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Hoffmanns Erzählungen Laptop
War man nicht eben noch leuchtendes Vorbild, Speerspitze des Fortschritts, wenn man am Klappcomputer seinen Dienst tat? © Getty Images

Unser Autor steht dazu: Auch er verfasst seine Artikel an einem zusammenklappbaren Rechner. Die Kritik lässt er nicht auf sich sitzen. Hoffmanns Erzählungen.

Reden wir an dieser Stelle nicht drumherum, ich gebe es zu, da ist nichts, was ich zu verbergen hätte: Ja, ich bin ein Laptop-Kolumnist.

Alle Zeilen, die Sie hier lesen, auch diese, sind auf einem zusammenklappbaren Rechner geschrieben, auf welchem, tut nichts zur Sache, kaufen Sie am besten alle, ich habe kein moralisches Problem damit. Warum auch?

Ich weiß, "Laptop-Kolumnist", das ist grad so ein Reizwort, ein Schimpfname. Was soll's, so sind die Leute. An einem Tag bist du für sie ein kluger Konzeptschreiber und Leserflüsterer, am nächsten ein weltfremder Salonkolumnist und Glossen-Hipster: So ist das eben, ich habe gelernt, damit klarzukommen.

Martin Hoffmann schreibt seit 2009 für SPORT1 die Kolumne "Hoffmanns Erzählungen"
Martin Hoffmann schreibt seit 2009 für SPORT1 die Kolumne "Hoffmanns Erzählungen" © SPORT1

Der Laptop ist nun also mal wieder das Ding der Kritiker, nun gut, das darf es sein. Aber ich darf mich dann schon auch wundern.

War man nicht eben noch leuchtendes Vorbild, Speerspitze des Fortschritts, wenn man am Klappcomputer seinen Dienst tat?

"Laptop- und Lederhosen-Kolumnisten": War das nicht eben noch der Slogan, mit dem unsereins High-Tech-Kompetenz und uneingeschränkte Champions-League-Reife attestiert wurde? Und aus derselben geographischen Ecke nun das. Auf einmal behaupten die Leute, dass man alles anders machen müsse, auf einmal nervt man sie mit seinem EDV-Kursbestengesicht.

Ach, ich kann es ja doch nicht verhehlen: Ein bisschen trifft mich das alles schon.

Vor allem, weil ich ja selber auch traditionsverbunden, ein Liebhaber bin, Sie wissen es. Ich würde die die sprachlichen Grundlagen der Erzählungen ja auch gern noch wie früher auf der Schiefertafel konzipieren und dann auf Vinyl einsprechen, aber das lohnt sich halt nur noch für die wenigsten.

Die Zeiten sind andere, eigentlich ja auch schon viel weiter als ich: Andere tippen ihre Kolumnen längst in Tablets, in Smartphones oder gleich direkt in die Cloud hinein.

Mir geht das auch zu weit, ich würde nicht verzichten wollen auf die körperliche Erfahrung, das Adrenalin, die Aufregung, die das alles hier mit sich bringt.

Aber ganz ohne gewisse Grundkenntnisse geht es nun mal nicht mehr: Zwei-Finger-System, Tastatur-Gegenpressing, konsequentes Umschaltspiel zwischen Groß- und Kleinschreibung - ein bisschen Ahnung sollte man von alldem schon haben.

Man muss sich deswegen nicht hineinsteigern ins Debattieren und Dozieren über diametral abkippende Doppelpunkte und ähnliches. Letztendlich bin ich da ja auch beim großen Otto Rehhagel und dem, was er mir zum Ende seiner Karriere noch mit auf den Weg gegeben hat: Junger Mann, sagte er sinngemäß, durch zu langes Verweilen am Laptop ist noch kein Klick gewonnen worden.

Am Ende des Tages kannst du Kursinhalte aufsaugen, wie du willst - es kommt immer noch auf die Umsetzung an. Oder, um es mit dem nicht kleineren Adi Preißler zu sagen: Entscheidend is auffe Enter-Taste.

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