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Kitzbühel - Tokyo Sexwale, der Südafrikaner mit den vielen Gesichtern, soll nach Franz Beckenbauers Willen die FIFA reformieren. Doch manch einem ist der charismatische Freiheitskämpfer dem jetzigen System zu nahe.

Ein Lautsprecher ist er nicht, der Mann, der nach Franz Beckenbauers Willen den Fußball retten soll. Zumindest nicht auf den ersten Blick. Vielmehr tritt Mosima Gabriel Sexwale (62), genannt "Tokyo", gesprochen "Sekuale", äußerst bedächtig auf.

Dezent fiept sein modernes Smartphone, als es im Pressegespräch klingelt, seelenruhig runzelt der kräftige Glatzkopf kurz die Stirn, drückt den Anrufer weg und spricht mit tiefem Bass weiter seinen wohlüberlegten Text.

So leise er im ersten Moment wirkt, so energisch kann er auftreten, wenn er für eine Sache kämpft. Sein Thema beim Sport-Gipfel Camp Beckenbauer: "Does sports have political power?" Energisch und gestenreich beschwört der Südafrikaner die Kräfte des Spiels, seine Antwort ist ein klares Ja.

Mann mit vielen Gesichtern

Sexwale ist ein Mann mit vielen Gesichtern: In der Anti-Apartheid-Bewegung seines Heimatlandes kämpfte er an der Seite Nelson Mandelas, saß mit dem legendären Politiker zusammen in Haft auf Robben Island.

Er machte sich einen Namen als äußerst erfolgreicher Geschäftsmann im Rohstoffhandel (Platin, Gold, Diamanten). Und er bewegt sich als ehemaliger Regierungschef der Provinz Gauteng sicher auf dem politischen Parkett, sollte sogar Staatspräsident Südafrikas werden.

Und warum "Tokyo"? "Ich habe früher Kampfsport gemacht", erklärt er in Kitzbühel im Gespräch mit SPORT1 seine Karate-Leidenschaft: "Und da haben sie eben immer gesagt, der Mann aus Tokyo. Das ist hängengeblieben."

Vorteil gegenüber anderen Kandidaten

Der Kämpfer vom Kap. Beckenbauer will ihn als obersten Herrscher des Fußballs installieren.

Sollte er sich für eine Kandidatur entscheiden, wären seine Chancen wohl nicht schlecht, am 26. Februar 2016 die Nachfolge Sepp Blatters als Präsident der FIFA anzutreten.

Die möglichen Gegenkandidaten sind wie Michel Platini (Frankreich) und Chung Mong Joon (Südkorea) selbst massiv in Verruf geraten, oder es mangelt ihnen schlicht an Unterstützung wie bei Prinz Ali bin al-Hussein (Jordanien), Zico (Brasilien) oder Musa Bility (Liberia).

Sexwale noch zurückhaltend

Sexwale gibt sich zurückhaltend. "Ich überlege und denke nach, lasst uns abwarten", sagte er am Dienstag. Bewerten wolle er die Krise bei der FIFA ohnehin nicht. Nur so viel: "Wir sind alle betroffen von dem, was passiert. Aber ich denke, die FIFA wird wieder in Ordnung kommen."

Mit Sexwale an der Spitze? Beckenbauer erklärt seine Idee: "Ich habe ihn genannt, weil er eine politische Vergangenheit hat, aber sich im Sport auskennt und dort nicht ganz geruchlos ist. Er ist mir eingefallen, weil er sehr intelligent ist und auch das Netzwerk hat."

Der schwerreiche Sexwale, für sein soziales Engagement bekannt, vermittelt als Berater der FIFA aktuell zwischen Israel und Palästina, wäre also kein echter Externer.

Beckenbauer schwärmt

Beckenbauer erzählte, bei der Übergabe von der WM 2006 zum Turnier 2010 sei man sich "sehr nahe gekommen". Zu nahe? Dieser Meinung ist Spaniens Ligapräsident Javier Tebas, der Sexwale nicht für einen geeigneten Reformer hält: "Für mich müsste es mehr Veränderung geben."

Beckenbauer dagegen schwärmt: "Wir wissen um die Qualitäten der Südafrikaner und um die Qualitäten von Tokyo Sexwale. Ich bin sicher, dass der DFB ihn bei einer Kandidatur unterstützen würde."

Eine realistische Lösung

Fünf Nationen müssen einen Kandidaten unterstützen, Deutschland und seine Heimat Südafrika, wo er einen sehr guten Ruf genießt, hätte er also auf seiner Seite. Beckenbauer selbst betonte einmal mehr, dass er selbst keine Ambitionen habe.

Des Kaisers Kandidat dagegen könnte eine realistische Lösung zu sein.

Zu denken geben sollte einem allerdings, das auch der verruchte Blatter Sexwale unterstützt. Der Bunte sagte Blatter über seinen möglichen Nachfolger: "Er macht einen guten Job. Er ist ein guter Mann."

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