblicken kann.

SPORT1: Der Klub steht wieder besser da als in der Vergangenheit, oder?

Matthäus: Wirtschaftlich geht es Inter nicht mehr so dreckig wie unter dem Präsidenten Massimo Moratti. Deshalb versucht man Transfers zu tätigen, die im Rahmen des Möglichen sind. Man weiß auch, dass die Summe für Shaqiri nicht sofort bezahlt werden kann. Und Podolski und Shaqiri müssten hungrig sein, weil sie in den letzten Monaten ihre Ziele nicht erreicht haben, nämlich Stammspieler zu sein. Das kann jetzt Ansporn genug sein, die Chance zu nutzen, die Inter ihnen bietet.

SPORT1: Früher war Inter Mailand das Aushängeschild in der Serie A. Damals gingen Spieler dorthin, um sich weiter zu verbessern, heute ist es ein Neustart für zwei Frustrierte.

Matthäus: Inter hat nach wie vor einen Top-Namen. Die Liga ist aber nicht mehr so stark wie vor 25 Jahren zu meiner Zeit. Damals war die Serie A die Liga schlechthin, aber der Italiener ist nach wie vor fußballverrückt. Ich weiß, wie groß die Begeisterung sein kann. Die Hoffnung ist groß, dass Podolski und Shaqiri ihren Teil dazu beitragen, dass es wieder bessere Zeiten gibt.

SPORT1: Glauben Sie wirklich, dass beide echte Verstärkungen sein können?

Matthäus: Shaqiri ist noch sehr jung, Podolski ist in einem sehr guten Fußballalter. Sie müssten gierig genug sein, um ihren Ex-Klubs zu zeigen, dass es ein Fehler war, sie gehen zu lassen. Beide haben ihre Qualität. Und so, wie Inter in den vergangenen eineinhalb Jahren gespielt hat, sind sie eine Verstärkung.

SPORT1: Hat sich Ihr Ärger über Lukas Podolski etwas gelegt?

Matthäus: Für mich gibt es da keinen Ärger. Podolski hat von mir nicht das ganze Interview gehört, sondern nur den Part mit dem Twittern. Poldi sollte sich endlich mal an die eigene Nase packen und fragen, warum es für ihn bei ganz großen Klubs nicht geklappt hat - bei Bayern und auch bei Arsenal. Das muss ja irgendwelche Gründe haben, es kann nicht immer nur der Trainer schuld sein. Das zeigt er jetzt wieder, indem er gegen Arsene Wenger nachtritt. Das macht man nicht. Seine erneute Reaktion bei Twitter war eine reine Trotz-Reaktion.

SPORT1: Freunde werden Sie wohl nicht mehr, oder?

Matthäus: Ich habe nichts gegen Podolski, aber wenn er sich auskennen würde mit meiner Karriere, dann wüsste er, dass ich als Trainer häufiger Meister geworden bin als er als Spieler. Das sagt einiges aus. Ich würde mich an seiner Stelle auf das Wesentliche konzentrieren. Das wird er jetzt hoffentlich machen, weil er es einigen Leuten zeigen will. Er will ja auch in der Nationalmannschaft wieder besser dastehen, denn die Konkurrenz auf seiner Position ist auch dort sehr groß.

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