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Jerome Boateng Attends DFB Sports Trial
Die Sperre von Bayerns Jerome Boateng sorgt für viel Verwirrung © Getty Images

München - Die Sperre von Bayerns Innenverteidiger Jerome Boateng schlägt noch immer hohe Wellen. Es entsteht eine Debatte, die die FIFA Ende Februar selbst beenden kann.

Es war vor allem die Unwissenheit vieler, die für eine solche Aufregung sorgte. Eine längere Sperre für einen Rotsünder nach einer Notbremse, wenn der Gegner den folgenden Strafstoß verschießt? Ein schlechter Scherz? Nein.

Geschehen in der Partie zwischen Schalke und Bayern (1:1), dessen Nachspiel vor dem DFB-Sportgericht deutlich lebendiger war als das Spiel selbst. Protagonist war Bayerns Innenverteidiger Jerome Boateng, der nach seiner Notbremse erst für drei, später für zwei Spiele gesperrt wurde. Begründung: Sein Mitspieler, Torwart Manuel Neuer, habe den Elfmeter ja gehalten. Der Nachteil auf Seiten des FC Bayern sei dadurch geringer gewesen, deshalb die längere Strafe von zwei Spielen statt der Ein-Spiel-Sperre. Diese wird sonst bei Notbremsen verhängt, sofern es sich nicht um ein brutales Foulspiel, sondern nur um die Vereitelung einer Torchance handelt.

"Den Ball einfach reinlassen"

Diese Urteilsverkündung des Vorsitzenden des DFB-Sportgerichts, Hans E. Lorenz, sorgte nicht nur für mächtig Wirbel, sondern in der Folge zu einer Grundsatzdiskussion. "Bei einer deutlichen Führung oder einem klaren Rückstand würde es dann Sinn machen, den Ball einfach reinzulassen", sagte Gladbachs Torwart Yann Sommer in der Bild.

Soweit richtig. Und skurril. Allerdings meinte Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer zuvor – durchaus nachvollziehbar: "Wenn Manuel den Ball reingelassen hätte, würden wir jetzt wegen des Verdachts der Wettmanipulation hier sitzen."

FIFA stimmt über Änderung ab

Keine Frage: Dieses ungeschriebene Gesetz, das im Regelwerk des DFB gar nicht verankert ist, schlägt hohe Wellen. Hoch genug, dass sich der Weltverband FIFA der Thematik schon bald annehmen wird. Am 28. Februar findet die Versammlung des "International Football Association Board" (IFAB) in der Nähe von Belfast (Nordirland) statt. Dieses Gremium, bestehend aus vier FIFA-Mitgliedern und jeweils einem Vertreter der Verbände aus England, Nordirland, Schottland und Wales, stimmt jährlich über mögliche Regeländerungen im Fußball ab.

Dieses Mal steht die Regel 12 auf der Tagesordnung, genauer der Unterpunkt: "Vereiteln einer offensichtlichen Torchance für einen auf sein Tor zulaufenden Gegenspieler durch ein Vergehen, das mit Freistoß oder Strafstoß zu ahnden ist." So soll es vor allem über die sogenannte Dreifachbestrafung (Platzverweis, Elfmeter, Sperre) diskutiert werden. Gut möglich, dass diese nach dem Antrag der UEFA abgemildert werden wird.

Nach dem Wirrwarr im Fall Boateng wird gerade jedoch über diesen Fall diskutiert werden. "Die Länge einer Sperre sollte nicht davon abhängig sein, wie gut der eigene Torwart ist", meint der Münchner Sportrechtler Christian Keidel.

Änderungen sind bindend

Er geht davon aus, dass die FIFA in der Hinsicht nachbessern wird – und die Sperre zukünftig unabhängig vom Spielgeschehen festlegen wird. "Normalerweise wirken solche Regeländerungen dann sofort. Die Nationalverbände sind ja verpflichtet, solche Änderungen einzuhalten."

Die Bundesliga hätte in diesem Fall sicherlich nichts dagegen.

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