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Ehemaliger DFB-Präsident Theo Zwanziger
Theo Zwanziger ist Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees © Getty Images

Frankfurt am Main - Theo Zwanziger gegen alle: Der frühere DFB-Präsident teilt gegen Wolfgang Niersbach, den DFB und die UEFA aus. Die Retourkutsche lässt nicht lange auf sich warten.

Theo Zwanziger gegen alle: Mit einem verbalen Rundumschlag gegen seinen Nachfolger Wolfgang Niersbach, den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und die UEFA hat der frühere DFB-Präsident seine persönliche Abschiedstournee im Weltfußball eingeläutet.

Gut weg kommt dabei kurioserweise nur FIFA-Präsident Joseph S. Blatter - bei den Kritisierten wird deswegen mehr oder weniger müde gelächelt.

"Nur noch lächerlich", hieß es vom DFB zu Zwanzigers Bemühungen, Niersbachs Rentenvereinbarungen mit dem Verband jetzt sogar von der FIFA-Ethikkommission prüfen zu lassen: "Unser gesamtes Präsidium hat bereits bei der WM sehr deutlich herausgestellt, dass alles absolut einwandfrei abgewickelt wurde. Die Altersversorgung ist gutachterlich geprüft und mit den Vorgaben des gemeinnützigen Verbandes vereinbar."

Streit um Aufwandsentschädigung

Zwanziger sieht das anders, er hatte bereits im WM-Sommer eine viel zu hohe Aufwandsentschädigung für seinen Nachfolger angeklagt. Das DFB-Präsidium sprach anschließend von "falschen und rufschädigenden" Aussagen und forderte den 69-Jährigen geschlossen zum Rücktritt aus dem FIFA-Exekutivkomitee auf.

DFB Federal Meeting-Theo Zwanziger-Wolfsgang Niersbach
Im März 2012 bei einem Meeting des DFB sah zwischen Wolfgang Niersbach (l.) und Theo Zwanziger noch alles nach eitel Sonnenschein aus © Getty Images

Doch Zwanziger blieb, noch bis zu 29. Mai sitzt er im Exko. Dann wird Niersbach auch bei der FIFA sein Nachfolger - und Zwanziger verschwindet von der sportpolitischen Bildfläche.

"Ich will einfach wissen, ob die Vorwürfe mir gegenüber berechtigt sind. Es soll geklärt werden, wer seine Pflichten verletzt hat und wie mein Verhalten und das Verhalten des DFB zu sehen ist. Ganz neutral also", sagte Zwanziger im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Schlichtung findet nicht statt

Ein Mediations-Angebot habe der DFB verstreichen lassen: "Ich hätte die Angelegenheit lieber in einem Gespräch zu Ende gebracht." Zum Inhalt des Streits äußerte er sich nicht mehr.

Dafür nutzte Zwanziger die Öffentlichkeit, um gegen die Europäische Fußball-Union auszuteilen, die zu großen Teilen selbst für den Konflikt mit der FIFA verantwortlich sei.

"Die Welt besteht nicht nur aus Deutschland und Europa", sagte Zwanziger: "In anderen Ländern ist das Image der FIFA besser. Das Vorgehen der Europäer hat die Fronten innerhalb der FIFA verhärtet." In Europa seien "handwerkliche Fehler" gemacht worden, es gebe "keine Strategie", um FIFA-Boss Blatter abzulösen.

Gegen den Amtsinhaber würden deshalb drei Konkurrenten (Luis Figo, Michael van Praag und Prinz Ali bin Al Hussein) zur Wahl stehen, die "nur zweite Wahl sind", sagte Zwanziger: "Europa wird bei der Wahl geviertelt."

Zwanziger gegen Boykott

Die Kritik an Blatter sei ohnehin unzureichend, er selber habe "derzeit wenig an der FIFA zu mäkeln, weil schon viel verändert wurde - mit Blatters Unterstützung", sagte Zwanziger.

Es reiche "halt nicht, einfach zu sagen: 'Blatter, nein danke!' Und inhaltlich muss man, wenn man glaubwürdig gegen Korruptionsvorwürfe bei der FIFA vorgehen will, dann auch einräumen, dass man selbst an den kritisierten Entscheidungen maßgeblich beteiligt war und ist", sagte der Jurist aus Altendiez mit Blick auf die WM-Vergaben an Katar 2022 und Russland 2018: "Die Europäer sind schließlich mit acht Sitzen voll in der FIFA-Spitze integriert."

Ein Boykott der kommenden Endrunde sei wegen des Ukraine-Konflikts weiter denkbar. "Im Grunde halte ich nichts von Boykotten. Aber es haben nun mal Verletzungen des Völkerrechts stattgefunden, und wenn die kriegerische Krise sich noch verstärkt, dann müssen sich die Sportführer mit den Politikern zusammensetzen", sagte Zwanziger. Die WM 2018 könne "auch kurzfristig in einem anderen europäischen Land stattfinden".

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