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Frankfurt am Main - Nach der brisanten Präsidiumssitzung geben sich die zerstrittenen Macher im Deutschen Fußball-Bund versöhnlich. Hinter den Kulissen dürfte es aber ordentlich gekracht haben.

Die Machtspielchen hinter den Kulissen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) dauerten gut vier Stunden - dann hatten sich alle wieder lieb. Der öffentlich ausgetragene Zwist zwischen den Vertretern des Profi-Fußballs und den 21 Landesverbänden um die "Causa Grindel" scheint zumindest nach außen beigelegt (DFB-Interimspräsident Dr. Rainer Koch am Sonntag im Doppelpass).

Erst soll die Affäre um die WM 2006 aufgeklärt werden - dann über den Nachfolger des zurückgetretenen DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach (64) nachgedacht werden. Der wird wohl Reinhard Grindel (54) heißen.

"Wir sind uns völlig einig: Es geht nicht nur um einen Kopf für den DFB, sondern um die Aufarbeitung einer sehr bedrückenden Affäre", sagte Grindel, der am vergangenen Dienstag von den Landesfürsten einstimmig aber gegen den Willen der Ligavertreter sehr eilig ins Rennen geschickt worden war: "Wir werden gemeinsam Konsequenzen ziehen und den DFB zukunftssicher machen. Wir reden miteinander und nicht übereinander."

"Die Aufarbeitung hat Vorrang"

Ein außerordentlicher Bundestag, auf dem gewählt wird, werde definitiv erst nach Abschluss der Ermittlungen der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer anberaumt, sagte DFB-Interimspräsident und Ligaverbands-Boss Reinhard Rauball (68): "Wir sind gemeinsam zu der Auffassung gelangt, dass die Aufarbeitung Vorrang hat. Danach werden wir uns zusammensetzen und überlegen, was wir statuarisch verändern können und müssen, um die Sichtweise beider Parteien zu berücksichtigen. Wir wollen den DFB zukunftssicher machen."

Derzeit scheint ein erstes Fazit der externen Ermittler bis Ende des Jahres realistisch, die anschließenden Strukturdiskussionen werden "kurzfristig" stattfinden, sagte Rauball. Der ordentliche DFB-Bundestag ist für den 3. und 4. November 2016 in Erfurt terminiert.

Mutlu spricht von "Trauerspiel"

DFL-Boss Christian Seifert (46) bestätigte, dass der Profi-Fußball vorerst keinen eigenen Kandidaten aufstellen werde. "Wir sind übereingekommen, dass wir zunächst über inhaltliche Themen sprechen wollen", sagte der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL).

Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hatte sich schon am Freitagmittag für eine Doppelspitze ausgesprochen. "Zumindest für einen Zeitraum von drei Jahren. Vielleicht mit Reinhard Grindel und einem Vertreter der Liga", sagte der BVB-Boss dem kicker: "Wir haben die ganze Thematik rund um die WM-Vergabe noch nicht aufgeklärt. Wir haben uns nicht einmal im Ansatz Gedanken gemacht, ob wir in veränderten Strukturen das eine oder andere vielleicht hätten verhindern können."

Grindels politische Gegner wettern unterdessen weiter gegen die Entscheidung der Landesverbände. "Wohin steuert der DFB? Ein Trauerspiel nach dem anderen. Bisher null Aufklärung und null Transparenz - aber eine tagelange und unsägliche Debatte um die Personalia des künftigen DFB-Präsidenten", sagte Özcan Mutlu, sportpolitischer Sprecher der Grünen der Rheinischen Post: "Diese Debatte schadet dem krisengeschüttelten DFB weiter und verhindert dringend nötige Strukturveränderungen."

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