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Roberto Di Matteo gewann mit Chelsea 2012 die Champions League
Roberto Di Matteo gewann mit dem FC Chelsea 2012 die Champions League © getty

Gelsenkirchen - Roberto Di Matteo wollte in der Vorbereitung endlich mal vernünftig arbeiten. Stattdessen muss er wieder mal improvisieren.

Eigentlich waren die Pläne auf Schalke relativ simpel. Eigentlich.

Irgendwie durchwurschteln wollten sie sich bis zur Winterpause, vor allem aufgrund der vielen Verletzten und der konditionellen Mängel. Um sich dann im Trainingslager neu zu sortieren. Endlich mal wieder vernünftig arbeiten. Abläufe einstudieren. An der Kondition arbeiten und im taktischen Bereich feilen. So weit die Theorie.

Doch wie das eben manchmal mit Plänen in der Praxis so ist, gingen die Überlegungen nicht so auf wie gewünscht. Denn oft ist simpel noch lange nicht gleichbedeutend mit einfach.

Lange Verletztenliste

Nach der fast vierwöchigen Vorbereitung sind einige der Schalker Probleme geblieben. An oberster Stelle: die Verletztenliste. Unter dem Strich sind nur zwei Spieler aus dem illustren Kreis der Angeschlagenen zurückgekehrt: Kevin-Prince Boateng und Joel Matip, der allerdings genauso wie Atsuto Uchida das Trainingslager verpasste. Dafür stehen aber auch zwei neue Namen drauf, Torhüter Ralf Fährmann (Kreuzbandzerrung) und Dennis Aogo (Muskelfaserriss).

"Mit unseren vielen Verletzten hatten wir in der Hinrunde eben schon ein paar Probleme, und auch in der Rückrunde wissen wir nicht genau, wer wann wieder eingreifen kann. Das macht die Sache nicht einfach", hatte Sportvorstand Horst Heldt zuletzt im SPORT1-Interview erklärt.

Alle Infos zum Rückrundenstart in der Talksendung „Bundesliga aktuell Spezial“ am Donnerstag ab 19.30 Uhr auf SPORT1.  Neben SPORT1-Experte Peter Neururer sind auch TV-Kommentator Hansi Küpper und Julien Wolff von der Zeitung Die Welt im Studio.

Denn das Ziel bleibt ja die Champions-League-Qualifikation. Und trotz aller Widrigkeiten in der bisweilen turbulenten Hinserie ist Schalke als Fünfter auf Kurs.

Doch im Umkehrschluss bedeutet die Personal-Misere: Trainer Roberto Di Matteo kann nach seinem Amtsantritt vor mehr als drei Monaten immer noch nicht mit der kompletten Gruppe trainieren, muss stattdessen weiter improvisieren - und das auf zahlreichen Positionen. Auch zum Rückrundenstart am Samstag (ab 15 Uhr im LIVETICKER und auf SPORT1.fm) gegen Hannover 96.

Keine Ausreden

"Da ist es natürlich nicht ganz einfach, an der Feinabstimmung zu feilen. Aber das werden wir nicht als Ausrede gelten lassen, das haben wir auch im vergangenen Jahr nicht gemacht, als viele Spieler verletzt pausieren mussten", sagte Kapitän Benedikt Höwedes.

Verzichten muss Di Matteo weiterhin auf Leon Goretzka (Aufbautraining), Julian Draxler, Jefferson Farfan, Sead Kolasinac und Chinedu Obasi (alle Reha beziehungsweise Aufbauprogramm). Auch Eric Maxim Choupo-Moting (Afrika-Cup) verpasste die Vorbereitung.

Allerdings schied der Angreifer am Mittwoch mit Kamerun überraschend schon in der Vorrunde aus. Für Di Matteo sind das in der Tat gute Nachrichten. Denn so wird das Herzstück des flexiblen und erfolgreichen 3-5-2-Systems aus den letzten Spielen der Hinrunde möglicherweise gar nicht erst gesprengt. Choupo-Moting (sechs Tore) und Klaas-Jan Huntelaar (drei) hatten Königsblau aus der Krise und in Richtung Europapokal-Ränge geballert.

Choupo-Moting könnte also schon gegen Hannover zum Einsatz kommen, er wird am Freitag in Gelsenkirchen zurückerwartet. Sein Vorteil: Aufgrund des Afrika-Cups steht er voll im Saft.

Boateng neben Huntelaar?

Sollte es für ihn nicht reichen, würde Boateng in die Rolle des Huntelaar-Sturmpartners schlüpfen. Eine Lösung, die mit dem in der Hinrunde oft angeschlagenen und zudem formschwachen Boateng in der Vorbereitung bislang nur mäßig funktionierte.

Auch wenn sich das Schalker Sorgenkind im Trainingslager ordentlich reinhängte - die Testspiele in der Vorbereitung sorgten ein wenig für Kopfzerbrechen. Ein Unentschieden gegen Al-Merrik (Sudan, 2:2) sowie Niederlagen gegen Ajax Amsterdam (0:2) und zuletzt bei Rapid Wien (1:2) waren die magere Ausbeute.

Aufschluss über den Ist-Zustand

Natürlich geben Testspiele selten einen exakten Aufschluss über den Ist-Zustand, sind aber doch in gewissem Maße Gradmesser und Fingerzeig. Abstimmungsprobleme waren dann auch nicht zu übersehen, oftmals passte die Organisation nicht so wie gewohnt.

Matija Nastasic FC Schalke
Matija Nastasic hat beim FC Schalke einen Leih-Vertrag bis Sommer 2015 unterschrieben © Getty Images

So auch bei Zugang Matija Nastasic, Di Matteos Wunschkandidat. Auch aufgrund des derzeitigen Personalnotstands wird der 21-Jährige wohl von Beginn an in der Dreierkette auflaufen, soll für Stabilisation in der Defensive und Impulse beim Spielaufbau sorgen.

Auch wenn er zuletzt ein halbes Jahr ohne jegliche Spielpraxis blieb. Im Tor ersetzt Fabian Giefer den verletzten Fährmann. Auch Giefer, in der Hinrunde lange ausgefallen, hat noch kein Pflichtspiel für die Schalker absolviert.

"Noch Luft nach oben"

"Die Jungs haben gesehen, dass da noch Luft nach oben ist. Jeder Spieler kann und muss eine Schippe drauflegen. Der Trainer wird seine Eindrücke mitnehmen", sagte Heldt. Und nahm damit die Mannschaft (mal wieder) in die Pflicht.

"Die 90 Minuten in Wien haben uns gezeigt, wo es noch mangelt, wo wir uns noch steigern müssen", sagte Höwedes: "Wir werden unsere Schlüsse aus dem Spiel ziehen und gezielt daran arbeiten, die Schwächen noch abzustellen."

Dafür bleibt Roberto Di Matteo allerdings nur noch wenig Zeit, ehe es wieder um Punkte geht. "Wir müssen die Mentalität finden", forderte Di Matteo.

Auf Schalke weiß man ja inzwischen, wie das manchmal so mit Plänen ist.

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