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Nur noch einer fordert FIFA-Präsident Joseph S. Blatter heraus. Der jordanische Prinz Ali bin Al Hussein geht aber als krasser Außenseiter in die Wahl.

Jetzt soll der Prinz den König stürzen: Nach den Rückziehern der ersten beiden Chancenlosen im Kampf um das wichtigste Amt im Weltfußball ruhen die Hoffnungen der Gegner von FIFA-Präsident Joseph S. Blatter allein auf Ali bin Al Hussein.

Der jordanische Adlige ist halb so alt und halb so erfahren wie der Amtsinhaber - wenn er bei der Wahl des Weltverbands am 29. Mai halb so viele Stimmen bekommt wie der 79-jährige Schweizer, wäre das schon ein Achtungserfolg.

"Ich kann nichts prophezeien", sagte Prinz Ali (39) während der Abschieds-Pressekonferenz von Michael van Praag (67): "Aber wenn wir unsere Arbeit erledigen, und die Dinge korrekt und ohne Störungen und Einflüsse ablaufen, glaube ich wirklich an diese große Chance auf einen Wandel."

Der Niederländer Van Praag und der frühere Weltstar Luis Figo (42) hatten am Mittwoch offiziell erklärt, dafür nicht die richtigen Kandidaten zu sein. Es fehlten die Unterstützer.

Figos Generalabrechnung

"Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie Verbandspräsidenten zunächst FIFA-Führungspersonen mit dem Teufel verglichen - und dann, am nächsten Tag auf der Bühne, mit Jesus Christus", klagte Figo, der sich mit einer Generalabrechnung gegen das "System FIFA" zurückgezogen hatte. Selbst sicher zugesagte Stimmen sind noch lange kein Kreuzchen auf den Wahlzetteln.

Im FIFA-Kosmos, den Blatter seit 1998 regiert, zählen am Ende keine Versprechen. In Zürich benötigt der spätere Sieger mindestens 105 der Stimmen aus den 209 Mitgliedsverbänden.

"Wir haben auf der ganzen Welt gesehen, dass es den echten Wunsch nach Wandel und Fortschritt gibt", sagte Prinz Ali, der seit 2011 im FIFA-Exekutivkomitee sitzt und diesen Posten während des Kongresses definitiv räumen wird. Auch er hatte aber schon von einer "Kultur der Einschüchterung" innerhalb des Weltverbands gesprochen.

"Es geht um die Zukunft der FIFA"

Das soll ohne Blatter alles anders werden.

"Wir brauchen einen Änderung in der Führungspolitik, im Führungsstil und in der FIFA-Kultur", sagte van Praag, Präsident des niederländischen Verbandes KNVB: "Es geht nicht um den besten, sondern um den chancenreichsten Kandidaten - und das ist jetzt Prinz Ali. Mir geht es um die Zukunft der FIFA."

Großen Einfluss auf die Einigung der drei Herausforderer auf eine Allianz gegen den Amtsinhaber hatte Michel Platini (59), Präsident der Europäischen Fußball-Union (UEFA) und so etwas wie der Oppositionsführer. Der Franzose galt lange als einzig ernsthafter Herausforderer (sagte er sogar selbst). Er entschied sich im vergangenen Jahr aber gegen den Wahlkampf und zieht seitdem im Hintergrund die Fäden.

Der Prinz hat die meisten Unterstützer

"Er spielte eine große Rolle dabei, uns zusammenzubringen", sagte Prinz Ali. Ein Geheimtreffen in Genf in der vergangenen Woche brachte die Rückzüge von Figo und van Praag auf den Weg. Prinz Ali konnte wohl die meisten Unterstützer vorweisen. Der Jordanier, Bruder von Prinzessin Haya, der langjährigen Präsidentin des Weltreiterverbandes, gilt im Weltsport als bestens vernetzt und soll wenigstens auch ein paar asiatische Stimmen gegen Blatter sammeln.

Dazu kommt wohl die Mehrzahl der 53 wahlberechtigten UEFA-Verbände, die am kommenden Mittwoch und Donnerstag über ein geschlossenes Vorgehen beraten. Aber auch das ist längst nicht sicher - Blatter hat in Europa viele Freunde.

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