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Sami Khedira
Sami Khedira gewann 2014 die Champions League und den WM-Titel © Imago

München - Sami Khedira lockt für das "Spiel des Jahres" seiner Stiftung Stars wie Didier Drogba, Andrea Pirlo und Miroslav Klose an. Bei SPORT1 erklärt er sein Engagement.

Am 14. Juni veranstaltet Sami Khedira im Stuttgarter GaZi-Stadion das Spiel des Jahres zu Gunsten von Kindern und Jugendlichen. Der Weltmeister lockt für den guten Zweck Stars wie Didier Drogba, Andrea Pirlo und zahlreiche deutsche Weltmeister in seine schwäbische Heimat.

SPORT1 überträgt die Partie am Sonntag ab 16.30 Uhr LIVE im TV und im LIVESTREAM. Einige wenige Tickets sind ebenfalls noch erhältlich (Hier geht's zum Ticketshop)

Im SPORT1-Interview erklärt Khedira, warum er sich sozial engagiert, was die Ziele seiner Stiftung sind - und weshalb er in der kommenden Saison für Juventus Turin spielt.

SPORT1: Herr Khedira, am Sonntag laden Sie mit Ihrer Stiftung zum "Spiel des Jahres" ein. Warum ist Ihnen diese Aktion so wichtig?

Sami Khedira: Weil es über den Fußball hinausgeht und nicht der Wettkampf an sich im Vordergrund steht. Es geht nicht nur um Geld, sondern darum, Kindern zu helfen, die nicht die Möglichkeiten besitzen wie wir. Die ganz normale Dinge nicht ausleben können, wie beispielsweise in einem Sportverein zu sein, oder eine normale Familie zu haben. Für die Kinder und Jugendlichen ist es vielleicht sogar das Spiel des Lebens. Deshalb der Titel. Und mit der Auswahl an Spielern können wir uns guten Gewissens so nennen.

SPORT1: Was war der Auslöser dafür, Ihre eigene Stiftung zu gründen?

Khedira: Nach der Weltmeisterschaft wurde bei meinem Heimatverein das Stadion nach mir benannt. Ich wurde von 3000 Menschen empfangen und da wollte ich gerne etwas zurückgeben. Deshalb habe ich mich mit Familie und Freunden zusammengesetzt und überlegt, was man machen kann. Ich will nicht nur Geld geben. Das ist relativ einfach, aber man weiß nie, was damit angefangen wird. Außerdem ist es sehr unpersönlich. Ich wollte Kindern einen Ansporn und ein Ziel geben, ihnen einen Weg zeigen. Dass es jetzt so große Ausmaße hat, hätten wir uns vor einem guten halben Jahr nicht träumen lassen.

SPORT1: Üblicherweise sind Benefizspiele anders aufgezogen. Bei Ihnen dürfen die Jugendlichen mit den Stars auf den Platz. Sollen die auch als künftige Profis entdeckt werden?

Khedira: Unser Motto lautet: "Chancen bekommen, Chancen nutzen." Das klingt banal, aber wir wollten nicht nur Stars auf dem Feld haben. Was solche Spiele angeht, ist Deutschland schon relativ gesättigt. Wir wollen den Jugendlichen ein Zeichen geben, dass man etwas erreichen kann. Wir denken nicht, dass wir jemanden sichten, der dann in vier Jahren Bundesliga spielt. Aber wir können vermitteln, dass der Sport als Vorbild dient und nicht Parties, Frauen, Alkohol oder Drogen im Vordergrund stehen. Trainiert fleißig, seid ehrgeizig, es kann jeden Tag eine neue Chance kommen - das ist unsere Botschaft.

Sami Khedira engagiert sich für seine Stiftung © Facebook/Sami Khedira https://www.facebook.com/samikhedira1987?fref=ts

SPORT1: Dass sich einer in den Fokus von Scouts spielt, ist aber nicht ausgeschlossen.

Khedira: Wenn wir einen Spielern entdecken könnten, der das Potenzial zu mehr hat, wäre das die Optimalvorstellung. Aber so gehen wir an die Sache nicht ran. Die Jugendlichen sollen dran bleiben, Sport machen und versuchen, aus ihrem Leben etwas zu machen. Das ist besser, als auf der Straße zu verkommen, oder ihm Drogensumpf unterzugehen.

SPORT1: Die Gästeliste ist sehr prominent besetzt. Wie kommen Sie an Kollegen wie Andrea Pirlo ran?

Khedira: Viele Ex-Mitspieler und Freunde wirken mit und wollen gerne für den guten Zweck was tun und sich zur Verfügung stellen. Mit dem ein oder anderen wie Pirlo oder Didier Drogba habe ich nicht unmittelbar zusammengespielt. Da ist es dann so, dass ich Ex-Mitspieler wie Michael Essien gefragt habe, der hat Drogba kontaktiert. Bei Pirlo hat mich Alvaro Morata weiterempfohlen, dann habe ich ihn angerufen. Dadurch zeigt man nicht nur gute Leistungen auf dem Platz, sondern auch gutes Benehmen gegenüber den Kollegen.

SPORT1: Der Bundestrainer hat sich auch angekündigt. Entscheiden Sie dann über seine Aufstellung?

Khedira: Da bin ich leider raus, mit Christian Gross, Thomas Tuchel und Jürgen Sundermann haben wir gute Trainer. Der Jogi muss schon was zeigen, er bekommt keinen Weltmeister-Bonus. Ich hab mit ihm nochmal gesprochen, er hat auf jeden Fall richtig Bock, mitzukicken. Das gilt speziell für die Älteren, auch für Oliver Bierhoff, der bei der Nationalmannschaft immer gerne noch mal mitspielt, wenn im Training Not am Mann ist.

SPORT1: Das "Spiel des Jahres" soll für Sie zum versöhnlichen Abschluss einer durchwachsenen Saison werden. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Sami Khedira: Die lässt sich alleine an meinen Einsätzen und Spielminuten ablesen. Die ersten drei, vier Monate nach der WM habe ich mich unglaublich leer gefühlt. Körperlich und mental. Ich habe sechs, sieben Monate an nichts anderes gedacht als an Fußball. Danach war ich unglaublich müde. Als ich wieder auf einem guten Weg war, wurde ich durch kleinere Verletzungen zurückgeworfen und die politische Situation im Verein war schwierig. Es war klar, dass ich den Verein verlassen möchte, da ist es ein Stück weit verständlich, dass man die Spieler auf der gleichen Position bevorzugt, die noch länger Vertrag haben. Das fand ich unglaublich schade, aber deswegen habe ich relativ wenig Einsatzzeit bekommen. Obwohl ich gut trainiert habe, hatte ich keine faire Chance mehr. Deshalb war es eine unheimlich schwere Saison, aber auch eine sehr lehrreiche Zeit für mich.

SPORT1: Am Dienstag wurde Ihr Wechsel zu Juventus Turin offiziell bestätigt. Weshalb haben Sie sich für Juve entschieden?

Khedira: Bei Juve passt einfach alles zusammen. Die sportliche Perspektive ist da, der Klub hat eine tolle Mannschaft, wie man im Champions-League-Finale gesehen hat, und die Gespräche, die  ich mit dem Trainer und dem Management hatte, waren toll. Das ist ein großer, traditionsreicher Verein in einer reizvollen Umgebung mit unglaublichen Fans. Ich freue mich sehr darauf, in den nächsten Jahren dort zu spielen.

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