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Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger (l.) und der aktuelle Boss Wolfgang Niersbach
Theo Zwanziger (l.) war von 2004 bis 2012 Präsident des DFB. Ihm folgte Wolfgang Niersbach. © Getty Images

Der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger reicht den Vertrag seines Nachfolgers Wolfgang Niersbach bei der FIFA zur Untersuchung ein. Hintergrund ist ein Streit aus dem Jahr 2012.

Der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger hat beim Weltverband laut eigener Aussage eine Untersuchung gegen seinen Nachfolger Wolfgang Niersbach und den Deutschen Fußball-Bund (DFB) angeregt.

"Ich habe der FIFA-Ethikkommission Unterlagen vorgelegt und um Prüfung gebeten", sagte der 69-Jährige in einem Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Zu den Dokumenten gehöre demnach auch die Rentenvereinbarung des DFB mit Niersbach.

Dabei gehe es um die Frage, ob die Vergütungsregelung für den ehrenamtlichen DFB-Chef, die beim Wechsel von Zwanziger zu Niersbach im Jahr 2012 getroffen wurde, möglicherweise unzulässig sei.

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach lässt sich mit der "Blatter-Frage" Zeit
Wolfgang Niersbach ist seit 2012 DFB-Präsident © getty

Hintergrund für Zwanzigers Vorgehen ist ein heftiger Streit im vergangenen Jahr, als kritische Äußerungen Zwanzigers vom Verband als "falsch und rufschädigend" bezeichnet wurden. Letztlich forderte das DFB-Präsidium Zwanziger zum Rücktritt aus dem Exekutiv-Komitee der FIFA auf.

"Ich will einfach wissen, ob die Vorwürfe mir gegenüber berechtigt sind. Es soll geklärt werden, wer seine Pflichten verletzt hat und wie mein Verhalten und das Verhalten des DFB zu sehen ist. Ganz neutral also", sagte Zwanziger.

Der DFB reagierte wie im vergangenen Jahr mit Unverstädnis auf Zwanzigers Vorstoß.

"Unser gesamtes Präsidium hat bereits bei der WM sehr deutlich herausgestellt, dass alles absolut einwandfrei abgewickelt wurde. Die Altersversorgung ist gutachterlich geprüft und mit den Vorgaben des gemeinnützigen Verbandes vereinbar", teilte DFB-Mediendirektor Ralf Köttker mit: "Dieses Thema trotzdem immer wieder in die Öffentlichkeit zu tragen, ist nur noch lächerlich."

Zudem bezeichnete Zwanziger die Kritik am umstrittenen FIFA-Präsidenten Joseph S. Blatter vor allem von Seiten der Europäischen Fußball-Union UEFA als unzureichend.

"Es reicht halt nicht, einfach zu sagen: 'Blatter, nein danke!' Und inhaltlich muss man, wenn man glaubwürdig gegen Korruptionsvorwürfe bei der FIFA vorgehen will, dann auch einräumen, dass man selbst an den kritisierten Entscheidungen maßgeblich beteiligt war und ist. Die Europäer sind schließlich mit acht Sitzen voll in der FIFA-Spitze integriert", sagte Zwanziger.

Derweil ist ein Boykott der WM 2018 in Russland für Zwanziger weiterhin ein Mittel, über das der Sport mit Blick auf den Ukraine-Konflikt nachdenken sollte.

"Im Grunde halte ich nichts von Boykotten. Aber es haben nun mal Verletzungen des Völkerrechts stattgefunden, und wenn die kriegerische Krise sich noch verstärkt, dann müssen sich die Sportführer mit den Politikern zusammensetzen", sagte er.

Wenn man glaube, dass Wladimir Putin über den Sport zum Einlenken zu bewegen sei, dann müssten Politiker aus Europa und den Vereinigten Staaten auf Blatter und IOC-Präsident Thomas Bach zugehen.

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