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Das IFAB entscheidet über die Dreifachbestrafung
Wenn es um Regeln geht, nicht alleinige Herren im Hause: Die FIFA um Präsident Sepp Blatter (r.) © SPORT1/Getty Images

München - Die Dreifachbestrafung bei Notbremsen fällt wohl weg, der vierte Wechsel in Verlängerungen könnte kommen. Entscheidend ist ein Gremium, älter und in Regelfragen mächtiger als die FIFA.

Elfmeter und Rot, Elfmeter und nichts.

Seit Jahren ärgern sich viele Beteiligte über die Dreifachbestrafung für notbremsende Verteidiger - jetzt wird diese nicht einmal mehr einheitlich verhängt.

Das vergangene Wochenende lieferte gut getimete Beispiele für die am Samstag wohl anstehende Regeländerung: In Paderborn flog Florian Hartherz nach einem Foul gegen Bayerns Arjen Robben mit Rot vom Platz; Dortmunds Nuri Sahin nahm dem Stuttgarter Georg Niedermeier zwar auch eine klare Torchance, sah aber nicht einmal Gelb.

Regel 12 steht im Zentrum, wenn sich das International Football Association Board (IFAB) im nordirischen Craigavad trifft und über die Zukunft des Spiels entscheidet.

Was genau ist bei diesem Termin zu erwarten? SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen:

  • Was ist das IFAB?

Das für Regeländerungen zuständige Gremium der FIFA. Einmal im Jahr treffen sich die Regelhüter und können für die ganze Fußballwelt Verbindliches beschließen.

  • Wer sitzt im IFAB?

Die Verbände aus England, Schottland, Wales und Nordirland sowie die FIFA. Das Vereinigte Königreich hat sichergestellt, dass der Weltverband nichts über seinen Kopf hinweg am "eigenen" Spiel ändern kann.

HRH The Duke of Cambridge, President of The FA, to Unveil 'Christmas Truce' Football Monument
Greg Dyke ist seit 2013 Präsident der englischen FA © Getty Images

Erst mit dieser Zusage waren die vier mit Abstand ältesten Fußballverbände der Welt überhaupt bereit, die FIFA anzuerkennen und dieser beizutreten. Das IFAB ist nämlich 18 Jahre älter als die FIFA.

  • Worüber wird diesmal abgestimmt?

Wichtigster Abstimmungspunkt der Tagesordnung ist ein Antrag der UEFA, eingereicht von der FIFA: In Zukunft soll es bei einer Notbremse im Strafraum keine Dreifachbestrafung aus Elfmeter, Roter Karte und Sperre geben. Nach dem Willen der Europäer soll in diesem Fall eine Gelbe Karte reichen, wird die klare Torchance durch den Elfmeter doch wiederhergestellt. "Die Dreifach-Bestrafung ist besonders krass, wenn es den Torhüter trifft, der oft letzter Mann ist", sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.

Das Deckblatt der anstehenden IFAB-Sitzung
Das Deckblatt der anstehenden IFAB-Sitzung © FIFA.com

Der Antrag hat gute Chancen, schon im vergangenen Jahr berieten die Mitglieder des IFAB darüber. Die FIFA dürfte kaum gegen ihren eigenen Antrag stimmen und die Briten sollten in der Mehrheit auch auf der Linie der UEFA liegen.

Zweite große Entscheidung: Geht ein Spiel in die Verlängerung, soll jede Mannschaft ein viertes Mal wechseln dürfen. Auch dieser Vorschlag kommt von der FIFA ins IFAB, getragen von einer breiten Mehrheit der Kontinentalverbände. Hier ist noch nicht klar, wie sich die Briten positionieren - angesichts des sonstigen Konsenses ist es aber unwahrscheinlich, dass sie sich sperren.

Nur beraten wird über den Video-Schiedsrichter. Der niederländische Verband stellte den Kollegen aus England am Mittwoch sein Konzept vor und will die Erlaubnis für einen Testlauf im eigenen Pokalwettbewerb. Englands Verbandspräsident Greg Dyke ist ein großer Fan des Plans und wird ihn auf jeden Fall unterstützen. Auch Australien würde das System gerne testen. FIFA-Präsident Sepp Blatter hatte sich lange gewehrt, ist jetzt aber auch prinzipiell dafür. Es geht also um die Details der Umsetzung, bevor das Thema im kommenden Jahr zur Abstimmung kommen kann.

  • Wie funktioniert die Abstimmung?

Entscheidend für Regeländerungen ist die Generalversammlung des IFAB, jeweils im Februar oder März jedes Jahres. Bis zum 1. Dezember kann laut Satzung "jedes Mitglied des IFAB (…) Anregungen oder Vorschläge zu Änderungen der Fußball-Spielregeln einbringen". Sprich: Neben den vier Briten gilt die FIFA als ein Mitglied, kann also auch nur einzeln Änderungen vorschlagen.

Dass ein einzelner Verband außerhalb der britischen Inseln - wie etwa der DFB - es mit einem Vorschlag auch nur zur Abstimmung schafft, ist also so gut wie ausgeschlossen. Bei der Abstimmung über die Anträge haben die vier Briten dann jeweils eine Stimme, die FIFA vier. Damit eine Änderung durchkommt, sind sechs der insgesamt acht Stimmen nötig. Die FIFA, meist direkt vertreten von Präsident Sepp Blatter oder Generalsekretär Jerome Valcke, gibt ihre vier Stimmen immer en bloc ab.

Auch der Weltverband kann also jederzeit Änderungen verhindern. England, Schottland, Wales und Nordirland sind durch ihre Verbandspräsidenten beziehungsweise Vorsitzenden vertreten.

  • Ab wann gelten die Entscheidungen des IFAB?

In der Regel ab dem auf eine Generalversammlung folgenden 1. Juli. In manchen Ländern läuft dann die Fußballsaison noch, sie können beantragen, dass die Änderungen erst zur neuen Spielzeit greifen.

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