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Jörg Wontorra (l.) und Rudi Brückner moderierten jeweils zehn Jahre den Doppelpass © Grafik SPORT1 Paul Hänel

Der Doppelpass genießt als Fußball-Talk Kultstatus. Die ehemaligen Moderatoren Jörg Wontorra und Rudi Brückner verraten Geheimnisse aus 20 Jahren TV-Geschichte.

Sie haben den Volkswagen Doppelpass zu dem gemacht, was er heute ist: Jeweils zehn Jahre lang haben Jörg Wontorra und Rudolph Brückner Deutschlands Fußball-Talk moderiert. Im Interview blicken Sie zurück auf zwei Jahrzehnte TV-Geschichte - und plaudern das ein oder andere Geheimnis um ihre Gäste aus.

SPORT1: Herr Wontorra, gestatten Sie die Frage: Haben sie heute schon in den Spiegel geschaut?

Jörg Wontorra (lacht): Ja klar, heute Morgen. Ich dachte: Siehst zwar scheiße aus, rasieren kannst du dich trotzdem. Aber ich weiß, worauf Sie anspielen.

SPORT1: Stichwort Rudi Assauer.

Wontorra: Er hat mir mal in einer Sendung genau diese Frage gestellt. Es ging darum, ob er es noch erleben wird, dass Schalke Meister wird. Rudi war sich sehr sicher, hat aber bezweifelt, dass ich dann noch im Doppelpass sitze. Er meinte, ich sei 20 Jahre jünger als er, sähe aber 40 Jahre älter aus.

SPORT1: Hat Sie das getroffen?

Wontorra:  Ach was. Assauer war immer ein Garant für Unterhaltung. Und Unterhaltung ist das, was den Doppelpass ausmacht. Wenn das auf meine Kosten ging, habe ich das gerne hingenommen.

"Herr Brückner, hier ist ein Herr Hoeneß"

SPORT1: Wen hatten Sie denn am liebsten in Ihrer Runde sitzen, Assauer oder Hoeneß?

Wontorra: Ehrlich gesagt: Bruchhagen und Hoeneß. Mit Heribert konnte man wunderbar gegenseitige Provokationen abbauen. Wenn Uli Hoeneß da war, wusste man vorher, dass es eine besondere Sendung werden würde. Der ist immer sehr ehrlich in eine Talk-Sendung gegangen. Wenn ihm etwas nicht gepasst hat, hat er das einem direkt auf die Nase zugesagt.

SPORT1: Sie, Herr Brückner, hat er einmal wutentbrannt von zu Hause aus angerufen - mitten in der Live-Sendung.

Rudolph Brückner: Ein Highlight in der Geschichte des Doppelpass. Es ging um Daums Kokain-Affäre und Hoeneß hat sich an einigen Aussagen gestört. Er hat offenbar direkt an der Rezeption des Kempinski-Hotels angerufen. In einer Werbepause tauchte plötzlich eine Frau am Set auf und sagte: "Herr Brückner, hier ist ein Herr Hoeneß, der Sie sprechen will." Die anschließende Schimpftirade ist bekannt.

SPORT1: Wie haben sie denn Hoeneß dazu bekommen, persönlich in Ihre Sendung zu kommen?

Brückner: Das war überhaupt erst der Durchbruch für den Doppelpass. Wir haben den FC Bayern zwei, dreimal provoziert. Eines Montags klingelte dann bei mir in der Redaktion das Telefon – Uli Hoeneß war dran, wollte wissen, warum wir die Bayern immer so beschimpfen. Ich habe gesagt: "Weil Sie bislang noch nicht in der Sendung waren." Da hat er gesagt: "Okay, ich komme Sonntag vorbei" – und hat aufgelegt.

SPORT1: Eine Initialzündung?

Brückner: Definitiv. Da haben sich die anderen gedacht: Wenn der da sitzt, komme ich auch. Bei Franz Beckenbauer hat es ewig gedauert. Die Sendung war schon lange etabliert, da war sie für ihn immer noch Kasperletheater.

SPORT1: Was hat seine Meinung geändert?

Brückner: Sein erster Besuch stand in der Woche an, in der er bei der Weihnachtsfeier des FC Bayern sein Kind gezeugt hatte. Die Bild hatte das damals enthüllt. Bei seinem Auftritt im Doppelpass haben wir das Thema ausgeklammert. Danach hat er die Sendung geliebt.

SPORT1: Ein Stammgast im Doppelpass war Udo Lattek. Für Sie beide eine sehr innige Zusammenarbeit.

"Einen sehr sensiblen Moment mit Udo"

Wontorra: Der Anfang war relativ schwierig zwischen uns. Das lag mit Sicherheit an unserer Herkunft. Wir sind beide Ostpreußen – und das sind sehr sture Menschen. Es hat zwei, drei Monate gedauert, bis wir gemerkt haben, dass wir einander nichts Böses wollen. Danach sind Udo und ich zum eingespielten Team geworden, haben öfter den Good Boy und den Bad Boy gegeben. Dieses Rollenspiel ist Teil einer Strategie geworden, die wir für die Sendung hatten.

SPORT1: Gibt es einen persönlichen Moment mit ihm abseits der Kameras, an den Sie sich besonders erinnern?

Wontorra: Das war ein langes Gespräch über den Tod seines Sohnes, der sehr früh gestorben ist. Ein sehr sensibler Moment. Das war die Stunde, in der ich Udo erst privat kennengelernt habe.

SPORT1: Fast so legendär wie Udo Lattek ist das Phrasenschwein für den Doppelpass.

Wontorra: Das Phrasenschwein ist eine Institution. Für den Doppelpass so wichtig wie für das Aktuelle Sportstudio die Torwand. Eine geniale Erfindung von Rudi Brückner.

SPORT1: Dann erzählen Sie mal, Herr Brückner:Wie ist Ihnen die Idee gekommen?

Brückner: Reiner Zufall. Die ersten DoPa-Sendungen verliefen sehr zäh. In der Redaktion haben wir gerätselt, warum das so ist. Da hat ein Kollege gesagt: "Diese Schweine haben ja auch nicht den Mut zu sagen, was sie denken." Da war die Idee geboren: Wer Phrasen drischt, muss zahlen. Und ich muss sagen: Das Schwein war immer ein Stimmungsaufheller.

Die Folgen von Betablocker und Kaffee

SPORT1: Es gab einen Gast in Ihrer Sendung, der wollte partout nicht in Stimmung kommen…

Brückner: Sie meinen Robert Wieschemann, den früheren Aufsichtsratschef von Kaiserslautern.

SPORT1: Der zwei Tage nach seinem legendären Auftritt im Doppelpass zurückgetreten ist.

Brückner: Da hat der DoPa ein Stück Vereinsgeschichte geschrieben. Die Lauterer steckten damals in der Krise, von den Verantwortlichen war keiner außer Wieschemann bereit, etwas zu sagen. In der Sendung hat er dann so gestammelt, dass die Leute im Publikum begonnen haben, sich über ihn lustig zu machen. Im Nachhinein hat Wieschemann seinen Auftritt so erklärt: Er gilt als Choleriker, wollte sich deshalb wohl besonders zurücknehmen. Jedenfalls muss er zwei Betablocker eingeworfen und darauf zwei Kaffee getrunken haben. Darunter hat offenbar sein Sprachzentrum gelitten.

SPORT1: Die Szene wird am Sonntag auch noch einmal Bestandteil der Jubiläumssendung sein. Wie kann man 20 Jahre Doppelpass in einem Satz zusammenfassen?

Wontorra: Der Doppelpass ist Kult. Punkt. Mehr geht nicht.

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